Schon mehr als dreiste Verdrehung der Tatsachen

„Ein Ritt auf der falschen Welle“ Leserbrief vom Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Meschede Herrn Sefer Kara. Einen solchen Artikel mit absolut gezielt einseitiger Desinformation in eine Zeitung zu setzen, ist nur in einer funktionierenden Demokratie möglich. Die Demonstrationen am Taksim-Platz und Gezi-Park als Absicht zu bezeichnen „die Scharniere der Demokratie durch anarchistische Gewalt aufzulockern und rauszureißen“, ist schon mehr als dreiste Verdrehung der Tatsachen.

Die Teilnehmer der Demos kamen (und werden kommen) nachvollziehbar aus der Breite der ethnisch vielschichtigen türkischen Gesellschaft. Sie einheitlich in die linksradikale Ecke zu drängen ist schlicht sachlich, extrem einseitig, falsch!

Herr Kara hat selbstverständlich zahlreiche Zuschriften aus der Türkei, die alle diese Demos als „antidemokratisch“ und „kein Vorbildcharakter für die Jugend in Deutschland“, diffamieren? So reflektieren, die konfusen Argumente des besagten Leserbriefs, offenbar mehrheitlich die Meinung der herrschenden AKP, die seit Regierungsübernahme mehr und mehr gemeinsame Sichtweisen mit Milli Görüs (zur Erinnerung: „Kalifat aus Köln“) entwickelt. Der Artikel zeigt überklar den Grundsatz: „Wessen Hand mich nährt, dessen Lied ich sing“.

Aus dem breiten Spektrum der Demoteilnehmer hat es, wie schon bei fast jedem Fußballspiel, auch kontraproduktiven Missbrauch der Situation gegeben. Die überwiegende Mehrheit jedoch verhielt sich absolut friedlich, demokratisch und sehr solidarisch mit dem Nachbarn, obwohl aus den verschiedensten Minderheiten stammend und nicht linksradikal. In keinster Weise zu entschuldigen ist das unverhältnismäßige, überharte und brutale Vorgehen der Ordnungskräfte gegen korrekt Demonstrierende oder gar schlicht da stehende Menschen.

Ich hatte die irrige Hoffnung, dass unsere hiesige DITIB –Gemeinde schon einen Schritt weiter sei als die vorgebetete Einheitsmeinung der AKP. Ich selbst habe gelernt, dass man spätestens kehrt machen sollte, wenn alle im Umfeld in dieselbe Richtung laufen, denn dann beginnt der Fisch vom Kopf her zu stinken.

Über das türkische Demokratieverständnis lohnt sich erst wieder positiv zu streiten, wenn andere Religionen neben dem sunnitischen Islam in der Türkei einklagbare Rechte als Religionsgemeinschaft in der Verfassung erhalten.

 
 

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