Streit um Naturdenkmal

Baum-Experten haben die Linde jetzt geschnitten.
Baum-Experten haben die Linde jetzt geschnitten.
Foto: WP
Sie ist ein Naturdenkmal. Die Linde an der Halloh-Kapelle in Wallen wird nicht gefällt. Nach Einschätzung der Kreisverwaltung ist Meschede wurde alles für die Stand- und für die Bruchsicherheit des Naturdenkmals getan. Der Kirchenvorstand will weiter das Fällen des mächtigen Baumes.

Wallen..  Die mächtige Linde an der Halloh-Kapelle wird nicht gefällt. Der Baum ist stattdessen geschnitten worden. Damit ist nach Einschätzung der Kreisverwaltung alles für die Stand- und für die Bruchsicherheit des Naturdenkmals getan worden. „Wir geben uns nicht geschlagen“, sagt Stephan Eickelmann, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands St. Severinus Calle: Er hält die Forderung nach Fällen aufrecht – werde die nicht erfüllt, trete er zurück.

Am Samstag sind ausgerechnet die Rettungskräfte aus dem Stadtgebiet bei ihrer „Nothelfer-Wallfahrt“ an der Kapelle beim Feldgottesdienst zu Gast. Kann unterm Baum gefeiert werden? Gibt es Sicherheitsbedenken? „Wir sehen da kein Problem“, sagt Martin Reuther, Pressesprecher der Kreisverwaltung.

Sicherungen und Rückschnitt

Wie berichtet, war am letzten Juli-Wochenende an der Linde ein dicker Ast abgebrochen. Danach hat der Kreis zwei Baum-Kontrolleure, unabhängig voneinander, die Linde noch einmal unter die Lupe nehmen lassen: Beide erachten den Baum als standsicher. Am Mittwoch hat zusätzlich der Mescheder Baum-Experte Felix Müller, im Auftrag des Kreises, Sicherungssysteme in der Krone eingebaut. Außerdem machte er einen Rückschnitt an den Ästen. Damit soll jetzt auch die Bruchsicherheit gewährleistet sein.

Der Rückschnitt habe nichts mit dem Ast-Bruch vom Juli zu tun, sagt Martin Reuther: Dieser Auftrag sei schon im April gegeben worden. Von einer Rücktrittsandrohung lässt sich der Kreis nicht unter Druck setzen: „Ob jemand zurücktritt, muss derjenige selbst entscheiden, der für den Kirchenvorstand verantwortlich ist“, sagt Reuther.

Dennoch will der Kreis die Wogen glätten. Freitag gibt es ein Treffen mit dem Kirchenvorstand. Dabei will die Verwaltung anbieten, ein weiteres, neues Baum-Gutachten in Auftrag zu geben.

Doch der Kirchenvorstand hat offiziell im Kreishaus den Antrag auf Fällung gestellt. Rund um die Kapelle sind vom Kirchenvorstand Zettel aufgehängt worden, wonach das Betreten des Geländes „auf eigene Gefahr“ sei. Man sei der Meinung, „dass der HSK seiner Verkehrssicherungspflicht hier nicht nachkommt“. Die aber, sagt Reuther, liegt gar nicht beim Kreis: Laut Landschaftsgesetz habe der Eigentümer die Verkehrssicherungspflicht – also die Kirchengemeinde. Der Eigentümer müsse schauen, ob Äste brüchig seien, dieses dann dem Kreis melden. Weil die Linde ein Naturdenkmal sei, zahle der Kreis dann die Pflege des Baumes.

„Ungeliebtes Naturdenkmal“

Dem dicken Ast, der jüngst abgebrochen sei, hätte man auch nicht ansehen können, dass er abbrechen könnte, sagt Stephan Eickelmann. Die Fällung des Naturdenkmals dürfe der Kirchenvorstand aber nicht anordnen, betont er. Deshalb hat er nun den Justiziar des Generalvikariats Paderborn eingeschaltet. Der soll klären, was die Verkehrssicherungspflicht umfasst, außerdem: „Was kann ich tun, um von der Liste der ungeliebten Naturdenkmäler herauszukommen?“ Vom Rückschnitt der Linde hält er nichts: „Das ist nicht der große Wurf. Das fällt gar nicht auf.“ Beim Treffen am Freitag will er sich eine Haftungs-Freistellung vom Kreis unterschreiben lassen – falls etwa bei der Wallfahrt doch etwas passiere.

 
 

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