Bei Cantare klingen Volkslieder zeitlos schön

"Cantare" bei der Probe im Ev. Gemeindehaus in Repelen. Chorleiter Hans-Hermann Roosen am Klavier.
"Cantare" bei der Probe im Ev. Gemeindehaus in Repelen. Chorleiter Hans-Hermann Roosen am Klavier.
Foto: WAZ FotoPool
Cantare Repelen ist anders als andere Chöre. Mit dem Konzept „Cantare 2020 - Singen in jedem Lebensalter“ hat die „vokale Holding“ Weichen für die Zukunft gestellt. Aus dem ehemaligen Frauenchor mit 35 Mitgliedern ist eine Chorgemeinschaft mit knapp 80 Sängerinnen geworden.

Moers.  Auch wer noch keinen Ton gehört hat, merkt schnell, dass Cantare Repelen anders ist als andere Chöre. Genau genommen ist Cantare nämlich gar kein Chor, sondern eine „vokale Holding“. Und der Vorstand ist kein Vorstand, sondern ein „Management“. Nicht nur veraltete innere Strukturen, sondern auch verkrustete Sprache wollten Chorleiter Hermannjosef Roosen und die Vorstandsvorsitzende Marliese Brinkmann vor sieben Jahren aufbrechen, um den damaligen Frauenchor Cantare fit für die Zukunft – und damit attraktiv für den Sängernachwuchs zu machen.

Ihr Konzept „Cantare 2020 – Singen in jedem Lebensalter“, mit dem sie dem grassierenden Mitgliederschwund in der traditionellen Chorlandschaft begegnen wollten, traf anfangs in der Szene auf Skepsis und Ablehnung, mitunter sogar auf Häme. Sieben Jahre später gibt der Erfolg den Vordenkern recht: Aus dem ehemaligen Frauenchor „Cantare“ mit 35 Mitgliedern ist heute eine Chorgemeinschaft mit vier verschiedenen Ensembles, knapp 80 Sängerinnen im Alter von 15 bis 86 Jahren geworden. Die mindestens sechs großen Konzerte pro Jahr sind immer bestens besucht.

Das Grundrezept der fortwährenden Verjüngungskur: verschiedene Ensembles für verschiedene Chorliteratur unter einem Dach, neue, fremdsprachige Lieder, aktive Suche nach neuen Mitgliedern über Castings. Die Chorgemeinschaft als musikalischer Dienstleister, der, so sagt Roosen, dem in der heutigen Zeit veränderten Zuhörergeschmack entgegen komme. Musikalisch bedient wird dabei eine große Bandbreite – von tradiert bis modern, vom Volkslied über Klassik bis hin zu Rock und Pop, von der weltlichen bis hin zur liturgischen Musik.

„Das war schon ganz nett.“ Wer den „Director of music“ Hermannjosef Roosen bei einer Probe erlebt, ahnt, dass dies nicht wirklich ein Lob ist. Dabei kommt das mehrstimmige „He ain’t heavy, he’s my brother“ schon jetzt mit ziemlich viel Gefühl rüber.

„Hört auf euch selbst, nicht auf Anweisungen“, rät Roosen seinen Sängerinnen, „ihr müsst die Geschichte musikalisch erzählen.“ Stimmbildung am Werk selbst – das ist eines seiner Erfolgsrezepte. Roosen, der von der Kirchenmusik kommt, findet schon lange, „dass Popmusik total unterschätzt wird“.

Der jüngste Cantare-Ableger, das Ensemble Musical Collection, probt heute für die Neujahrsshow im Januar zum 50jährigen Jubiläum von Cantare eine Rock-Hymne – Led Zeppelins „Stairway to heaven“.

Der Part von Solistin Andrea Roosen sitzt schon ganz gut, am Background-Chor fehlt dem Chorleiter aber noch der dichte Klang: „Leute, wir reden hier nicht von Harpo oder Cats – das ist Led Zeppelin. Ihr müsst ein ganzes Orchester ersetzen.“

Auf den ersten Blick und ob der hohen Qualität der Konzerte klingt es verblüffend, aber: „Hier kann jeder mitsingen“, sagt Roosen, „denn das ist ja Gesangsunterricht, was hier passiert.“ Der Spaß am Singen wird bei Cantare über das Lied vermittelt, gemeinsame Erfolgserlebnisse schweißen zusammen.

Und wenn die „alten“ Damen von Da Capo gemeinsam mit den jungen Wilden von Musical Collection „Der Mond ist aufgegangen“ singen, klingt auch ein Volkslied zeitlos schön.

 
 

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