Stolpersteine lassen auch hoffen

Gunter Demnig verlegte in Meschede die Stolpersteine. Fotos: Jürgen Kortmann
Gunter Demnig verlegte in Meschede die Stolpersteine. Fotos: Jürgen Kortmann
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Bitte keinen Bogen aus falsch verstandener Ehrfurcht darum machen. Sondern stehen bleiben, sich hinunter beugen, lesen, die Namen auf sich wirken lassen. Und, ja: Man darf auch darüber laufen. Seit gestern erinnern „Stolpersteine“ an die Juden, die aus Meschede deportiert und dann von den Nazis ermordet wurden.

Meschede.. Bitte keinen Bogen aus falsch verstandener Ehrfurcht darum machen. Sondern stehen bleiben, sich hinunter beugen, lesen, die Namen auf sich wirken lassen. Und, ja: Man darf auch darüber laufen. Seit gestern erinnern „Stolpersteine“ an die Juden, die aus Meschede deportiert und dann von den Nazis ermordet wurden.

Zu finden sind die Messingschilder im Boden eingelassen an der Kampstraße 1 (in Erinnerung an Klara Arens), Hennestraße 8 (für Johanna und Milton Kahn), am Stiftsplatz 8 (für Caroline Ikenberg), vor der Volksbank an der Arnsberger Straße (für Paula Rosenthal-Wallach und Leopold Wallach) sowie in Wennemen an der Bruchstraße 4 (für die Familie Ransenberg). Zwischen 40 und 50 Zuschauer verfolgten gestern an jedem Ort die Verlegung der „Stolpersteine“ durch den Künstler Gunter Demnig.

„Wir brauchen die Namen und die Geschichte im Gedächtnis“, meinte Pfarrer Wilfried Oertel, einer der Initiatoren für die Mescheder Stolpersteine. Bewegt war er über die Teilnahme von Mescheder Schülern, die die Biografien der Ermordeten vortrugen: „Die Schüler nehmen ihre Verantwortung für unser geschichtliches Erbe wahr.“ Für die jungen Leute zeige sich so, welche Bedeutung die Menschenrechte hätten, meinte auch Mechthild Thoridt, die sich ebenfalls seit Jahren für die Stolpersteine eingesetzt hatte.

Es waren bewegende Momente. Mit der Verlegung wurden unmittelbar Erinnerungen bei älteren Meschedern wach. Hedwig Schamoni sagte: „Als die Rosen am Stolperstein hingelegt wurden, da war ich am Ende.“ Die 84-Jährige hatte noch die Familie Kahn vor Augen: „Ich weiß noch, wie sie hier vor dem Haus gesessen haben. Das waren die Ärmsten aller Armen“, erinnerte sie sich gestern. Und die Nachkommen gedachten der Ermordeten. Lore Arens aus Paderborn legte für ihre Stief-Schwiegermutter Klara eine Rose nieder – diese war 1944 als letzte Mescheder Jüdin von der Gestapo abgeholt worden. Frauen der evangelischen Gemeinde erinnerten an Caroline Ikenberg, geboren 1865. Sie hatte ihre Heimat nicht verlassen wollen und dachte, angesichts ihres Alters würde ihr niemand etwas antun. „Von den Meschedern wurde sie als immer hilfsbereit und freundlich wahrgenommen“, schilderte Ute Haertel. Die Nazis deportierten Caroline Ikenberg 1943 und ermordeten sie in Sobibor.

Vor der Volksbank legte die Familie Rosenthal, eigens aus den Niederlanden und Israel gekommen, Blumen für ihre Großeltern nieder. Auch sie bemerkten erfreut die Jugendlichen: „Die Stolpersteine sind deshalb Steine der Hoffnung.“ Realschüler würdigten die Verlegung der Stolpersteine zuvor als „Aktion wider das Vergessen.“

 
 

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