Schmallenberger kastrieren streunende Katzen

Viele Streuner sind sich selbst überlassen und vermehren sich unkontrolliert.
Viele Streuner sind sich selbst überlassen und vermehren sich unkontrolliert.
Foto: dpa
Tierschützer fordern bei ihrer Arbeit Unterstützung von der Stadt, finanziell und organisatorisch.

Schmallenberg..  Rund 100 freilaufende Katzen lässt der Tierschutzverein Schmallenberg und Umgebung im Jahr kastrieren – damit sich die Streuner nicht unkontrolliert ausbreiten. Denn die herrenlosen Tiere leben und sterben unter großteils unwürdigen Bedingungen. So viel Fürsorge geht ins Geld: Die Tierschützer fühlen sich finanziell von der Stadt Schmallenberg alleingelassen. Politisch sei das nicht gewollt, es stehe kein Geld zur Verfügung, bedauert das zuständige Ordnungsamt.

Aufnahme von Jungtieren

„Wir fangen die Katzen, sie werden entwurmt, kastriert, gekennzeichnet und wieder in die Freiheit entlassen“, umreißt Vorsitzende Petra Wege die Arbeit der Ehrenamtlichen. Jungtiere nehmen sie meist in der Auffangstation auf und versuchen, sie an Katzenfreunde zu vermitteln. 870 seien es in den letzten zwölf Jahren gewesen, sagt Wege.

„Das Problem nimmt zu“, sagt die Vorsitzende. Anfragen häuften sich, Tierheime seien ausgelastet, nicht nur im Sauerland. Das bestätigt Birgit Müller vom Tierheim Meschede: „Hier werden streunende Katzen meist sich selbst überlassen.“ Und nicht kastriert, also pflanzen sie sich fort. „Rein mathematisch kann sich ein Katzenpaar in zwei Jahren auf rund 70 Tiere vermehren. Zwei Würfe pro Jahr mit je drei Kätzchen sind durchaus realistische“, schreibt der Schmallenberger Tierschutzverein.

Das Problem: Im Endeffekt leben freilaufende Katzen wie Marder oder Fuchs, sie gehören niemandem. Eine Kastrationspflicht könnte helfen, die Population zu verkleinern. Petra Wege und ihre Mitarbeiter fordern diese Pflicht auch für Schmallenberg. Eine große Kostenbelastung sieht sie nicht: „Wir machen ja weiter mit unserer Arbeit.“ Das Ordnungsamt müsste lediglich kontrollieren. „Dass kein Geld da sein soll, sieht für uns aus wie mangelndes Interesse – wir machen die Arbeit ja schließlich schon.“

Finanzielle Mittel fehlen

Nur stößt der Verein eben langsam an Finanz- und Kapazitätsgrenzen. Fallen aufstellen ist zeitintensiv, die Tiere in der permanent vollbelegten Auffangstation sollen nicht verkümmern, es gebe kaum noch Ruhezeiten. Entwurmen und Kastrieren kostet Geld. „Ein Tier ist grundsätzlich Privatpatient“, sagt Manfred Reuter, 2. Vorsitzender der Schmallenberger Tierschützer. „Bis ein Tier in armseligem Zustand wieder hochgepäppelt ist, sind locker 500 Euro weg.“

Der monatliche Flohmarkt in Heiminghausen und Spenden deckten die Auslagen nicht mehr, so Wege. „Es gibt die Hundesteuer, warum keine Kastrationsverordnung?“, fragt sie. Immerhin beteilige sich hin und wieder das Landesamt für Naturschutz, wenn gerade entsprechende Programme aufgelegt und die Mittel formell beantragt werden.

Geld im Einzelfall

Die frühere Drittel-Regelung, nach der sich Tierschutzverein, Stadt und „Finder“ des Tiers die Kastrationskosten teilen, wurde abgeschafft, sagt Birgit Müller. Im Einzelfall könne das Mescheder Tierheim Mittel zur Kostendeckung beantragen – immer abhängig davon, ob grade Geld da ist.

„Wir finanzieren die Tierheime mit einem nicht unerheblichen Betrag“, sagt Berthold Vogt vom Schmallenberger Ordnungsamt. „Es wäre deshalb schwierig, eine Kastrationspflicht umzusetzen, weil freilaufende Katzen eben niemandem gehören.“ Das Thema sei in den Haushaltsberatungen diskutiert worden, aber der politische Wille fehle zur Zeit. „Mit den Zahlungen fürs Tierheim sind unsere Mittel ausgeschöpft.“

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