Angst vor Sirenen und Bomben

Kamp-Lintfort..  Als der Krieg im März 1945 nach Kamp-Lintfort kam, war Helmut Broekmann gerade einmal fünf Jahre alt. Seine Familie lebte an der Konradstraße. Der heute 75-Jährige, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Niederrhein, kann sich noch gut erinnern, wie es war, als er im März 1945 zum ersten Mal US-amerikanische Soldaten sah.

„Sie kamen mit Halbfahrzeugen, vorne Reifen und hinten Ketten, und sind in Richtung Zeche gefahren.“ Alle zehn Meter habe an der Friedrich-Heinrich-Allee ein Posten gestanden, und „es kam ein Bollerwagen um die Ecke, da guckten Beine raus.“ Zwei Frauen zogen den Wagen und wurden von einem farbigen GI kontrolliert, der sie weiterziehen ließ: Im Wagen lag die Leiche eines Pfarrers, der mit einem weißen Tuch in der Hand versucht hatte, das sinnlose Töten zu beenden. „Man vermutete, dass er von deutschen Soldaten erschossen wurde“, erzählt Broekmann, „es waren böse, harte, fiese Kämpfe.“ Auch eine Frau, die von einem Fenster aus den Amerikanern winkte, sei erschossen worden.

Doch Helmut Broekmann weiß auch von anderen Beispielen zu berichten. Ein Hauptmann Schott von der deutschen 37. Fallschirmjägerdivision habe am Dachsberg 22 US-Soldaten gefangen genommen, sie bis zum Kamper Berg gefahren und dort laufen lassen. „Den Hauptmann Schott, den habe ich ein paar Jahre später kennen gelernt. Der hat noch lange in Kamp-Lintfort gelebt. Er war ein netter Kerl.“

Der kleine Helmut hatte große Angst vor Sirenen und Bomben: „Bei uns landete eine im Garten.“ Eine Zuflucht suchte der Fünfjährige bei dem Nachbarn, der Steiger auf Friedrich-Heinrich war: „Der strahlte eine unendliche Ruhe aus. das übertrug sich.“ Als die Amerikaner in der Nähe dann einen Flugplatz bauten – „für kleine Flugzeuge, die über die Dächer hopsten“ – , da habe er seine Angst vor Flugzeugen verloren.

Dann war der Krieg aus, und der ganze Kamper Wald lag voll Munition. Die Munitionskisten waren bei Helmut Broekmanns Mutter als Behälter für Hühnerfutter heiß begehrt, und eine, die von einem Jeep in den Graben gefallen war, diente später als Wäschetruhe: „Die hatten wir 40 Jahre lang.“ Als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Niederrhein arbeitet Broekmann heute daran, Erinnerungen für die Nachwelt zu erhalten.

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