Warnung vor Dachlawine schützt nicht vor Regress

Die Warnungen vor Dachlawinen häufen sich in Meschede. Foto: Stefan Rebein
Die Warnungen vor Dachlawinen häufen sich in Meschede. Foto: Stefan Rebein
Foto: Stefan Rebein

Meschede.. Tauwetter wird die frostigen Temperaturen in den kommenden Tagen ablösen. Nun droht ein erhöhtes Aufkommen von Dachlawinen. Sie können Dachschäden hervorrufen und für manchen Rechtsstreit sorgen.

Die Warnungen säumen zurzeit viele Straßenzüge in Meschede: „Vorsicht Dachlawine!“, heißt es auf kleinen Schildern, die Passanten und Autobesitzer auf die akute Gefahr über ihren Köpfen aufmerksam machen.

Das Schneeaufkommen ist in diesem Winter besonders hoch. Das Risiko von Dachlawinen steigt. Und das, obwohl an vielen Häusern Schneefänge montiert wurden. Für derartige Massen des gefrorenen Wassers sind diese Konstruktionen offenbar nicht ausgelegt. Den abgehenden Schnee können sie jedenfalls häufig nicht aufhalten.

Verantwortung der Hauseigentümer

Für die Sicherheit am Haus ist der Eigentümer verantwortlich. Die städtischen Immobilien werden daher regelmäßig kontrolliert. „Falls Gefahr besteht, sperren wir Gehsteige mit Flatterband ab“, sagt Stadtsprecher Jörg Fröhling. Bisher sei durch Dachlawinen von städtischen Gebäuden jedoch niemand zu Schaden gekommen. Aus gutem Grund. Schließlich seien die meisten städtischen Immobilien keine Satteldachkonstruktionen, sondern Flachdächer.

Bislang gingen alle Dachlawinen glimpflich ab. Die Feuerwehr musste noch nicht wegen Dachlawinengefahr ausrücken, wie Löschzugführer Hans-Jörg Kramer mitteilt. Für die kommenden Tage sagen Meteorologen jedoch Tauwetter voraus. Somit ist mit einer Häufung von Dachlawinen zu rechnen. In Meschede ist es bis dato schon zu Schadensfällen gekommen. „Drei haben wir bislang registriert“, sagt beispielsweise Versicherungsfachmann Michael Rettler von der Provinzial. Um sich vor Regressansprüchen zu schützen, reicht laut seiner Auffassung ein Hinweis am Wegesrand nicht aus. „Das hilft vielleicht zur Abschreckung, so dass Autofahrer woanders parken“, so Rettler. Dies bringe den Hauseigentümer jedoch nicht von der Haftung ab. Dennoch rät der Versicherungsexperte dazu, Warnschilder zu verwenden. „Es kann helfen, Ansprüche abzuwenden.“

Dachdeckerdienste stark nachgefragt

Im Schadensfall sollten sich der Geschädigte und der Hauseigentümer laut dem Versicherungsexperten direkt an ihre Versicherungen wenden. Die Privathaftpflicht hilft Hauseigentümern; ist die Immobilie vermietet, springt die Haftpflicht für Haus und Grund ein. Autobesitzer können Fahrzeugschäden über ihre Teil- oder Vollkaskoversicherungen abwickeln. Welche Versicherung her muss, lässt sich nicht pauschalisieren. „Jeder Fall wird einzeln überprüft“, sagt Rettler.

Neben Versicherungen bereitet der strenge schneereiche Winter insbesondere Dachdeckerbetrieben Auftrag um Auftrag. Jochem Hunecke von der Kreishandwerkerschaft: „Bei einigen Dachdeckern brummt es.“ Wassereinbrüche an undichten Stellen, Beschädigungen an Schneefanggittern sowie an Dachrinnen und Lüftungen sind die Ursache für dringend notwendige Reparaturen an vielen Häusern. Großflächige Dacharbeiten sind derzeit kaum möglich. Nur das Nötigste kann geflickt werden. Doch das kann helfen, noch größere Schäden an den eigenen vier Wänden zu vermeiden. Hunecke: „Hauseigentümer sollten ihre Dächer sorgfältig im Auge behalten und auf Feuchtigkeit im Haus achten.“ Eine eingehende Inspektion der Dächer sei jedoch erst nach dem völligen Abtauen möglich.

 
 

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