Anspruchsvolles Konzert des Kammerorchesters

Moers..  Mit einem klassischen Herbstkonzert des Niederrheinischen Kammerorchesters Moers (NKM) startete am Samstag im Kulturzentrum Rheinkamp die städtische Konzertreihe 2016/17. Das NKM ist ein Streichorchester, das fast nur aus Hobby-Musikern besteht und seit 1967 das Moerser Kulturleben durch Aufführungen von Werken des Barock, der Klassik und der Romantik bereichert.

„Bei uns sind Musiker aller Altersklassen vertreten. Ein besonderes Anliegen ist es aber, junge Musiker zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu ersten Orchestererfahrungen zu bieten“, erklärt Orchester-Vorsitzende Ute Schuster, die selbst Violine spielt. In der Tat waren auf der Bühne mehr junge Gesichter als im rund 300 Besucher zählenden Publikum zu sehen – die jüngste Geigerin war gerade erst zwölf Jahre alt. Dabei hatte Orchesterleiter und Dirigent Michael Preiser ein ziemlich anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das nicht nur die Streicher forderte, sondern auch nur mit Unterstützung der Düsseldorfer Bläsersolisten zu bewältigen war.

So kamen mit der Ouvertüre zum Trauerspiel „Coriolan“ und der 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven sowie der Kammersinfonie Nr. 4 für Klarinette, Streicher und Triangel von Mieczyslaw Weinberg ganz unterschiedliche Interpretationen des Themas „Die Suche nach Freiheit“ zu Gehör.

Kampf um musikalische Freiheit

Während Altmeister Beethoven in seinen Anfang des 19. Jahrhunderts entstandenen Werken den Widerstand gegen Napoleon thematisiert, zeigt Weinberg, ein polnischer Jude, der 1939 in die Sowjetunion floh, den eigenen Kampf um persönliche und musikalische Freiheit. In seiner 1992 komponierten Sinfonie wechseln sich laute, schrille, dissonante mit ruhigen, konsonanten Passagen ab und erzeugen so eine körperlich fühlbare starke Spannung. Ein für Musiker und Zuhörer nicht ganz einfaches Werk, das nicht zuletzt dank Sara Tavassoli als Solo-Klarinettistin zu einem starken Erlebnis wurde: „Weinberg ist hierzulande leider kaum bekannt. Er zählt zweifellos zu den großen Komponisten der klassischen Moderne“, begründet Preiser die ungewöhnliche Wahl.

„Es war eine interessante und spannende musikalische Kombination, die uns sehr berührt hat“, zogen Rolf Hebbinghaus und seine selbst künstlerisch tätige Begleiterin aus Duisburg, ein überaus positives Resümee. „Einfach toll, wie das Moerser Publikum auf diese musikalische Herausforderung reagiert“, freute sich auch Preiser am Ende über den stürmischen, minutenlangen Beifall.

Die komplette, elf Veranstaltungen umfassende Konzertreihe kann man übrigens zum günstigen Abo-Preis von 105 Euro genießen.

 
 

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