Wenigstens die Gynäkologie in Meschede erhalten

Mit einem CTG werden die Herztöne eines Babys abgehört. Kam es bisher zu Komplikationen, nutzten die Mescheder Ärzte den kurzen Dienstweg.
Mit einem CTG werden die Herztöne eines Babys abgehört. Kam es bisher zu Komplikationen, nutzten die Mescheder Ärzte den kurzen Dienstweg.
Foto: Uli Deck
  • Ärzte bedauern die geplante Verlagerung von Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Das sei „eine Entscheidung gegen die Frauen“
  • Sie fordern dazu auf, wenigstens für die Gynäkologie zu streiten

Meschede..  Noch ist nichts offiziell entschieden über die Verlagerung von Gynäkologie und Geburtshilfe aus dem Walburga-Krankenhaus nach Arnsberg. Doch die Mescheder Frauenärzte merken Ärger und Sorge der Frauen sehr direkt. „Viele Patientinnen sind betroffen und schockiert“, sagen Dr. Henrik Zieleniecki, Dr. Dorothea Noelke und Dr. Judith Lausberg auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Ärzte bedauern die Entscheidung: „Es ist nicht gut für unsere Stadt und nicht gut für die Frauen“, sagt Henrik Zieleniecki. „Der kurze Dienstweg wird uns fehlen“, ergänzt Judith Lausberg. Und Dorothea Noelke sieht die Frauen von der Politik im Stich gelassen: „Für mich gehört die Geburtshilfe zur Grundversorgung, die ein Krankenhaus leisten muss. Die Zusammenlegung ist eindeutig ein Schritt zurück – weg von den Frauen.“

Henrik Zieleniecki ärgert es, dass sich die ganze Diskussion auf die Geburtshilfe konzentriert: Es gehe schließlich auch um die Gynäkologie. „Ich glaube, dass es sich lohnen könnte für deren Erhalt zu streiten.“

Abteilung arbeitet mit Gewinn

Von der guten Zusammenarbeit beispielsweise zwischen Onkologie und Gynäkologie hätten die Patientinnen bisher stark profitiert. „Die Nachsorge nach Operationen lässt sich hier doch besser behandeln als in Arnsberg.“ Und er ist sicher: Die Gynäkologie arbeitet – im Gegensatz zur Geburtshilfe – mit Gewinn.

Unterschiedlicher Auffassung sind die Mescheder Ärzte, was die Entfernung zum Kreißsaal angeht. Judith Lausberg fürchtet, dass die Fahrt nach Hüsten für die ein oder andere Frau zu lang werden könnte. „Risiko-Patientinnen werden dann sicher ein oder zwei Tage früher eingewiesen.“ Man könne das Sauerland eben nicht mit einer Stadt wie Köln vergleichen, wo man mit dem ÖPNV mehrere Krankenhäuser im Umkreis erreichen könne. „Nicht jede Frau hat hier ein Auto vor der Tür stehen.“

Zieleniecki hat diese Sorge nicht: „Die wenigsten Schwangeren kommen als akute Notfälle ins Krankenhaus.“ Ihn habe die Schließung nicht überrascht. „Es war zu befürchten, dass das irgendwann passiert.“ Auch andere Kliniken hätten mit Blick auf die Forderung nach den 1000 Geburten schon ihre Geburtshilfe-Abteilungen geschlossen. „Die hohen Versicherungsprämien machten der Abteilung – genau wie den ambulant arbeitenden Hebammen – das Leben schwer.“ Letztlich aber müsse das Krankenhaus wirtschaftlich arbeiten. „Denn sonst haben wir irgendwann gar kein Krankenhaus mehr.“

Dass Warstein mit nur 260 Geburten offensichtlich wirtschaftlich arbeiten kann, ordnen die Frauenärzte ein: Dort arbeiteten die Frauenärzte mit Belegbetten, sagt Zieleniecki. „Sie entscheiden allein, ob die Zahl der Geburten für sie wirtschaftlich ist.“ In Meschede sei eine solche Möglichkeit quasi ausgeschlossen. Dazu müssten mindestens zwei Kollegen dauerhaft in einer Praxis zusammenarbeiten.

Der Ablauf in der Krankenhausplanung vollzieht sich mit folgenden Schritten:

Krankenkassen und Krankenhausträger entwickeln den Entwurf eines Krankenhausplanes. In dieser Phase sitzen nur diese beiden Parteien am Gesprächstisch.


Der Planentwurf wird anschließend der Bezirksregierung vorgelegt. Die Bezirksregierung gibt dazu unter den Gesichtspunkten der gesundheitlichen Versorgungssicherheit der Region sowie der Wirtschaftlichkeit eine Stellungnahme ab.


Planentwurf und Stellungnahme werden dann dem Fachministerium in Düsseldorf zugeleitet, wo die endgültige Entscheidung getroffen wird.


Bisher hat die Bezirksregierung den Entwurf des Krankenhausplans noch nicht offiziell vorliegen und deshalb auch noch keine Stellungnahme abgegeben.

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