Abstieg in die Moerser Geschichte

Die Sanierung des Fundaments der Stadtkirche ist reine Handarbeit. Jeder Eimer mit Ziegeln und Erde muss mit der Hand ans Tageslicht befördert werden. Foto: Peggy Mendel/WAZFotoPool
Die Sanierung des Fundaments der Stadtkirche ist reine Handarbeit. Jeder Eimer mit Ziegeln und Erde muss mit der Hand ans Tageslicht befördert werden. Foto: Peggy Mendel/WAZFotoPool

Moers.. Die Redaktion stieg hinab zu den Fundamenten der Stadtkirche. Die Säulen tragen das Gotteshaus nicht mehr: Sanierung.

Der Weg in die Geschichte der Stadtkirche führt über eine Metallleiter mehrere Meter in die Tiefe. Dort unten, über fünf Meter unter dem Boden des Gotteshauses, beginnt das Fundament. Ob es das Fundament der Johanniskapelle oder der Klosterkirche ist, das vermag Pfarrer Torsten Maes nicht genau zu sagen.

Dass dort jedoch der Quell des Übels liegt, ist deutlich zu sehen: Die Mauer hängt gewissermaßen in der Luft. Maes: „Das ist der echte Fundamentansatz. Das Mau­erwerk schwebt gewissermaßen – da ist Luft unter der Kirche.“

Um sich das anzusehen, muss man über eine steil stehende Leiter hinabsteigen, vorbei an einer Gruft, die mit Holzbrettern verkleidet ist. Der deutliche Modergeruch stammt nicht etwa von feuchten Mauern oder Grundwasser, sondern von den Gräbern unter der Kirche, wie Pfarrer Maes anschließend erklärt. „Die gesamte Fläche der Kirche ist voll mit Gruften“, so der Pfarrer, „nur machen wir die nicht mehr auf.“

An den bei der Ausgrabung gefundenen, früher begehbaren Grabplatten ist zu erkennen, dass der Boden der Kirche einmal etwa 40 Zentimeter tiefer lag. Weitere Funde sind zerbrochene Krüge, Knochen, der Teil einer Schädeldecke, verrostete Sporen. Die Knochen werden, so Torsten Maes, auf dem Friedhof in Hülsdonk bestattet.

Da unten steht man auf dem Niveau des alten „Meeres“ – durch Torf und alte Bodenschichten sind die Bauarbeiter durchgestoßen bis auf festen Grund. An den Uferbruch, an dem die Kirche gebaut wurde, erinnert der Name der Meerstraße, ebenso wie die Klosterstraße an die alte Klosterkirche. Dass beim ursprünglichen Kirchenbau bereits eine Pfahlgründung existierte, beweist ein geborgener etwa 600 Jahre alter Eichenpfahl.

600 Jahre alte Eiche und
Teile eines Skeletts

Neben ihm liegen noch andere Funde, unter anderem ein Stück einer menschlichen Schädeldecke und einer Wirbelsäule. Einer bestimmten Epoche zuordnen lassen sich die Funde kaum, so Torsten Maes. In früheren Zeiten wurde Aushub offenbar wieder verfüllt.

Die laufenden Baumaßnahmen sind reine Handarbeit: Mit Presslufthämmern dringen die Arbeiter durch die Ziegelschichten, per Hand werden Ziegel und Erde in Eimern an Seilen nach oben gezogen – es müssen Tonnen sein, die da bewegt werden. Unter einem Nebenraum wurde ein Kriechkeller entdeckt. „Zum Glück haben wir keine Krypta gefunden“, seufzt Pfarrer Maes angesichts der Kirchenbaustelle.

Architekt Rainer Tichelhoven: „Die ersten Betonpfähle sind gesetzt, die Ergebnisse sehr gut. Mit so gravierenden Tiefen haben wir nicht gerechnet.“ Zudem wird das Mauerwerk mit Edelstahlankern gesichert. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Stadtkirche gerettet werden kann. „Der Turm steht wie eine eins“, versichert Torsten Maes. Auch wenn darunter gegraben wird.

 
 

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