Veltins einigt sich mit Gewerkschaft im Streit um Mehrarbeit

Zeiterfassungsmodell bei Veltins: Freiwillige Mehrarbeit in der Brauerei wird künftig auf der Druck der Gewerkschaft dokumentiert.
Zeiterfassungsmodell bei Veltins: Freiwillige Mehrarbeit in der Brauerei wird künftig auf der Druck der Gewerkschaft dokumentiert.
Foto: Privat / WP Meschede
Künftig soll ein Zeiterfassungsmodell bei der Veltins-Brauerei in Grevenstein allen Mitarbeitern einen Überblick über ihre freiwillige Mehrarbeit geben. Darauf einigten sich Betriebsrat, Geschäftsführung und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Bisher wurden Überstunden nicht dokumentiert.

Meschede-Grevenstein.. Bei der Veltins-Brauerei soll es künftig ein Zeiterfassungsmodell geben, das allen Mitarbeitern transparent einen Überblick über ihre drei freiwilligen Wochenstunden gibt. Bisher wurden diese Stunden nicht dokumentiert. Die Mitarbeiter sollen diese Stunden abfeiern können – falls dies nicht möglich sein soll, käme auch ein finanzieller Ausgleich in Betracht.

Diesen Konsens fanden die Geschäftsführung und der Betriebsrat von Veltins mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). An den Details wird in den nächsten Wochen gefeilt. Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei, sagte laut Pressemitteilung: „Wir stehen weiterhin dazu, dass diese Arbeitszeit nur freiwillig geleistet werden braucht und jederzeit abgegolten werden kann.“

NGG-Geschäftsführer Helge Adolphs milderte seine Vorwürfe gegen die Arbeitszeitregelung von „illegal“ im Gespräch mit unserer Redaktion in „am Rande der Legalität“ ab: Der Veltins-Betriebsrat habe die seit 1996 geltende Vereinbarung „nicht sauber getroffen“. Denn Grundlage ist der Manteltarifvertrag der Sieger-/Sauerländer Brauereien: Dieser schreibt eine 37-Stunden-Woche fest, gesteht aber den Unternehmen Möglichkeiten zur Flexibilisierung zu.

Eine Pflicht zur Erfassung von Mehrarbeit

Mit dieser Flexibilisierung wiederum, so Adolphs, sei der Betriebsrat „sehr, sehr flexibel“ umgegangen: Eine Absprache zur freiwilligen Mehrarbeit hätte er nicht treffen dürfen, eben weil es dazu Regelungen im Manteltarifvertrag gebe. Für die drei Stunden bestünde auch ein Anspruch auf Vergütung und eine Pflicht zur Erfassung. Adolphs: „Mehrarbeit darf nicht auf Zuruf kommen.“ Jetzt soll die bisherige mündliche Vereinbarung von Betriebsrat und Unternehmen zur Seite gelegt und der Manteltarifvertrag als Grundlage dienen. Es soll weiterhin keine Verpflichtung zur Mehrarbeit und der Grundsatz der Freiwilligkeit gelten.

Generalbevollmächtigter Michael Huber sagte laut Pressemitteilung, die NGG „hat eine völlig offene Tür bei uns, wir wollen einen sozialpartnerschaftlichen Dialog“. Er verwahrte sich vor Gewerkschaftsanwürfen: „Es hat zu keiner Zeit einen Rechtsverstoß gegeben – die Vorwürfe sind nicht haltbar und täuschen die Öffentlichkeit.“ Zu keiner Zeit habe es eine schriftliche Vereinbarung bei Veltins gegeben, die gegen das Betriebsverfassungsgesetz hätte verstoßen können.

Betriebsrat setzt weiter auf das familiäre Miteinander

Wie berichtet, wird dieser Vorwurf insbesondere von der IG Metall erhoben. Der Veltins-Betriebsratsvorsitzende Albert Nagel unterstrich in dem Gespräch, dass die Beschäftigungsgarantie, die Schaffung von 190 Arbeitsplätzen seit 1995 und die Verdopplung der Auszubildenden von den Mitarbeitern „als Beweis für die Verlässlichkeit der Brauerei bei der Einhaltung ihrer Zusagen weiterhin honoriert werde“. Man setze weiter „auf das faire, familiäre Miteinander innerhalb der Privatbrauerei“.

 
 

EURE FAVORITEN