Wo die Alten im Blickpunkt stehen

Richtfest am Blindenheim Meschede
Richtfest am Blindenheim Meschede
Foto: WP
An der Nördeltstraße entsteht das neue Seniorenzentrum „Blickpunkt Meschede“. Der erste Bauabschnitt ist fertig gestellt, 2014 wird das gesamte Gebäude stehen und das bisherige Blindenheim ersetzen.

Meschede. „Ein Volk das menschlich ist, seine Alten nicht vergisst“, reimte Zimmermann Klaus Lutterbüse gestern in seinem Richtspruch. Da oben an der Nördeltstraße werden die Alten nicht vergessen. Im Gegenteil: In dem neuen Seniorenzentrum „Blickpunkt Meschede“ wird für sie schon weit im Voraus geplant.

An den Namen wird man sich erst noch gewöhnen müssen. 2014, wenn alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, folgt die Umbenennung des jetzigen Blindenalten- und Pflegeheims. Der erste Bauabschnitt mit dem ersten Neubau ist abgeschlossen, gestern Nachmittag war Richtfest. Im nächsten Sommer können die ersten 32 Bewohner in das neue Gebäude umziehen, dann wird wiederum der erste Teil des Altgebäudes abgebrochen.

Acht Millionen Euro investiert der gemeinnützige „Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen“ in Meschede. Für den Vorsitzenden Klaus Hahn ist es ein Modellvorhaben. Hier wird umgesetzt, was der Begriff der Inklusion verlangt, nämlich das Zusammensein und das Akzeptieren aller Menschen. Durch die UN-Behindertenrechts-Konvention ist dafür als Folge schon vieles auch an neuen Standards und DIN-Normen entstanden, die im „Blickpunkt“ schon umgesetzt werden – große Einzelzimmer mit jeweils 22 Quadratmetern, rollstuhlgerechte Bäder, alles barrierefrei, alles konzipiert für Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps. „Universal design“, nennt es der baubegleitende Architekt Bertram Weiland. Ausdrücklich sind die nächsten 30 Jahre schon im „Blickpunkt“ im Blick. Steigt etwa der Bedarf an Kleinstwohnungen, dann könnten die jetzt entstehenden Einzelzimmer später durch minimale Umbauten so verbunden werden. Jede Pflegegruppe erhält ein großes zusätzliches Wohnzimmer, wo Gemeinschaft stattfinden kann. Alles ist licht gestaltet, die Fenster sind so niedrig angelegt, dass auch Rollstuhlfahrer den Blick auf Meschede genießen können.

Wie es die Inklusion wünscht, sollen Behinderte und Nichtbehinderte zusammenkommen. Schon heute leben hier im Heim 70 Prozent Blinde und schwer Sehbehinderte, dazu 30 Prozent „normale“ alte Menschen. Neu wird deshalb auch ein „Mehrsinneshaus“ mit acht Mietwohnungen, 42 bis 82 Quadratmeter groß, für Paare und Singles sein. Sie sollen hier ebenfalls barrierefrei autonom und autark leben können, bei Bedarf auch die Heim-Leistungen in Anspruch nehmen können. Interessenten dafür stehen bereits auf der Warteliste. „Der Anspruch an Lebensqualität ist gestiegen, der Bedarf an neuen Wohnformen steigt“, sagt Leiter Johannes Stienen.

Dem wird man jetzt gerecht. Bürgermeister Uli Hess freute sich gestern, dass hier „ein Leben in Augenhöhe“ ermöglicht werde. „So soll es sein: Selbstbewusst und souverän leben, gleichberechtigt und respektiert bis ins hohe Alter“, sagte er.

 
 

EURE FAVORITEN