Regionale hat Umgehung nicht im Blick

Franz-Josef Ungemach hat jeden Tag viel Lärm und Schmutz vor seiner Haustür. Die B 55 hat in Meschede eine der höchsten Verkehrsfrequenzen. Foto: Stefan Rebein
Franz-Josef Ungemach hat jeden Tag viel Lärm und Schmutz vor seiner Haustür. Die B 55 hat in Meschede eine der höchsten Verkehrsfrequenzen. Foto: Stefan Rebein
Foto: Stefan Rebein

Meschede.. Wenn das Regionale-Projekt der Stadt Meschede umgesetzt wird, hoffen Stadtplaner und die Bürger, dass sich die Lebensqualität zwischen Hennesee und Ruhr durch das 7,5-Millionen-Euro-Projekt verbessert.

An die Verbesserung seiner Lebensqualität glaubt Franz-Josef Ungemach jedenfalls schon seit längerer Zeit nicht mehr so recht. Seit Jahrzehnten lebt der 73-Jährige in seinem Haus an der Steinstraße. „Die meisten Hauseigentümer wohnen nicht mehr hier“, hat der Mescheder beobachtet. Die viel befahrene Straße liegt direkt vor seiner Haustür, im Stadtgebiet ist sie Teil der Bundesstraße 55 (B 55). Jeden Tag ist Ungemach dem Lärm und Schmutz tausender Autos und Lkw ausgesetzt. Seit Jahrzehnten hat sich diese Situation nicht zum Besseren gewendet. Seiner Auffassung nach hätte die Lösung der problematischen Verkehrssituation Bestandteil der Regionale werden müssen. „Was“, fragt er, „bekommen die Anwohner in der Innenstadt von Meschede, die an der B 55 wohnen, von den Vorzügen der Regionale mit?“

Im Rahmen des Bauvorhabens soll die Entdeckelung der Henne und der Bau des Henne-Boulevards für städtebaulichen Glanz sorgen. Die Zielrichtung des Südwestfalen-Projekts, bei der es heiße, man müsse die Stadt als Ganzes sehen, stößt Ungemach bitter auf. Bei der so formulierten Zielsetzung fühlt er sich im Stich gelassen. Die ständige Lärmbelästigung leid, will er, dass die Planungen zur Umgehungsstraße vorankommen.

B 55 weiterer Bedarf

Die Stadt Meschede stellt sich offiziell auf die Seite der Anwohner. Jedoch sind ihr bei der Realisierung der Umgehung die Hände gebunden. „Die B 55 fällt unter das Bundesstraßenbaugesetz“, erklärt Jörg Fröhling, Pressesprecher der Stadt. Außerdem ließe sich das Projekt zeitlich nicht im Rahmen der Regionale bis 2013 realisieren.

Die Umsetzung der Umgehung scheint ungewiss. Sie würde als Tunnel in der Felswand von der Antoniusbrücke bis zum Hennesee führen. Sie wäre eine kostspielige Entlastung des innerstädtischen Verkehrs. „Diese 1,7 Kilometer lange Umgehung würde mit etwa 37,8 Millionen Euro zu Buche schlagen“, sagt Fröhling. Kosten, die der Bund stemmen müsste, die im so genannten Bedarfsplan für Fernstraßen 2004 nur unter „weiterer Bedarf“ aufgeführt sind. Priorität genießt das Projekt momentan nicht. „Derzeit gibt es keinen Planungsauftrag“, sagt Rudolf Heupel, Sprecher des Landesbetriebs Straßenbau. Zurzeit würden nur Projekte, die unter „vordringlichem Bedarf“ fallen, in Angriff genommen.

Kaum politischer Druck

Franz-Josef Ungemach ist enttäuscht ob des Stillstands. Er hat dennoch viel unternommen, damit Bewegung in die Angelegenheit kommt. Doch von seinem CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg bekam er nicht einmal eine Antwort auf seine Anfrage. Und der CDU-Landtagsabgeordnete Hubert Kleff konnte keinen entscheidenden Einfluss auf das Vorhaben nehmen. „Die Stadt könnte sich um diesen Problembereich intensiver kümmern“, wünscht sich der Anwohner.

An einigen Stellen im Stadtgebiet habe die Stadt versucht mit Bepflanzungen den Schall etwas abzumildern. Das schützt nur wenig. Das mehr als 100 Jahre massive Haus von Franz-Josef Ungemach erzittert jedes Mal, sobald ein Lkw über die Bundesstraße donnert. „Ich habe nichts gegen die Regionale“, beteuert er. Nur gebe es noch ein anderes zu lösendes Problem in Meschede. „Und das ist wahrlich kein Randbereich“, betont der 73-Jährige.

 
 

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