„Radikale Einschnitte in eine idyllische Teichlandschaft - weshalb?“

Kohlwedertal in Meschede. Das Kohlwedertal ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger, insbesondere für Familien aus Meschede und Eversberg. Am Ende des Tales ist ein stiller Teich, der wegen seiner besonderen Lage auch ein wertvolles Biotop ist: Erlen, verschiedene Sträucher, vielseitige Pflanzenwelt und Gras auf Weg und Rändern, Seerosen auf dem Wasser, Zaunkönig, Laubsänger und andere Kleinvögel, Eisvogel als Brutvogel, Wacholderdrossel als Koloniebrüter, Fischreiher Kormoran, Stockenten, Reiherenten als Gast, seit 1993 eine Grauganskolonie, seit 2010 auch Mausergebiet für Graugänse (da sie in dieser Phase nicht flugfähig sind, suchen sie in dieser Zeit Gebiete auf, an denen sie sich sicher fühlen), Fische, Laichplatz für Frösche und Kröten aus einem weiten Umfeld, Tränke und Jagdgebiet für Schwalben und beliebter Sammelplatz vor der Abreise im August und als Regulativ auch Habicht, Sperber und Eule.

Radikalschnitt

Bereits im Frühjahr wurde ein Radikalschnitt der Bäume und Sträucher auf beiden Seiten des Weges durchgeführt, wie er in diesem Frühjahr an vielen Stellen in Meschede zu sehen ist. Für Vogelarten, die in Teichnähe Nahrung und Nistplätze fanden, ist dieser Lebensraum zumindest in diesem Jahr zerstört. So wird man den Eisvogel, der im Schutze der Sträucher seine Nisthöhle hatte, dieses Jahr nicht beobachten können.

Brutbeginn der Graugänse

Mitte April, in der Laichzeit der Frösche und des Brutbeginns der Graugänse, wurde der Weg in aufwändigem und sicher nicht billigem Einsatz tiefgründig mit einem Bagger abgeschält. Auch Grasnarbe und Pflanzen an den Rändern entfernte man säuberlich. Anschließend wurde ein zwei Meter breiter Splittstreifen aufgetragen. Aus einem weichen Grasweg machte man so einen Schotterweg, begrenzt von aufgeschobenem Boden, Ästen und Schreddermasse.

Die Graugänse, die seit 20 Jahren auf der Insel brüten, wurden durch die Bauarbeiten vertrieben. Lediglich ein Paar, das bereits bei der Eiablage war, hat eine Brut begonnen. Einige Gänse sind inzwischen zurückgekehrt, eine Brut werden sie wohl nicht mehr beginnen.

Den winzigen Jungfröschen wird der Weg in Wiese und Wald durch den Schotterstreifen, aufgeschobene Erde und Haufen von Schreddermasse sehr erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Auch die Gänsefamilie wird einen schwierigen Start haben, denn Gras und Pflanzen in Teichnähe boten Nahrung und kurze Fluchtwege für die anfangs sehr gefährdeten kleinen Gänse.

Dass Sträucher und Baumbestand von Zeit zu Zeit ausgedünnt werden müssen, ist mir klar. Welchen Sinn dieser radikale Eingriff in ein so vielseitig vernetztes Biotop hat, kann ich nicht verstehen - ganz zu schweigen von der Optik.

Dafür, dass man diese Arbeiten mit schwerem Gerät in der Laich- und Brutzeit durchführt, habe ich keinerlei Verständnis.
Hartmut König,
Meschede

 
 

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