„Von der Kreisverwaltung zur Kreisgestaltung“

Nuttlar/Hochsauerlandkreis..  Der Eversberger Reinhard Brüggemann tritt für die SPD im Hochsauerlandkreis bei der Kommunalwahl im Mai als Landratskandidat an. Der 53-Jährige wurde gestern Abend in Nuttlar vom Unterbezirk aufgestellt. Brüggemann wurde mit 84 Stimmen gewählt. Fünf Delegierte stimmten mit Nein, zwei enthielten sich.

Er ist damit Herausforderer von Amtsinhaber Dr. Karl Schneider (CDU), der sich erneut zur Wahl stellen will. SPD-Vorsitzender Dirk Wiese ärgert sich aktuell über diesen: Schneider verabschiede sich derzeit bei den Neujahrsempfängen im Kreisgebiet mit dem Satz „Wir sehen uns im nächsten Jahr.“ „Das aber ist noch nicht ausgemacht“, meinte Wiese gestern unter Beifall.

Zehn-Punkte-Programm der SPD

Zu seinen Chancen sagte Reinhard Brüggemann, der sich selbst als „waschechter Hartwitte“ bezeichnet: „Das ist nicht leicht im Sauerland, aber ich mache es, um zu gewinnen.“ Der Diplom-Ingenieur, der Fernmeldehandwerker lernte und heute bei Westnetz arbeitet, gehört seit vier Jahren dem Kreistag an. Er will insbesondere die Themen demografischer Wandel, Bildung und Energiewende politisch besetzen. Sein Lebensmotto: „Mut zur Veränderung.“

Seine Hoffnung für das Kreishaus in Meschede: „Der Weg von der Kreisverwaltung zur Kreisgestaltung ist möglich.“ Er kritisiert zum Beispiel, dass die Bürgermeister das Thema Windenergie „als eigenes Hoheitsgebiet“ erachteten. Brüggemann will mit Banken, Politik und Bürgern Konzepte entwickeln, bei denen die Wertschöpfung aus der Windenergie in der Region bleiben.

Programmatisch geht die SPD mit einem Zehn-Punkte-Programm in den Kreistags- und Landratswahlkampf. Zum Erhalt der Lebensqualität im HSK sei das ehrenamtliche Engagement eine wichtige Stütze. Gerade im Bereich des altersgerechten Wohnens und der Pflege würden sich neue Möglichkeiten geben: Die SPD will deshalb die Gründung und den Erhalt entsprechender Vereine, Nachbarschaftsinitiativen und Selbsthilfegruppen fördern. Die dort handelnden Personen müssten rechtlich besser abgesichert werden. Nötig sind mehr barrierefreie Wohnflächen, etwa durch Mehrgenerationenhäuser. Die SPD fordert kreisweit den Ausbau der „aufsuchenden Hilfe“, damit allein lebende Menschen nicht den sozialen Kontakt verlieren. Die SPD will die Gründung einer Fachhochschule für Gesundheit prüfen lassen.

Flexible Kindertagesbetreuung

Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine flächendeckende und flexible Kindertagesbetreuung erforderlich. Diese müsse nach dem Willen der SPD langfristig auch kostenlos sein. Die SPD spricht sich für ein gutes und erreichbares Schulangebot aus, begleitet durch einen bedarfsgerechten Ausbau des Ganztagesangebotes. Der Kreis müsse zudem allen Bürgern ein lebenslanges Lernen ermöglichen.

Um dem Fachkräftemangel in den Bereichen Pflege, Erziehung und in den MINT-Berufen zu begegnen, regt die SPD eine Stärkung und intensivere Verzahnung der Fachhochschule Südwestfalen mit den Unternehmen an. Lokale Gründerfonds sollen Unternehmensgründern den Start in die Selbstständigkeit erleichtern. Gut bezahlte, unbefristete und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze müssten die Regel werden, damit Fachkräfte ins Sauerland kommen.

Mehr Transparenz in Personalfragen

Die SPD ist um mehr Transparenz auch in Personalfragen bemüht. Vor der Kreiswahlkonferenz fand deshalb erstmals ein außerordentlicher Unterbezirksparteitag statt, um mehr Mitglieder zu beteiligen. Ihnen wurde Brüggemann als Landratskandidaten vorgeschlagen, die endgültige Wahl hatten dann anschließend die Delegierten. Das kann sich bei künftigen Wahlen ebenfalls ändern: Beim Parteitag folgten die Mitglieder einem Satzungsänderungs-Vorschlag des Vorstandes, wonach Konvente (und damit alle Mitglieder) über Spitzenkandidaturen bestimmen können.

 
 

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