Aus dem Hut gezaubert

Christoph Fleischhauer macht’s.
Christoph Fleischhauer macht’s.
Foto: Waz FotoPool

Moers..  Christoph Fleischhauer bemühte sich um Gelassenheit. Und das war schwer genug. Erstens war er trotz seiner vielen (Ehren-)Ämter bis dato keiner, der die Öffentlichkeit gesucht hat. Zweitens hätte man gestern glauben können, die gesamte Moerser CDU drängele sich in den Konferenzraum und drittens: Niemand hatte den Moerser Rechtsanwalt bis gestern Mittag, 12 Uhr, auf dem Ticket. So ließen die Christdemokraten in aller Genüsslichkeit die Bombe platzen: Der 48-jährige Familienvater wird in der CDU-Mitgliederversammlung am 13. Juli zum Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2014 gekürt und soll Amtsinhaber Norbert Ballhaus ablösen.

Abgelöst hat der Sportler noch niemanden, aber gelöst wirkte er nachher schon. Groß war der Druck, der auf ihm lastete. Der CDU und Fleischhauer selbst gelang es zwei Monate lang, die Entscheidung geheim zu halten, während sich die Öffentlichkeit schon auf den Fraktionsvorsitzenden Ingo Brohl einstellte. Nur, das Prinzip „Ingo Überall“ funktioniere nun mal nicht, erklärte Parteichef Joachim Fenger. Und mit Fleischhauer habe man einen Kandidaten gefunden, der nicht als Parteifunktionär wahrgenommen werde. Dafür aber als extrem engagiert für die Moerser Bevölkerung.

Auch im Kirchenvorstand

In der Tat ist Fleischhauer, der ehemalige Leistungsschwimmer, seit 1997 im Kirchenvorstand der Gemeinde St. Ida, heute Großgemeinde St. Martinus, und sitzt nicht nur der Moerser Adler HSG vor, sondern seit vier Jahren gleich dem gesamten Stadtsportverband mit seinen fast 25 000 Mitgliedern. Als solcher setzte er sich insbesondere für eine zukunftsfähige und bezahlbare Stadtsportentwicklung ein. Sportpark Rheinkamp, Solimare, Hallen – ohne den Stadtsportverband geht in Moers nichts.

Christoph Fleischhauer hat das bislang ohne großes Aufsehen um seine Person getan, seinem Wesen entsprechend, wie er es ausdrückt. Ein Leisetreter ist der gebürtige Gelderner deshalb nicht. Im Spannungsfeld zwischen Kultur, Sozialem und Sport vertrat Fleischhauer vehement die Interessen des Sports. Sogar per offenem Brief im pressewirksamen Schlagabtausch mit der Kultur GmbH. Trotzdem warnte er in der jüngsten Stellungnahme des Stadtsportverbandes davor, diese wichtigen Lebensbereiche im Zuge der Sparmaßnahmen gegeneinander auszuspielen.

„Ich will gewinnen“

Nun also will Fleischhauer, der erst seit neun Jahren in der Partei ist, mehr. Seine politische Einstellung, verrät der Abi-Absolvent des Gymnasiums Rheinkamp, habe schon früh seine „Nicht-nur-Hausfrau“-Mutter geprägt. „Bislang konnte ich in meinen Funktionen nur Empfehlungen aussprechen, aber nichts entscheiden. Das war mir nicht mehr genug.“ Angesprochen worden sei er, sogar von Politikern anderer Parteien, ob er sich nicht als Bürgermeister sehen könnte. Seine Söhne, 20 und 14, hätten ganz unterschiedlich, aber positiv, reagiert, seine Frau bestärke ihn. „Wir alle ahnen, was jetzt auf uns zukommt, wissen können wir das noch nicht.“

Fleischhauer beherrscht jedenfalls schon mal den politischen Schlagabtausch. Auf den „Mann für den Sport“ will er sich nicht reduziert sehen. Aber: „Vielleicht ist es gerade gut, einen Sportler als Kandidaten zu haben. Mit Fairness kennen wir uns aus.“ Also nur ein Katzensprung vom Wettkampf zum Wahlkampf? „Ich will keinen Wahlkampf führen. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich aktiv bewerbe. Ich sehe das als Bewerbung. Bis zur endgültigen Nominierung erst mal in Reihen der CDU, in den nächsten 365 Tagen insgesamt bei der Moerser Bevölkerung. Ich will Brückenbauer und Harmonisierer sein, kein Kämpfer.“ Was ihn persönlich störe, sei die Politikverdrossenheit, die nicht zuletzt daraus resultiere, dass viel zu oft politische Befindlichkeit offen ausgetragen würden. Apropos Befindlichkeiten. Sieht Fleischhauer sich auch als Kandidat der Rheinkamper SPD, die ihrem Kandidaten Ballhaus ja mindestens kritisch gegenüber steht? „Das müssen Sie mit der SPD Rheinkamp klären. Ich will für die CDU ein überparteilicher Bürgermeisterkandidat sein. Das wird spannend.“

Wie das Champions League-Finale heute Abend. Dort drückt Fleischhauer der Dortmunder Borussia die Daumen, glaubt aber: „Die Chancen stehen aber eher schlecht.“ Und bei der Kommunalwahl? Da hat der Schwimmer eine klare Ansage parat. „Ich stehe auf dem Startblock und will gewinnen.“

 
 

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