Resolution des Stadtrates in Meschede

Symbolisch erhält Bürgermeister Christoph Weber hier von Hebamme Ute Schwonzen ein kleines Herz überreicht: Mit dem Verlust der Geburtshilfe/Gynäkologie „reißt man dem Krankenhaus das Herz heraus“, sagt sie.
Symbolisch erhält Bürgermeister Christoph Weber hier von Hebamme Ute Schwonzen ein kleines Herz überreicht: Mit dem Verlust der Geburtshilfe/Gynäkologie „reißt man dem Krankenhaus das Herz heraus“, sagt sie.
Foto: Jürgen Kortmann
Der Mescheder Stadtrat spricht sich in einer Resolution gegen die geplante Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie am St.-Walburga-Krankenhaus aus.

Meschede.  Die Mescheder Politik reiht sich in den Protest gegen die geplante Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie am St.-Walburga-Krankenhaus ein. Der Stadtrat hat deshalb gestern Abend seine Tagesordnung kurzfristig ergänzt: Die Politiker verabschiedeten eine Resolution gegen die Absichten der Krankenhausträger und für den Fortbestand der Abteilung in Meschede. Die beiden FDP-Vertreter stimmten gegen die Resolution.

Mit dieser Resolution, die an die Bezirksregierung und das Gesundheitsministerium geht, setzt der Stadtrat „ein klares Zeichen“, so die UWG-Fraktionsvorsitzende Maria Gödde-Rötzmeier: „Es ist ganz wichtig, dass wir uns als Vertreter der Bürger positionieren.“

Besondere Situation auf dem Land

In der Resolution heißt es, die geplante Schließung werde zur weiteren Verschlechterung der medizinischen Versorgung führen – nicht nur in Meschede, sondern auch im Süden und Osten des Kreisgebietes. Die Fachabteilung müsse wegen der zentralen Lage und guten Erreichbarkeit des Mescheder Krankenhauses erhalten bleiben. Zudem stehe und falle die Familienfreundlichkeit der Stadt mit einer entsprechenden Infrastruktur, zu der eben auch die medizinische Grundversorgung von der Geburt bis zum Lebensende im Krankenhaus zähle: „Eine medizinische Versorgung, die auf rein betriebswirtschaftlichen Zahlen beruht, wird der besonderen Situation im ländlichen Raum nicht gerecht.“

Die Resolution weist auch darauf hin, dass der Krankenhausplan des Landes keine Festlegungen auf einzelne Krankenhäuser enthalte. Die Resolution betont, dass der Krankenhausplan die Notwendigkeit eines intensiven Dialogs nenne, der vor Veränderungen geführt werden müsse: „Wir fordern, dass dieser Dialog geführt wird, bevor Entscheidungen fallen“, verlangt der Stadtrat. Zitiert wird aus dem Krankenhausplan: „Oberstes Ziel ist ein Gesundheitssystem, das konsequent daran ausgerichtet ist, was Patientinnen und Patienten tatsächlich brauchen.“

Ministerin schon eingeschaltet

CDU-Ratsfrau Anette Risse (stellvertretende Kreisvorsitzende der Frauenunion) nannte die Entbindungsstation das „Herzstück“ eines Krankenhauses. Sie sorgte sich aber auch um ältere Frauen jenseits des gebärfähigen Alters, für die die gynäkologische Abteilung wichtig sei: Wie sollten denn künftig beispielsweise alleinstehende ältere Frauen aus Remblinghausen oder Calle nach Hüsten kommen?

Am 4. Oktober treffen sich Politik und Krankenhausträger im Mescheder Rathaus. Von der FDP wurde die Resolution deshalb als verfrüht kritisiert: Man solle erst einmal das Gespräch abwarten, um Hintergründe zu erfahren. Dr. Jobst Köhne nannte es deshalb eine „Gefühlsaufwallung“, jetzt die Resolution zu verabschieden: „Lösungen bitte, keine Gefühle“, wünschte er sich. Alle anderen Politiker waren jedoch der Meinung, die Krankenhausträger hätten sich doch auch schon positioniert: „Unsere Aufgabe ist es, die Pläne zu verhindern“, so Mechthild Thoridt (Grüne). Sie hat NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens schon eingeschaltet: Diese will sich kümmern, bisher aber läge der Antrag der Krankenhausträger offiziell aber nicht vor. Thoridt forderte auch die Mescheder Wirtschaft auf, sich beim Protest einzubringen: „Bisher habe ich von denen nichts gehört. Die sollen in die Puschen kommen.“

 
 

EURE FAVORITEN