Virus ist extrem hartnäckig und ansteckend

Oliver Eickhoff
Behandlung in einer Augenarztpraxis.
Behandlung in einer Augenarztpraxis.
Foto: WAZ

Meschede.  Die Augengrippe hat das Hochsauerland erreicht. 40 Fälle sind bereits seit Anfang Dezember verzeichnet worden. „Und die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Dr. Peter Kleeschulte, der Leiter des Kreisgesundheitsamts. Eine erste Entwarnung kann er allerdings geben: Zumindest nach den offiziellen Zahlen flacht die Welle wieder ab.

Augengrippe ist der volkstümliche Ausdruck für eine lästige Erkrankung. „Keratoconjunctivitis epidemica“ sagen Mediziner dazu. Mit anderen Worten: eine Entzündung der Binde- und Hornhaut des Auges. Sie wird hervorgerufen durch ein Virus.

„Wer daran erkrankt, ist mehrere Tage aus dem Verkehr gezogen“, sagt Dr. Kleeschulte. Die Betroffenen sehen schlecht und sind sehr lichtempfindlich, ihre Augen tränen heftig.

Und hier beginnt die Übertragung von Mensch zu Mensch: Die Erkrankten wischen sich die Flüssigkeit aus dem Gesicht und geben das extrem hartnäckige Virus beispielsweise beim Händeschütteln weiter. „Die Augengrippe ist hochgradig ansteckend“, betont Dr. Kleeschulte. „Letztlich helfen daheim nur absolute Körperhygiene und getrennte Handtücher, Türklinken sollten desinfiziert werden.“

Wie langlebig das Virus ist, musste auch ein Augenarzt aus dem Hochsauerlandkreis erfahren: In seiner Praxis begann der Ausbruch im Dezember: 16 Fälle, so rekonstruierte es das Kreisgesundheitsamt, traten dort auf. Weitere 24 folgten bis jetzt über andere Wege. Mindestens.

Denn: Meldepflichtig ist die Erkrankung nur, wenn sie gehäuft auftritt oder die Viren über einen Abstrich im Labor nachgewiesen werden. „Das“, so Dr. Kleeschulte, „wird aber nicht immer gemacht: Die Symptome sind bei der Erkrankung so eindeutig, dass man selten weitere Nachweise braucht.“ Viele Patienten lassen sich außerdem - wegen des Mangels an Augenärzten - direkt von ihrem Hausarzt behandeln. Er macht keine Abstriche und hat daher keine Meldepflicht.

Hinzu kommt: Es gibt keine wirkliche Behandlungsmöglichkeit. Lediglich Augentropfen und Salben können das Leiden lindern, Fachärzte diskutieren nach überstandener Erkrankung lediglich über den Einsatz von Medikamenten, die eine Hornhauttrübung verhindern sollen.

Seit 2011 werden in Deutschland gehäuft Fälle der Augengrippe im Winter registriert. Woran das liegt, ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts, Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten in Berlin, unklar.

Eine Schutzimpfung gibt es nicht

Die Erkrankung beginnt in der Regel auf einem Auge. Das zweite Auge weist in der Regel nach zwei bis sieben Tagen ähnliche Symptome auf, wenn auch oft wesentlich mildere.

Die Augen jucken und brennen. Sie sind gerötet. Beim Lidschlag fühlt es sich so an, als sei ein Fremdkörper wie ein Sandkorn darin. Die Bindehaut schwillt an, Lymphknoten können ebenfalls anschwellen.

Eine Schutzimpfung gibt es nicht. Als Vorsorge hilft nur regelmäßiges Händewaschen. Behandelt werden die Symptome mit Tropfen oder Salben.