Anwohner in Moers stehen unter Strom

Volker Marschmann (l.) und Hartmut Hohmann wollen die Hochspannungsleitung nicht.
Volker Marschmann (l.) und Hartmut Hohmann wollen die Hochspannungsleitung nicht.
Foto: WAZ FotoPool
Seit Dienstagabend gibt’s einen Verein mehr: „Moers unter Hochspannung“ will verhindern, dass Netzbetreiber und RWE-Tochter Amprion in Utfort 100 Meter hohe Hochspannungsmasten baut. Nun werden im Stadtteil Unterschriften gesammelt.

Moers..  Seit Dienstagabend gibt’s einen Verein mehr: „Moers unter Hochspannung“ will verhindern, dass Netzbetreiber und RWE-Tochter Amprion in Utfort 100 Meter hohe Hochspannungsmasten baut – im Rahmen der Energiewende ein Teil der Stromautobahn von der Nordsee nach Süddeutschland. Verein und Anwohner des Utforter Umspannwerkes wollen nun im Stadtteil Unterschriften sammeln.

Zu nah an den Häusern, so die Utforter, verliefen die 380 KV-Leitungen, würde dem Netzbetreiber Amprion die von ihm gewünschte Trassenführung genehmigt. Hartmut Hohmann, der seit Jahren gegen den Lärm des Umspannwerks kämpft, plädiert für eine Trasse entlang der A 42: „Diese Variante war für uns die sympathischste.“

Mehrfach wurde aus den Reihen der etwa 80 Zuhörer die Frage gestellt, ob es keine Bestimmungen gebe, welche den Stromtrassenbau in der Nähe von Wohnhäusern verbieten würden. Ein Zuhörer wollte zudem wissen, wer in Moers genehmigt habe, Häuser in unmittelbarer Nähe zum Umspannwerk zu bauen – immerhin steht das Umspannwerk seit 1926.

Hohmann: „Das Umspannwerk kriegen wir nicht weg“

Die Antwort auf diese Frage blieb SPD-Ratsherr Hohmann schuldig. Er erklärte lediglich: „Das Umspannwerk kriegen wir nicht weg.“ Zudem hätten weder die Stadt noch die Moerser Politik in Sachen Trassenführung was zu melden, erklärte Hohmann; Bürgerprotest scheint die einzige Möglichkeit der Einflussnahme darzustellen. Politisch gepuscht wird der Verein derzeit nur von der SPD, genauer gesagt von den Ratsherren Hartmut Hohmann und Volker Marschmann, beide in Utfort ansässig. Vertreter anderer Parteien ließen sich am Dienstag in der Regenbogenschule nicht sehen.

Kriminalhauptkommissar Helmut Breitfeld wurde zum Vorsitzenden des Vereins „Moers unter Hochspannung“ gewählt. „Wir wollen die bestmögliche Planung für den Bürger erreichen“, beschreibt er das gesteckte Ziel. Allerdings sieht er sich und den Verein erst am Anfang eines langen Kampfes um eine verträgliche Trassenführung; betroffen seien auch die Bewohner von Meerfeld, Eick-West, Eicker Wiesen und Hülsdonk.

Für den Kriminalisten bedeuten die Amprion-Pläne einen Trassenneubau, der ein Planfeststellungsverfahren und eine Umweltverträglichkeitsprüfung bedingt. Breitfeld: „Das Umspannwerk sollte auch verlegt werden.“ Zwar müsse der Netzbetreiber sein Geld verdienen können, jedoch dürfe die Nachhaltigkeit, sprich der Blick auf die nächsten Jahrzehnte, nicht vernachlässigt werden.

 

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