Profit geht vor Tier- und Menschenschutz

Putenmast in Schederberge.  Planer haben 2014 bei Herrn Bürgermeister Hess vorgesprochen. Ihr Interesse wäre, die ehemalige Veramed-Klinik zu übernehmen und neu aufzubauen. Es soll ein Wellness- und Gesundheitszentrum entstehen. Der Stadt wurde eine detaillierte Bauplanung vorgelegt und mit dem Bauamt besprochen. Etwas für das Menschenwohl - Arbeit sowohl beim Bau und natürlich langfristig lukrative Arbeitsplätze im Gesundheits- und Betreuungsbereich.


Wenn in Schederberge eine Putenqualmastanlage genehmigt wird, kann man davon ausgehen, dass dies einer Wiederbelebung der ehemaligen Veramed-Klinik in Beringhausen nicht förderlich wäre. Nun einige Gedanken zu Schederberge: Interessant: In Bestwig gibt es ein „notwendiges Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes“ aufgrund der Windkraftthematik. Jetzt gibt es wohl „Planungsgrundsätze wie etwa Abstände, die zur Wohnbebauung eingehalten werden müssen.“ In Schederberge bestehen 7,2 Meter Abstand von den Stallgebäuden zur nächsten Wohnbebauung. Und ein paar Schornsteine würden die Abluft nur ein paar Meter weiter zu anderen Anwohnern oder gar bis zum Mescheder Krankenhaus tragen. Sonne käme in diese Ställe gar nicht, Freilauf für die Tiere ist nicht vorgesehen.


Was ich mich hinsichtlich Umweltschutz (im Stadthaushalt gibt es für Umweltschutz kein Ressort) frage, ist: wo soll der Mist von fast 10 000 Puten ausgefahren werden? Auf die Felder um Schederberge wird seit Jahren schon die Stinkbrühe aus Horbach aufgebracht. Nach dem Feldauftrag der Gülle gibt das richtig gutes Mescheder Wasser, was ja beworben werden soll - vermutlich mit der Duftmarke Pute.


Der Bürgermeister ist nicht gewillt unsere „aussterbende Splittersiedlung“ mit weiterer Infrastruktur aufrecht zu halten, das wäre zu teuer. Doch für eine Mastanlage müssten unsere Zufahrtsstraßen extrem verbreitert werden. Wer soll das bezahlen? Das Landwirtschaftsministerium NRW stellt schon lange Forderungen auf, u.a.: verbesserte Bilanzierungsmethoden wie die Hoftorbilanz, konsequente Begrenzung und Sanktionierung betrieblicher Nährstoffüberschüsse, Einbeziehung von Gärresten aus Biogasanlagen in die Begrenzung der organischen Stickstoffdüngung. - Die Stadt Meschede genehmigt trotzdem weitere Putenmastanlagen.


Das NRW-Ministerium stellte kürzlich fest, dass 88 Prozent der Fleisch- und Wurstwaren im Verkauf keimbelastet sind. Wenn die Behörden nicht für Abhilfe schaffen, bleibt den Bürgern nur, im Laden selbst zu entscheiden, ob sie sich diesem Gesundheitsrisiko aussetzen möchten.


Woher kommen die tödlichen Erreger? Zwei Drittel des tonnenweisen Antibiotikaeinsatzes findet bei Tieren statt, führt aber offenbar nicht unbedingt zur Abhilfe. Mastanlagen sind Brutstätten für resistente Keime. In den Schlachthöfen werden die Keime weiter verbreitet. Dünger mit resistenten Keimen gelangt auf die Felder. Menschen, die Kontakt mit den Tieren haben, tragen die Bakterien auf dem Körper. Dürfen akut Krebskranke neben so einer Anlage leben? Das wäre in Schederberge der Fall. Nach Schätzungen sterben 7500 bis 15 000 Menschen wegen multiresistenten Keimen.


Im Tierschutzrecht steht nichts von Massentierhaltung und Qualzucht-System. Der Profit der Tierindustrie geht vor Umwelt-, Tier- und Menschenschutz. Die Vertreter der Tierindustrie sitzen in Behörden und Politik.


Brigitte Schweis, Schederberge