Sich angenommen fühlen und sein Leben ändern

Zu den größten Wünschen, die wohl jeder Mensch hat, gehört der, von seinen Mitmenschen so angenommen zu werden, wie man ist. Das Problem dabei ist meist, dass wir uns selbst schwer damit tun uns anzunehmen wie wir sind. Schon beim Blick in den Spiegel fallen uns Dinge auf, die wir so lieber nicht sehen würden, wie z. B. Pickel, die Nase, Falten. Ganze Industrien leben davon, dass sie Produkte herstellen, durch die wir uns nicht damit abfinden müssen, uns so anzunehmen wie wir sind.


Wir reden uns ein: „Wenn das anders wäre, würde ich bestimmt zufriedener und glücklicher sein.“ Doch selbst wenn man es tut, hält das Glück nur kurze Zeit an und es fällt einem noch mehr ein, was ich an mir ändern muss oder an mir geändert werden sollte, um glücklicher zu sein. Wie oft lassen wir in uns Ärger und Unzufriedenheit aufkommen wegen Dingen, die wir nicht ändern können.


Bestes Beispiel: das Wetter. Es sagen zwar alle, dass es gut ist, dass man daran nichts ändern kann. Aber ich wette, dass Ihnen in dieser Woche bestimmt schon mindestens ein Mensch begegnet ist, der über das Wetter geklagt hat. In den Evangelien finden sich Beispiele, dass auch Jesus die Menschen annahm, wie sie sind, auch wenn es ihm schwerfiel. So konnte er in seiner Heimatstadt keine Wunder tun, weil die Menschen meinten, ihn zu kennen und deshalb ablehnten.


Doch Jesus ist nicht brüskiert oder wütend auf die Leute oder versucht mit Nachdruck ihnen klarzumachen, dass ihre Haltung falsch ist, er wundert sich nur (Mk). Allerdings ist das Annehmen von Tatsachen keine Aufforderung zum Faulsein oder zur Passivität.


Es heißt, man könne nur das ändern, was man zuvor angenommen hat. Und manche Menschen bekommen den Mut zur Veränderung dann, wenn sie angenommen wurden. Zachäus fühlte sich durch die freundliche Ansprache Jesu angenommen so wie er ist und änderte danach sein Leben.


Wer den Tatsachen ins Auge schaut, kann mit ihnen Freundschaft schließen und etwas verändern. Wer vor den Tatsachen das Auge verschließt und immer nur daran denkt, was alles anders sein sollte, weil es dann (vermeintlich) besser wäre, wird immer Gründe finden, traurig zu sein und zu verzweifeln.


Ullrich Birkner, Bad Fredeburg, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe

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