Seit 400 Jahren der Geschichte verpflichtet

Wasserschloss Laer in Meschede. Foto: Hans Blossey
Wasserschloss Laer in Meschede. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey
Eine lange Familientradition gehört zu dem Namen von Westphalen.

Laer.. Die Tür öffnet sich und die Gräfin weist direkt nach oben: „Sehen Sie, da führte die Wendeltreppe hoch, die hat man dann im 18. Jahrhundert abreißen lassen.“ Davor sei sie ungemein wichtig gewesen: „Über die enge Stiege konnten Angreifer das Schloss nur schwer erstürmen.“ Früher habe es ja in jedem Jahrhundert mindestens einen Krieg gegeben, sagt sie und ergänzt: „Wir wissen es gar nicht zu schätzen, in welch’ friedlichen Zeiten wir heute leben.“ Für unsere Adventsserie öffnet sich heute eine Tür, hinter der sich viel Geschichte verbirgt: Schloss Laer.

Johanna Gräfin von Westphalen kann viel erzählen. Selbst ist sie zwar nicht in Laer aufgewachsen. Geschichte umgibt die Nichte des Bischofs Kardinal von Galen, des „Löwen von Münster“, aber wie eine zweite Haut. „Unser Vikar hat uns damals Goethe gelehrt: ,Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben’“, zitiert sie.

Auch Schloss Laer, das im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt wird, ist ein geschichtsträchtiger Ort. Die ursprüngliche Wasserburg kauft Heinrich von Westphalen 1602 und im 17. und 18. Jahrhundert gestaltet die Familie die Burg zu einem Schloss um. „Man wollte es schick und mondän haben, fast wie in Versailles“, berichtet die Gräfin. Damals verschwindet auch die Wendeltreppe und die Halle entsteht.

Im Januar 1945 stirbt die Großmutter des jetzigen Grafen in Laer. 1898 war sie nach ihrer Heirat nach Laer gezogen. „Die Doppelfenster an der Nordseite und die Kachelöfen hatte sie aus ihrer böhmischen Heimat mitgebracht“, erzählt die jetzige Hausherrin. Die Plünderungen und Zerstörungen am Ende des Krieges muss sie nicht mehr erleben.

Nach 1945 werden erst Kriegsblinde im Schloss untergebracht, später ist dort ein Caritas-Erholungsheim für Dortmunder Kinder.

„Als wir 1964 von Berghausen nach Laer zogen, waren der große Saal, in dem heute das Wohnzimmer ist, und die Halle komplett leer“, berichtet Johanna Gräfin von Westphalen.

Chinesische Lackierung

Alte, wertvolle Möbel, zum Teil mit chinesischer Lackierung, fand sie noch zerschlagen auf dem Hof. Nach und nach haben die Gräfin und ihr Mann Clemens Graf von Westphalen einiges restaurieren lassen. Sie sehen es als eine ihrer Aufgaben, Kulturgüter zu erhalten. Ein altes Bild, das die Familie des ersten Besitzers von Schloss Laer, Heinrich von Westphalen, zeigt, ist so erst vor einigen Jahren endgültig fertiggestellt worden. „Es war komplett zerschnitten“, erinnert sich die Gräfin. „Und dabei war es zuvor schon zweimal zerstört worden. Einmal im 30-jährigen Krieg.“ Also vor fast 400 Jahren.

Doch obwohl erstmal nur wenige alte Möbel und Gemälde restauriert werden konnten, war die junge Familie froh, als sie aus den eher beengten Verhältnissen mit damals schon fünf Kindern von Berghausen ins Schloss ziehen konnte. „Wir hatten Platz“, schwärmt die heute 75-Jährige. „Die Kinder sind im Saal Kettcar gefahren.“ Später habe sie den Raum auch für die Feiern der Kinder genutzt.

Heute werden die Eingangshalle und das Wohnzimmer beherrscht von großen Schränken und großformatigen Bildern. Viele zeigen die Vorfahren der von Westphalen. Doch auch mit neueren Fotografien ihrer Eltern, Geschwister, Kinder und Enkel umgibt sich die Gräfin im Wohnzimmer.

Zu Familienfesten

In dem großen etwa 90 Quadratmeter großen Saal trifft sich die Familie nur zu großen Festen und zu Weihnachten. Dann wird dort auch der Weihnachtsbaum aufgebaut. „Sonst wird da gar nicht geheizt“, erzählt sie. 17 Grad so schätzt sie, sei es jetzt auch in der Halle, in der sie den Besuch empfängt. „Das ist noch nicht kalt“, sagt sie ernsthaft, „kalt ist es erst, wenn die Temperatur unter zehn Grad fällt.“

Und richtig kalt sei es früher in ihrem elterlichen Schloss Haus Assen in Lippetal gewesen. Trotzdem schwärmt sie: „Es war romantisch, ein Traum.“ Man merkt, dass ihr Herz auch heute noch an dem hübschen Renaissanceschloss hängt, das aber von der Familie nicht zu unterhalten gewesen sei.

Überhaupt seien die Kosten für so ein Schloss enorm. „Denken Sie, was es kostet, wenn wir unser Dach mit Schiefer decken lassen müssen.“ Schiefer muss es natürlich sein, schon aus Denkmalschutzgründen. „Und dabei hält der heute nicht mehr 100 Jahre wie früher.“

Nur noch ein Bruchteil

Im Innern bewohnen die Eheleute nun nur noch einen Bruchteil des Schlosses. Geputzt werden muss es natürlich trotzdem, wenn auch nicht überall gleich intensiv. „Ich habe eine sehr tüchtige Hilfe, die putzt sich so durch“, erzählt die Gräfin trocken.

Einen Umzug in ein kleineres Haus oder gar in eine Eigentumswohnung? Für die Gräfin offenbar undenkbar: „Wenn man viel Platz hat, dann breitet man sich aus.“ Und die elffache Großmutter gibt auch zu: „Ich kann auch ganz schlecht wegwerfen. Wenn ich mal nicht mehr bin, werden meine Kinder hier einiges zu tun haben. Unter allem, was ich so gesammelt habe, ist nicht nur Erhaltenswertes.“

 
 

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