Über Zukunftschancen des ländlichen Raums diskutiert

Sophia Nückel
Ludwig Poggel, Vorsitzender des Bezirksausschusses, und die Gäste Pfarrer Georg Schröder, Pfarrerin Elisabeth Grube, Bürgermeister Bernhard Halbe und Dr. Patrick Sensburg, Bundestagsabgeordneter für den HSK (v.l.).
Ludwig Poggel, Vorsitzender des Bezirksausschusses, und die Gäste Pfarrer Georg Schröder, Pfarrerin Elisabeth Grube, Bürgermeister Bernhard Halbe und Dr. Patrick Sensburg, Bundestagsabgeordneter für den HSK (v.l.).
Foto: Privat

Bad Fredeburg.  Nach sechsjähriger Pause hatte der Bezirkssauschuss jetzt wieder zum Jahresempfang geladen – und etwa 100 Bürger folgten dieser Einladung ins Kurhauses Bad Fredeburg. Die Leitfrage dieses Abends war: „Gerät der ländliche Raum in Vergessenheit?“

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Bezirksausschusses, Ludwig Poggel, sprach zuerst Bürgermeister Bernhard Halbe über aktuelle Themen der Region wie die medizinische Versorgung, den Breitbandausbau und die geplante Ortsumgehungsstraße.

Seiner Meinung nach muss das medizinische System umgestellt und vom Patienten aus gesehen werden. Außerdem kritisierte er die schlechte Bezahlung für Ärzte im ländlichen Raum, die mitunter dazu beitrage, dass der HSK für das dringend benötigte medizinische Personal an Attraktivität verliere.

Ortsumgehung

Auch zur Zukunft des ehemaligen Krankenhauses wurden die Bürger informiert. In den nächsten Wochen werden die Patientenzimmer voraussichtlich in Behandlungs- und Beratungsräume umgebaut. Als zukunftsweisende Lösung soll dort dann eine Kombination von ambulanter Versorgung und operativen Eingriffen möglich sein.

Bei der Ortsumgehung suche man laut Halbe noch das Gespräch mit Düsseldorf, da bisher nur Mittel für das Planfeststellungsverfahren bereitgestellt worden seien.

Dr. Patrick Sensburg, der Bundestagsabgeordnete für den HSK, ging in seinem Beitrag auf die Studie von Klaus Töpfer ein, die bereits vor einigen Tagen für Diskussion gesorgt hatte. Diese sieht durch den demografischen Wandel eine schlimme Konsequenz für die ländlichen Regionen: Ausblutende Dörfer werden aufgegeben, Straßen zurück- und Dienstleistungen abgebaut. Das Leben auf dem Land sei zu teuer, daher würde es keinen Sinn machen, die Bevölkerung dort zu halten.

Sensburg kritisierte diese Sichtweise. „Südwestfalen ist die drittstärkste Wirtschaftsregion in Deutschland und die stärkste in NRW“, sagte er. Als großen Vorteil gegenüber Städten bewertete er auch das Ehrenamt: „Der soziale Zusammenhalt ist hier deutlich besser.“ Um den demografischen Wandel im ländlichen Raum in den Griff zu bekommen, müsse die Bevölkerung entschlossener auftreten und für die Region werben. „Wenn wir uns nach außen besser verkaufen, dann werden wir auch feststellen, dass die Straßen, die wir bauen, nicht immer nur aus dem Sauerland hinaus führen, sondern auch wieder herein.“

Auch die Vertreter der Katholischen und der Evangelischen Kirche bekommen den Rückgang der Bevölkerungszahlen zu spüren. Die Schließung der Friedenskirche in Bad Fredeburg sei eine der zentralen Probleme der evangelischen Gemeinde vor Ort. Auch der Mangel an Pfarrern und Pfarrerinnen sei deutlich zu spüren, wie Elisabeth Grube erklärte.

Finanzierung der Kindergärten

Die Katholische Kirche steht ebenfalls unter Druck, was man nicht zuletzt an der Bildung der Pastoralen Räume erkennen kann. Die Gründe sind bekannt. Der ländliche Raum ist auch für Priester nicht mehr attraktiv, außerdem ist auch hier ein Rückgang der Katholiken zu beklagen. Georg Schröder machte auf ein weiteres Problem aufmerksam: Die Finanzierung der Kindergärten.