„Unter der Vogelstange ist vieles einfacher“

Beim offiziellen Abschied in der Stadthalle: Dr. Rolf Gerlach vom Sparkassenverband Westfalen-Lippe, Heinz-Dieter Tschuschke, Nachfolger Peter Schulte und Uli Hess, Bürgermeister und Vorsitzender des Verwaltungsrats (von links).
Beim offiziellen Abschied in der Stadthalle: Dr. Rolf Gerlach vom Sparkassenverband Westfalen-Lippe, Heinz-Dieter Tschuschke, Nachfolger Peter Schulte und Uli Hess, Bürgermeister und Vorsitzender des Verwaltungsrats (von links).
Foto: Oliver Eickhoff
Niemand in Westfalen-Lippe ist als Sparkassendirektor länger im Amt gewesen als Heinz-Dieter Tschuschke. Nach 27 Jahren ist er jetzt verabschiedet worden.

Meschede..  Heinz-DieterTschuschke war nicht nur Chef der Sparkasse Meschede - er hat sich auch ehrenamtlich in der Kreisstadt engagiert. Ein Gespräch mit ihm über Banken, Griechenland und das Meschede-Center.

Das Bild der Bank-Mitarbeiters hat sich verändert. Würden Sie den Beruf heute noch mal ergreifen?

Heinz-Dieter Tschuschke: Ja, denn ich arbeite gern mit und für Menschen. Nach wie vor ist unser Geschäftsmodell für unsere Kunden entscheidend, unser Gemeinwohl orientierter Geschäftszweck wird bleiben, für die Bürgerinnen und Bürger, für den Mittelstand!

Auch ein Ruheständler macht sich diese Gedanken: Wie wird eine Sparkasse in zehn Jahren im Vergleich zu heute aussehen?

Natürlich wird sich die Sparkasse verändern und anpassen. Demografischer Wandel und Digitalisierung werden die Entwicklung prägen, das heißt: weniger stationäres Geschäft in der Fläche, mehr Internet.

Nach so vielen Jahren in prominenter Stellung gibt es zwei Möglichkeiten: Rückzug ins Private oder mit viel Kraft ins Ehrenamt. Wie werden wir Sie in Meschede erleben?

Ehrenamt habe ich stets parallel zu meiner Arbeit gepflegt, zum Beispiel das Stadtmarketing. Da ich persönlich in den vergangenen Jahren auf einiges verzichten musste, denke ich jetzt erst einmal etwas stärker an mich bzw. möchte vieles tun, was bisher so nicht möglich war; Sport, Freundschaften pflegen und wiederbeleben. Im übrigen bin ich gern in Meschede.

Sie gelten als überzeugter Sauerländer: Was macht die heimische Region lebens- und liebenswert?

Ich bin immer wieder von unserer Landschaft fasziniert. Sie ist nicht extrem, sondern ausgeglichen, lebenswert und auch zum Arbeiten gut geeignet. Die Menschen hier sind nicht verschlossen, wenn man selbst offen ist und auf andere zugeht, kann man gut ins Gespräch kommen! Und unter der Vogelstange beim Bier ist sowieso vieles einfacher.

Ein Sprung in die große Finanzwelt: Bleibt Griechenland im Euro und wäre das vernünftig?

Mein Gefühl: Grexit, ich kann die Arroganz der neuen Regierung nicht leiden! Mein Verstand: Ich möchte, dass Griechenland im Euro und in Europa bleibt. Ich habe immer gesagt: Ein Staat ist kein Unternehmen, die Menschen müssen mitgenommen werden, auf sie muss Rücksicht genommen werden. Also: Zeit geben, Tilgung verlängern, Zinsen reduzieren, denn auch der Grexit kostet Geld, Strukturen ändern (Finanzverwaltung und Rentenversicherung). Aber Europa zusammenhalten und weiterentwickeln.

Zurück nach Meschede: Was denken Sie beim Blick auf die nicht begonnene Baustelle gegenüber bei Hertie? Welchen Wunsch haben Sie?

Als Nachbar und ehemaliger Vorsitzender vom Stadtmarketing wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass das Gebäude neu gestaltet und genutzt wird! Ich weiß aber: Das ist eine schwierige Aufgabe! Meschede ist nicht der Nabel der Welt! Das sollten alle Kritiker bedenken. Emotionale Leserbriefe machen nur schlechte Stimmung. Ich halte nichts davon, die Herren Bövingloh anzufeinden, es ist wirklich eine schwierige Aufgabe! Besser ist es, sich positiv für unsere Stadt Meschede zu engagieren.

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