Velmederin hilft Flutopfern in ihrer alten Heimat

Foto: Fehim Demir
„Es war einfach schrecklich“, sagt Rabija Willmes immer wieder, wenn sie von ihren Erlebnissen in Bosnien berichtet. Die Velmederin hat hautnah miterleben müssen, wie das Hochwasser Mitte Mai ihren Heimatort Dobosnica überflutet hat. Jetzt organisiert sie einen Hilfstransport und bittet um Spenden

Velmede.  „Das Wasser hat unendlich viel Leid mit sich gebracht, das kann man sich hier gar nicht vorstellen“, sagt sie und muss ihre Tränen zurückhalten.

Es war alles gut - bis das Wasser kam

Es ist reiner Zufall, dass die 51-Jährige am 15. Mai in ihrer alten Heimat ist. Nach dem Tod ihres Vaters gibt es dort am Gericht Schriftkram zu erledigen. Es geht um die Erbschaft. Alles ist gut. Bis das Wasser kommt. Erst habe es zwei Tage unaufhörlich geregnet, dann sei das Wasser innerhalb weniger Minuten so drastisch gestiegen, dass viele Bewohner des 3500-Einwohner-Dorfes nichts mehr hätten retten können. 65 Häuser werden überschwemmt, 15 weitere sind in Gefahr, weil ein Hang abzurutschen droht. Die Ernten werden komplett vernichtet. Es gibt kein sauberes Wasser mehr. Es gibt keinen Strom. Kühe, Schweine und Ziegen verenden qualvoll in den Wassermassen. Versichert ist in Bosnien so gut wie niemand.

Die eigene Kleidung verschenkt

Immerhin: Das Elternhaus von Rabija Willmes bleibt von den Fluten verschont. Bereits vor Ort hilft die 51-Jährige, wo sie nur kann. Überall packt sie mit an, besorgt Lebensmittel für Freunde und Nachbarn, verschenkt ihre eigene Kleidung, Bettwäsche und Schuhe. Dann muss sie wieder nach Velmede. Mit nur noch zwei Euro in der Tasche kommt sie zurück. Mit dem Rest ihres Geldes hat sie den Menschen in ihrem Heimatdorf geholfen.

Verzweifelte Freunde

Doch das soll es nicht gewesen sein: Von Velmede aus geht ihr Einsatz weiter. Gemeinsam mit ihrer Tochter Edina Kenter aus Heringhausen organisiert sie im Moment einen Hilfstransport. Weil über die kleinen Orte wie Dobosnica in den Medien kaum berichtet wird, sei dort bislang keine humanitäre Hilfe angekommen, sagt Rabija Willmes. „Gar nichts!“ Erst gestern habe sie noch mit verzweifelten Freunden dort telefoniert.

Jetzt hofft die Velmederin auf Unterstützung aus dem Sauerland. „Die Menschen brauchen Handtücher, Bettwäsche, Kissen, Handschuhe, Gummistiefel, Hygieneartikel, warme Kleidung und Lebensmittel“, sagt sie. Aber auch Geldspenden seien wichtig.

Alles in die Wege geleitet

Gemeinsam mit ihrer 31-jährigen Tochter Edina hat sie alles in die Wege geleitet, damit ihre Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird: So können Geldspenden zunächst auf das Konto der Dorfgemeinschaft Heringhausen überwiesen werden.

Von dort aus werden die Spenden dann auf ein Konto in Bosnien weitergeleitet. Aus Sicherheitsgründen will sich Rabija Willmes nicht mit viel Bargeld auf die 1400 Kilometer lange Reise machen.

Und auch in Dobosnica hat die 51-Jährige bereits alles in die Wege geleitet. „Gemeinsam mit dem Bürgermeister werde ich dort das Geld abheben. Er weiß am Besten, wo das Geld am dringendsten benötigt wird.“

Als sie ihm von ihrer Hilfsaktion erzählt hat, habe er vor Freude und Rührung geweint wie ein kleines Kind und versprochen, jedem einzelnen Spender einen schriftlich Nachweis darüber zu erstellen, dass das Geld auch wirklich gut angekommen ist.

 
 

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