17-jähriges Mädchen schnitt Schaf und Pony den Kopf ab

Matthias Maruhn
Das Zwergpony Sinbad wurde von der Tierquälerin enthauptet.
Das Zwergpony Sinbad wurde von der Tierquälerin enthauptet.
Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool
Pressekonferenz bei der Krefelder Polizei: Beamte erklären, dass eine junge Frau für die schrecklichen Tierquälereien gestanden hat. Mit der Tötung und Verletzung von drei Pferden in Moers und Krefeld will sie aber nichts zu tun haben. Über die Motive der Frau schweigt sich die Polizei aus.

Krefeld. Die Krefelder Polizei ist sich sicher: Eine 17-Jährige ist für die Serie von Tierquälereien verantwortlich, die seit einem Monat vor allem Pferdebesitzer am Niederrhein beunruhigt. Die junge Frau gab zu, sowohl im Mai einem Schaf als auch im Juni einem Pony mit einem Messer den Kopf abgetrennt zu haben. Die Tötung der Tiere und das Verletzen dreier Pferde in Krefeld und Moers jedoch bestritt sie - die von ihr verstümmelten Tiere seien bereits tot gewesen. Die Ermittler rechnen ihr nun dennoch die gesamte Tatserie zu.

Über die Identität oder das Motiv zur Tat wollte die Polizei bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag nichts sagen, da das Mädchen noch nicht volljährig ist und nach dem Jugendgerichtsgesetz behandelt wird.

Foto auf dem Handy entscheidende Spur

Die Polizei war der jungen Frau auf die Schliche gekommen, nachdem sie sich zunächst freiwillig als Zeugin gemeldet hatte. Widersprüche, in die sie sich bei einer Befragung verwickelte, und ein Foto auf ihrem Handy hatten sie schließlich überführt. Eben dieses Foto war in einem Bekennerschreiben benutzt worden.

Die mutmaßliche Täterin wird nun von einem Psychiater untersucht. Die Jugendliche habe sich dazu bereiterklärt, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Ihr Motiv sei noch unklar. Sie komme aus einem intakten sozialen Umfeld, ihre Eltern seien tief getroffen gewesen, als sie von dem Verdacht erfuhren. Der Psychiater soll nun klären, ob die 17-Jährige schuldfähig ist.

Wochenlang hatte die grausige Serie von Tierquälereien die Bevölkerung am Niederrhein in Unruhe versetzt. Schafsbock "Piet" war im beliebten Kinder-Mitmach-Bauernhof "Mallewupp" geköpft worden.

Nachdem Ponys auf der Weide angestochen wurden, hätten Mädchen im Pferdestall bei ihren geliebten Tieren übernachtet und Wache gehalten, berichtete die Polizei.

Von Zeugen in der Nähe des Tatorts gesehen

Das Mädchen soll mit ihren Taten gezielt die Aufmerksamkeit gesucht haben. Die Bekennerschreiben waren als "Euer Tierquäler" gezeichnet, einen 55 Kilo schweren Kadaver eines Ponys soll sie auf einen Weg geschleppt, abgeschnittene Körperteile Anwohnern in eine Einfahrt geworfen haben und später an die Tatorte zurückgekehrt sein.

Die 17-Jährige war schließlich um 5.20 Uhr morgens auf einem Fahrrad in der Nähe eines enthaupteten Ponys von Zeugen gesehen worden. Auf einen öffentlichen Aufruf hin hatte sie sich freiwillig als Zeugin gemeldet. Erst mehrere Tage nach ihrer Aussage mehrten sich bei den Ermittlern Zweifel an ihrer Unschuld.

Zwischenzeitlich soll sie noch eine weitere Tat begangen haben. Den Ermittlern gelang der Durchbruch, als sie bei einer zweiten Vernehmung der 17-Jährigen in ihrem Handy ein Foto entdeckten, das einem der Bekennerbriefe beigefügt war. Schließlich führte die Jugendliche die Ermittler zum abgetrennten Schafskopf.

Als entlastet gilt ein Mann, der sich nachts auf einer Koppel Ponys genähert hatte, in der Hand einen Gürtel zu einer Schlinge geknüpft. Weil er nicht erklären konnte, was er dort vorhatte, war er in Untersuchungshaft genommen und erst nach dem Teilgeständnis des Mädchens entlassen worden.

Die 17-Jährige ist - zum Ärger mancher Tierschützer - auf freiem Fuß. Ihre Familie sei nun im Bilde, für Betreuung gesorgt, ihre Identität bekannt - es gebe keinen Grund, die Minderjährige zu inhaftieren, betonten die Ermittler.