„Sinkende Preise wären möglich“

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Meschede.  Ab dem Jahr 2017 würde die BNK Deutschland gern Erdgas durch Fracking in Teilen des Hochsauerlands fördern.

Frage: Herr Wehmeyer, welche Katastrophe wäre aus Ihrer Sicht die schlimmste, die beim Fracking passieren könnte?

Wehmeyer: Aus meiner Sicht könnte nur oberirdisch etwas passieren, beispielsweise ein Unfall mit einem der Tankwagen außerhalb der komplett versiegelten Bohrplatzflächen. Das wäre realistisch gesehen das schlimmste Szenario. Wir reden dann quasi von einem Verkehrsunfall mit Gefahrgut. Dies lässt sich aber verhindern, wenn man auch oberirdisch sorgfältig vorgeht.

Warum kein Erdbeben?

Die Energie beim Fracking ist ein Bruchteil der eines fühlbaren Erdbebens. Im Rahmen unseres Umweltmonitorings bauen wir dort, wo wir Erdgas fördern, ein Messnetz auf, das sämtliche Bewegungen registriert. Wenn es eine zu hohe Vorspannung im Boden gibt, ist dies kein geeigneter Platz für Bohrungen.

Die meisten Sorgen haben die Menschen davor, dass Fracking das Grundwasser verunreinigen könnte. Wäre das nicht die schlimmste Katastrophe?

Dazu kann es wie gesagt nicht kommen, wenn man mit hohen Standards arbeitet. Wir verwenden eine sehr aufwändige Bohrtechnik, dabei kommen mehrere Rohre ineinander zum Einsatz, die zudem mit Zement abgedichtet werden. Wir errichten eine Mehrfach-Barriere aus Stahl und Zement, da kann nichts ins Trinkwasser gelangen. Zudem findet das Aufbrechen des Schiefergesteins weit unterhalb des Grundwassers statt.

Immerhin werden Sie aber einen „Chemiecocktail“ benötigen, um das Gestein aufzubrechen, oder?

Wir können sicherstellen, dass keine Stoffe mit dem Trinkwasser in Kontakt kommen. Wir sind in Polen zuletzt mit lediglich drei Chemikalien ausgekommen, die auch in geringer Konzentration eingesetzt werden. Zurzeit forscht die Industrie intensiv daran, noch weniger und vollkommen wasserverträgliche so genannte Additive einzusetzen. Was wir verwenden ist auch nicht geheim, sondern wird in den Betriebsplänen festgeschrieben und veröffentlicht.

Aus den USA gibt es viele Berichte über Zwischenfälle beim Fracking. Wie stehen Sie dazu?

Das ist in der Tat ein Problem. Aber bitte beachten Sie, dass in Amerika ganz andere Umweltvorgaben als in Deutschland gelten, man hat dort leider zum Teil auch andere Standards verwendet und manchmal in nicht so tiefen Schichten gebohrt. Dort hat es Zwischenfälle gegeben und seitdem steht Fracking massiv in der Kritik. Schauen Sie ins Internet: alle scheinen derzeit gegen uns. Doch die Bilder aus Amerika werden Sie in Deutschland nicht sehen.

Das eindrucksvollste Bild aus den USA ist ein brennender Wasserhahn. Eine gefährliche Nebenwirkung, oder?

Ich kenne die Aufnahmen, das sind beeindruckende Bilder. Mit Fracking hat es aber nicht direkt zu tun: Man hat dort vermutlich durch Kohlenflöze gebohrt, dadurch ist Grubengas entwichen. So etwas darf nicht passieren und solche Bereiche würden wir feststellen und konsequent meiden.

Ihnen schlägt auch Gegenwind aus der Politik entgegen. Der Rat der Stadt Meschede hat sich bereits gegen Fracking ausgesprochen, es gibt Appelle an den Bundestag, das Bergrecht zu ändern und Fracking zu verhindern. Was sagen Sie dazu?

Zunächst einmal haben wir allen Kommunen angeboten, unser Projekt vorzustellen. Es ist zurzeit nicht vorhersehbar, wie sich die Lage im politischen Raum entwickeln wird. Da wird viel auf die Gutachten ankommen, die zum Thema in Arbeit sind.

Welches sind Ihre Hauptargumente für Fracking?

Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten bietet eine große Chance für Deutschlands Energiemix und für die jeweiligen Regionen: Die eigenen konventionellen Erdgas-Vorkommen schwinden. In den USA ist der Preis für Erdgas durch das so genannte Schiefergas um die Hälfte gesunken, sinkende Preise wären langfristig auch in Deutschland möglich. Zudem weist Erdgas im Vergleich zu anderen Fossilen Energiequellen eine ausgesprochen günstige Klimabilanz auf.

 
 

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