Sauerländer Schulte nach 16 Jahren Signal-Iduna-Chef in den Aufsichtsrat

Richtig temperamentvoll wird Reinhold Schulte, wenn jemand in seiner Gegenwart den Signal-Iduna-Park Westfalenstadion nennt.
Richtig temperamentvoll wird Reinhold Schulte, wenn jemand in seiner Gegenwart den Signal-Iduna-Park Westfalenstadion nennt.
Foto: Privat / WP Meschede
Das Durchhaltevermögen des Reinhold Schulte: 26 Jahre Vorstand der Signal-Iduna, davon 16 Jahre Chef – und jetzt Aufsichtsratsvorsitzender. Der Sauerländer kämpfte unter anderem für den Standort Dortmund - und setzte sich durch. Seine Ehrenämter lassen sich auf drei DIN A4-Seiten auflisten.

Dortmund/Eslohe.. Es gibt nichts Einfallsloseres, als das Porträt eines Unternehmensführers mit der Beschreibung seines Büros zu beginnen, hier: einer stilvollen Lounge mit Blick auf den Dortmunder Signal-Iduna-Park. Auch die Terrasse seines Eigentums im sauerländischen Eslohe taugt nur zu der abgedroschenen Beschreibung: Aus der Provinz auf einen Top-Job der deutschen Versicherungsbranche. Bliebe noch die Tellerwäscher-Variante: Vom Lehrling zum Chef. In immerhin 15 Jahren hatte es Reinhold Schulte, um den es hier geht, vom ausgelernten Versicherungskaufmann bei den Dortmunder Signal-Versicherungen zum Vorstand gebracht, weitere 10 Jahre später zum Vorstandschef.

Keine impulsiven Äußerungen

Die Diskretion, die für den Verwalter von milliardenschweren Einlagen und Millionen von Versicherungsverträgen nötig ist, scheint Reinhold Schulte in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Nichts bringt den Mann, dessen Ehrenämter sich auf drei DIN A4-Seiten auflisten lassen, zu einer unbedachten, impulsiven Äußerung.

– Der Imageverlust der Versicherungsbranche wegen des Rotlichtskandals bei der heutigen Ergo-gruppe? „Kein Kommentar.“ Aber man ahnt den moralischen Widerstand des ehemaligen Messdieners gegen die moralischen Eskapaden einiger Branchenvertreter.

— Die zunehmenden Probleme der Lebensversicherer durch die lang anhaltende Niedrigzinsphase? „Das kommt davon, wenn man auf Kante kalkuliert hat.“ Seine Signal-Iduna-Gruppe halte die niedrigen Zinsen noch jahrelang aus.

Zum Beweis greift Schulte zu einer kiloschweren Akte, den Unterlagen für die jüngste Vorstandssitzung. Risikobewertungen, Zinsszenarien, ellenlange Excel-Tabellen und Grafiken: So langfristig ein Geschäft wie das Versicherungsgeschäft auch angelegt sein mag, in Schultes Verständnis benötigt es permanente minutiöse Überprüfung aller unternehmerischen Stellschrauben.

Zum rechten Zeitpunkt zupacken

Irgendwann, als die Sprache schon längst auf die drei Kinder gekommen ist und auf seine neue Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzender, rutscht ihm doch einmal eine Anekdote heraus. Wie er eine wichtige Akquisition für die Unternehmensgruppe aus dem Krankenbett heraus einstielte, weil nach langem Warten endlich der richtige Zeitpunkt gekommen war. Bei aller Langfristigkeit und auch Langwierigkeit der Branche kommt es eben auch auf beherztes Zupacken zum richtigen Zeitpunkt an.

Daten und Fakten Richtig lebendig wird Schulte aber endgültig, wenn es um sein Herzensthema Region geht. Er, der Sauerländer, kämpfte für den Standort Dortmund, der bei Führungskräften nicht so beliebt ist wie der zweite Standort Hamburg. Die Hansestadt an der Alster und die Hansestadt am Hellweg, die weite Welt der internationalen Finanzwirtschaft und das regional verwurzelte, auf Vertrauen gründende Versicherungsgeschäft – das sind die Pole im Leben des Reinhold Schulte. Er ist bestens vernetzt in der Welt der Politik – und schweigt wie ein Grab.

Als langjähriger Vorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) fiel er nie durch schrille Töne auf, was seiner effektiven Arbeit im Hintergrund auch eher geschadet hätte. Ein Urteil über die Bundesgesundheitsminister der vergangenen Jahrzehnte kommt ihm nicht über die Lippen, allenfalls mal ein vorsichtiges Lob für den sonst viel gescholtenen Philipp Rösler.

Wie temperamentvoll Schulte sein kann, erfährt jeder, der den Signal-Iduna-Park das Westfalenstadion nennt. Mit dem Sponsoring des BVB hat Schulte nämlich auch ökonomisch einen Coup gelandet: In Polen brauchte er keine Werbekampagne, um die Signal-Iduna bekannt zu machen. Lewandowski, Piszczek und Blaszczykowski erledigten das nebenher.

Und wenn Hans-Joachim Watzke mal wieder auf Rückruf auf dem Handy aufleuchtet, dann ahnt man, warum die beiden Sauerländer dem BVB gut tun: Sie sind am dauerhaften Erfolg und nicht am kurzzeitigen Konto- oder Tabellenstand interessiert.

Das ist sehr sauerländisch gedacht, und so lässt sich dieses Unternehmerleben eben doch am besten zusammenfassen mit dem Blick aus seinem Büro und von der Terrasse des Eigenheims in Eslohe.

 
 

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