Abwegiger Verdacht gegen Ex-Ratsherrn aus Moers nach Problemhaus-Angriff

Der Hochhaus-Block an der Straße In den Peschen. An dem besagten Abend im August war auch der Moerser Philipp Küpperbusch hier bei der Nachtwache. Deshalb verdächtigt die Polizei ihn nun, zu der Gruppe Angreifer zu gehören.
Der Hochhaus-Block an der Straße In den Peschen. An dem besagten Abend im August war auch der Moerser Philipp Küpperbusch hier bei der Nachtwache. Deshalb verdächtigt die Polizei ihn nun, zu der Gruppe Angreifer zu gehören.
Foto: WAZ FotoPool
Der Staatsschutz verdächtigt den ehemaligen Grünen-Ratsherrn Philipp Küpperbusch aus Moers, am brutalen Angriff nach einer Diskussion über das Duisburger Problemhaus beteiligt gewesen zu sein - obwohl er dazu körperlich nicht in der Lage war. Offenbar werteten die Ermittler Verbindungsdaten aller Handys aus, mit denen im Umfeld telefoniert wurde.

Moers/Duisburg.. Als er am Montagmorgen die Tür öffnete, fiel Philipp Küpperbusch aus allen Wolken: Zwei Männer vom Staatsschutz der Duisburger Kripo standen auf der Matte, präsentierten einen Beschluss des Amtsgerichts Duisburgs und nahmen ihn mit zur Dienststelle nach Duisburg-Hamborn. Der Vorwurf: Verdacht der gefährlichen Körperverletzung, begangen am 23. August vor dem so genannten "Problemhaus" in Rheinhausen. Wozu der 30-Jährige schon allein von seiner Konstitution her nicht in der Lage ist.

Ex-Grünen-Ratsherr rief immer zu Gewaltfreiheit auf

Denn wie fast jeder in Moers weiß, erkrankte der ehemalige Ratsherr der Grünen und Bundestagskandidat vor drei Jahren an Leukämie, machte Schlimmstes durch. Die Menschen versuchten, über Typisierungsaktionen zu helfen, einen Knochenmarkspender zu finden. Was auch gelang und Philipp Küpperbusch das Leben rettete, auch wenn er sehr lange brauchte, um dem Tod endgültig ein Schnippchen zu schlagen. Seine heutige körperliche Konstitution beschreibt er so: „Ich breche mir den Fuß, wenn ich mir ihn stoße.“

Und dieser von seiner Krankheit gezeichnete Mann soll andere Menschen angegriffen haben? Einmal ganz abgesehen davon, dass Küpperbusch immer zu Gewaltfreiheit aufrief und am Abend des 23. August sich zum „Problemhaus“ in Rheinhausen hatte fahren lassen, um Gewalt zu verhindern – Gewalt gegen die Bewohner des Hauses, Gewalt durch möglicherweise rechte Straftäter. Viel mehr, als vor dem Haus zu stehen, konnte er nicht, aber dieses Wenige wollte er tun. Küpperbusch: „Es gab ‘ne SMS, dass Nazis da unterwegs sind. Ich hatte Angst, dass so etwas passiert wie in Solingen oder Rostock-Lichtenhagen.“

Offenbar wurden Verbindungsdaten aller Handys, mit denen im Umfeld der Straße In den Peschen telefoniert wurde, ausgewertet. „Eine Dreiviertelstunde vor der Prügelei war ich vor dem Haus.“ Da hätte es doch ausgereicht, ihn erst einmal als Zeugen vorzuladen.

Küpperbusch will kein Opfer von Polizeiwillkür werden

„Die Polizei verteidigt das Grundgesetz. Straftaten müssen ermittelt werden, alle Straftäter sind gleich zu behandeln.“ Sagte Philipp Küpperbusch während des Gesprächs im Garten seiner Eltern. Wenn er in der Vergangenheit versuchte, beispielsweise Konzerte rechter Bands in Moers zu verhindern, so tat er es stets mit rechtsstaatlichen Mitteln.

Seine Krankheit setzt ihm indes heute enge Grenzen: „Ich muss mir schon gut überlegen, was ich mir zumuten kann. Und jetzt muss ich noch mehr überlegen, wie und ob ich mich politisch engagiere – um nicht Opfer von Polizeiwillkür zu werden.“

 
 

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