Anwerber will Männer in Moerser Innenstadt für Terrorcamp begeistern

In der Fußgängerzonen haben Salafisten kostenlos den Koran verteilt.
In der Fußgängerzonen haben Salafisten kostenlos den Koran verteilt.
Foto: WAZ FotoPool
Ein Anwerber hat mitten in der Moerser Innenstadt versucht, zwei junge Männer davon zu überzeugen, ein Terrorcamp in Afghanistan zu besuchen: Es sei wirklich prima, tagsüber gäbe es Schießereien mit den Amerikanern, und abends Lagerfeuer. Dafür interessierte sich dann auch der Staatsschutz.

Moers. Massenmorde, Völkervertreibung und Terroranschläge: Wer in diesen Tagen die Zeitung aufschlägt, kommt an den Meldungen nicht vorbei, in denen islamistische Extremisten der schlimmsten Gräueltaten beschuldigt werden. In Deutschland scheinen sich immer wieder junge Männer radikalisieren zu lassen, scheinen – aus welchen Motiven heraus auch immer – zur Waffe zu greifen, um „Angersgläubige“ zu bekämpfen. Anwerbungen für Terrorcamps dürften keine Seltenheit sein – sie gab es auch am Kö, mitten in Moers.

Mit angehört wurde eine solche Anwerbung eines Abends durch ein Mitglied der Redaktion, während der bestellte Döner in Arbeit war. Draußen auf dem Kö versuchte ein junger Mann, zwei anderen einen Aufenthalt in einem Terrorcamp schmackhaft zu machen.

Der Werber war eine gepflegte Erscheinung: schlank, kurzer Haarschnitt, Rollkragenpullover und Jeans. Er versuchte zwei junge weitere Männer davon zu überzeugen, ein Terrorcamp in Afghanistan zu besuchen: Es sei wirklich prima, tagsüber gäbe es Schießereien mit den Amerikanern, und abends Lagerfeuer. Den erstaunten Blick des Journalisten hatte der Anwerber registriert – noch bevor der Döner über die Theke gereicht war, verschwanden die drei unauffällig.

Der Anwerber war nicht in der Fotokartei zu finden

Diese Begebenheit führte zu ei­nem Besuch beim Staatsschutz der Duisburger Kripo und der Durchsicht der Fotokartei – Lichtbildvorlage hieß das früher. Doch der Anwerber vom Kö war nicht dabei.

Das Innenministerium NRW hat in seiner Studie „Salafismus: Ursachen, Gefahren und Gegenstrategien“ versucht, die Gründe darzustellen, welche junge Männer in die Radikalisierung treiben. Unter anderem werden genannt: einfach gestricktes Weltbild; salafistische Gruppen als eine Art Ersatzfamilie; das Gefühl, in einer ungerechten Welt vermeintlich gerechtere Verhältnisse schaffen zu können.

Um der Gefahr zu begegnen, hat der Verfassungsschutz NRW unter anderem das Projekt „Wegweiser“ gestartet. In Modellkommunen werden Erfahrungen gesammelt und analysiert.

 
 

EURE FAVORITEN