Wie Politiker auf Wähleranfragen reagieren

Anike Engels
Wie und wie schnell reagieren eigentlich unsere Bundestagskandidaten auf Anfragen aus ihrem Wahlkreis? Wir wollten es genauer wissen: Mit einer Testanfrage zur künftigen medizinischen Versorgung im Kreis. Ergebnis: Nur drei der sechs Politiker antworteten. Auch die, die zurückschreiben, gehen sehr unterschiedlich mit Anfragen ihrer Wähler um.

Meschede/Bad Fredeburg. Wie und wie schnell reagieren eigentlich unsere Bundestagskandidaten auf Anfragen aus ihrem Wahlkreis? Wir wollten es genauer wissen: Mit einer Testanfrage zur künftigen medizinischen Versorgung im Kreis. Ergebnis: Nur drei der sechs Politiker antworteten. Auch die, die zurückschreiben, gehen sehr unterschiedlich mit Anfragen ihrer Wähler um.

Unsere Redaktion bat „eine besorgte Mutter“ aus Bad Fredeburg, eine Anfrage an die Kandidaten der CDU, SPD, Grünen, Linke, Piraten und FDP zu stellen. Wir wollten wissen, ob die medizinische Versorgung vor Ort sichergestellt ist, ob sie ausgeweitet wird, oder ob zum Beispiel Platzwunden am Wochenende auch künftig nur im Krankenhaus in Meschede oder Lennestadt behandelt werden könne.

Die Anfrage wurde am 1. September um 18.43 Uhr an alle Parteien versandt.

Dirk Wiese, SPD 

Anfrage gesendet an seinbe direkte E-Mail-Adresse. Antwort empfangen am 5. September um 23.10 Uhr.

Sehr geehrte Wählerin, vielen Dank für Ihre Mail. Die Wiederherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung im ganzen Hochsauerlandkreis ist sowohl mir, als auch der SPD ein großes Anliegen. Sie ist auch fester Bestandteil meines 10-Punkte-Plans für die Zukunft des Sauerlandes (http://www.dirkwiese.de/fur-mehr-rot-im-sauerland-weil/).
Denn schon vor Insolvenz des St.-Georg-Krankenhauses haben wir mit großer Sorge den Rückgang von Arztpraxen in der Region betrachtet. Von dem Durchschnittsalter der heimischen Hausärzte gar nicht gesprochen. Mit der Insolvenz des St.-Georg-Krankenhauses hat sich die Situation nun deutlich verschlimmert.

Mir ist es aber wichtig, dass wir das Problem zweigleisig angehen. Zum einen müssen wir schnellstmöglich dafür Sorge tragen, dass die Notfallversorgung von Patientinnen und Patienten gewährleistet wird, ohne dass sie bis nach Meschede fahren müssen. Denkbar wäre etwa ein 24 Stunden Notdienst in einem ambulanten Gesundheitszentrum. Zum anderen müssen wir aber auch ran an die Ursachen für die Schließungen. Dabei ist es wichtig, dass bei der Versorgungsplanung in Zukunft der sogenannte ländliche Raum anders bewertet wird, als die Versorgung in den Ballungszentren. Ein entscheidender Faktor ist zudem der Mangel von Fachkräften. Deshalb setze ich mich für die Gründung einer Fachhochschule für Gesundheit im Hochsauerlandkreis in Zusammenarbeit mit der FH Südwestfalen ein. Denn so können wir vor Ort Fachkräfte ausbilden und sie an unsere Region binden.

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie es konkret weitergeht. Ich versichere Ihnen jedoch, dass die SPD und ich uns dafür einsetzen werden, vor Ort eine flächendeckende Gesundheitsversorgung unter allen Umständen zu gewährleisten, die vor allem für jeden gut erreichbar ist.

Für Rückfragen stehe ich jederzeit bereit. Gerne auch für ein persönliches Gespräch vor Ort. In bin am morgigen Freitag und am Samstag vor Ort in Bad Fredeburg beim Festival der Kulturen. Sie erreichen mich unter 0151/ 5473 3985.

Beate Raberg, Die Linke 

Anfrage gesendet an ihre direkte E-Mail-Adresse. Antwortr empfangen am 3. September um 10.25 Uhr

Sehr geehrte Wählerin, jeder Bürger jede Bürgerin hat einen gesetzlichen Anspruch auf eine flächendeckende, hilfsorientierte, qualifizierte notärztliche Hilfe, die dem jeweiligen Stand des medizinischen Wissens und der Technik entspricht und rund um die Uhr an jedem Ort sicherzustellen ist.

Ihre Besorgnis, dass in Folge der Schließung eines Krankenhauses die Versorgung nicht mehr wie gewohnt gewährleistet ist, kann ich nachvollziehen.

Auf Ihre Anregung hin führte ich ein Gespräch mit dem Sprecher der Geschäftsführung des Klinikum Arnsberg GmbH, zu der auch das Medizinische Versorgungszentrum Bad Fredeburg gehört.

Ich erfuhr, dass das Versorgungszentrum mit einem ambulanten chirurgischen Versorgungsangebot einer deutlichen Ausweitung der Sprechstunden und Behandlungszeiten sowie einer Zulassung für Arbeits- und Wegeunfälle erheblich dazu beiträgt, die medizinische ambulante Versorgung vor Ort zu verbessern und die gesetzlichen Bestimmungen damit erfüllt sind. Dazu tragen auch die 166 im HSK tätigen Landärztinnen und Landärzte bei. Weil der Anspruch „Eingangssatz“ durchaus von der Realität abweichen kann, wären konkrete Hinweise darauf, dass die medizinische Versorgung an ihrem Wohnort Mängel aufweist, hilfreich.

Julius Hahn, Piraten 

Keine direkte E-Mail-Adresse. Anfrage gesendet über das Kontaktformular auf der Seite der Piratenpartei. Antwort empfangen am 1. September um 19.46 Uhr

Sehr geehrte Wählerin, zunächst einmal möchte mich für Ihre Anfrage ganz recht herzlich bedanken!

Ich kann Ihre Sorgen bezüglich der medizinischen Versorgung in unserem Kreis absolut nachvollziehen. Ich finde es unzumutbar, dass Bürgerinnen und Bürger weite Strecken für eine adäquate Notfallversorgung zurück legen müssen. Ich setze mich für eine standortnahe medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger ein. Ebenso lehne ich das Notdienstsystem der Apothekerkammer Westfalen-Lippe ab. Bürgerinnen und Bürger aus Meschede müssen teilweise bis nach Brilon oder Sundern fahren, um zu nächst gelegenen Notdienst-Apotheke zu kommen. Ich fordere, dass eine medizinische Versorgung durch Apotheken und Notdienste innerhalb von 15 Kilometern möglich sein sollte. Wir dürfen nicht zu Lasten der medizinischen Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger sparen!

Sollten Sie weitere Nachfragen haben, zögern Sie nicht mich anzuschreiben!

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Patrick Sensburg, CDU.
Keine direkte E-Mail-Adresse. Anfrage gesendet über ein Kontaktformular auf seiner Internetseite. Bis heute nicht geantwortet.

Antonius Becker, Bündnis 90/Die Grünen.

Keine direkte E-Mail-Adresse. Anfrage gesendet über Kontaktformular auf seiner Internetseite. Bis heute nicht geantwortet.


Hans-Werner Ehrenberg, FDP.
Keine direkte E-Mail-Adresse. Anfrage gesendet über Kontaktformular auf der Internetseite des Bundestags. Bis heute nicht geantwortet.