So streiten, dass keiner der Unterlegene ist

Mediation gilt als kosten- und zeitsparende Alternative zu einem Streit vor Gericht.
Mediation gilt als kosten- und zeitsparende Alternative zu einem Streit vor Gericht.
Foto: picture alliance / dpa

Meschede..  Das Verfahren kann Streit beenden, ohne dass sich einer als der Unterlegene fühlt. Es spart Zeit und Kosten - aber es ist viel zu wenig bekannt - Mediation. Doch das soll sich jetzt ändern. Seit Freitag ist eine interaktive Wanderausstellung zum Thema „Mediation - ein guter Weg zur Einigung“ in der Sparkasse Meschede zu sehen. Eine Woche bleibt sie vor Ort. Initiatorin ist Britta Ewert, früher Schiedsfrau, jetzt selbst Mediatorin in Meschede.

Frau Ewert, seit rund zwei Jahren sind Sie selbst Mediatorin. Hat sich seitdem ihr persönlicher Umgang mit Konflikten verändert?

Ewert: Früher war ich eher jemand, der Konflikte vermieden hat. Heute sehe ich eher das Potenzial. Es kommt eben darauf an, wie man mit einem Konflikt umgeht.

Und was kann Mediation?

Mediation ist wichtig für alle Konflikte, bei denen die Menschen im Anschluss an das Verfahren noch weiter miteinander in Beziehung stehen wollen. Beispielsweise ein Paar, das sich trennt, das aber als Eltern verantwortlich für die gemeinsamen Kinder bleibt. Mediation ist nachhaltig, weil gemeinsam Vereinbarungen geschlossen werden, in denen sich beide Seiten wiederfinden. Deshalb haben beide auch ein Interesse, sich daran zu halten. Es ist zeitsparender als ein Streit vor Gericht. Und die Beteiligten lernen, wie man in Zukunft mit Konflikten umgehen kann.

Und wo liegen die Grenzen einer Mediation?

Mediation muss freiwillig sein, wer gezwungen wird, wird nicht bereit sein, dem anderen auch ein Stück entgegen zu kommen. Und Menschen, die nur ihre Ansprüche durchsetzen wollen und nicht bereit sind, auch auf den anderen zu hören, werden in der Mediation scheitern.

Wer nutzt Mediation?

Klassisches Beispiel sind Scheidungsfälle, wobei es dann nicht um Eheberatung geht. Es geht um einen konkreten Konflikt - beispielsweise um das Umgangsrecht mit den Kindern. Aber auch in Unternehmen sind Mediationen zunehmend gefragt. Nehmen Sie zwei Chefs in einer Vorstandsetage, zwischen denen es immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt, die aber weiter zusammenarbeiten wollen. Oder auch bei Nachbarschaftsstreitigkeiten kann ein neutraler Mediator helfen - denn auch dort wohnt man ja weiter Tür an Tür.

Können Sie sich aktuelle Fälle in Meschede vorstellen, in denen eine Mediation möglich und sinnvoll wäre?

Ich denke beispielsweise an den Ärger in vielen Orten - nicht nur in Meschede - zwischen Schützenvereinen und Anwohnern. Da geht es ja auch um die Existenz der Vereine und um den ebenfalls berechtigten Wunsch der Nachbarn nach einer ungestörten Nachtruhe.

Können denn Mediationsgruppen so groß sein?

Das geht. Der Flughafen in Wien ist beispielsweise erfolgreich mediiert worden. Beim Stuttgarter Bahnhof gab es dagegen einen Schlichterspruch - und immer noch keinen Frieden.

Wer zahlt die Mediation?

Etwas Ähnliches wie Prozesskostenhilfe gibt es für Mediation leider nicht. In manchen Städten existiert bereits ein Mediationsfonds und auch Rechtsschutzversicherungen übernehmen zunehmend die Kosten, die sich im übrigen nicht nach dem Streitwert, sondern nach der Stundenzahl richten.

Britta Ewert bietet zu den Öffnungszeiten der Ausstellung auch Führungen an. Diese können unter 0291/95273357 vereinbart werden.

 
 

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