Nur ein Polizist rückt bei aggressivem Tumult in Meschede an

Blick auf einen der neuen Streifenwagen, wie ihn die Polizei in Nordrhein-Westfalen jetzt einsetzt. Nach einem Notruf in Meschede herrschte ein Mangel an Einsatzkräften. Zwei Wagen waren gebunden.
Blick auf einen der neuen Streifenwagen, wie ihn die Polizei in Nordrhein-Westfalen jetzt einsetzt. Nach einem Notruf in Meschede herrschte ein Mangel an Einsatzkräften. Zwei Wagen waren gebunden.
Foto: Alex Talash
  • Weil die Polizei keine Einsatzkräfte hatte, konnte nur ein einziger Polizist zu einem Tumult ausrücken
  • In Meschede hatten sich insgesamt 20 Personen aggressiv verhalten, einer war bewaffnet
  • Die Gruppe war bereits auf und davon, als der Polizist vor Ort ankam

Meschede.. Zwei Gruppen mit Migrationshintergrund haben sich auf dem Winziger Platz eine Auseinandersetzung geliefert. Zeugen berichten unserer Zeitung von einer brenzligen Situation: Die Polizei hatte keine Einsatzkräfte in der Nähe verfügbar.

Es ist gegen 18 Uhr am Samstag, als der Tumult entsteht. Es wird laut, es wird gebrüllt, es wird hektisch. Vorn wird ein Baseball-Schläger geschwungen. Es geht offensichtlich um eine Beleidigung. „Das nimmst du zurück“, nehmen erschrockene Passanten als Satz war. „Das sah aggressiv und gefährlich aus.“ Die Zeugen bekommen es mit der Angst, als sich die bis zu 20 Beteiligten immer wüster anschreien und immer aufgebrachter gegenüber stehen. Ein Zeuge versucht zweimal die Wache in Meschede unter dem normalen Telefonanschluss über 90200 zu erreichen. Ohne Erfolg. Dann wählt er schließlich den Notruf 110. Über das jetzt folgende Gespräch ist er noch immer irritiert. „Wir haben keinen Wagen“, soll ihm jemand in der Leitstelle entgegnet haben.

Dienstgruppenleiter fährt selbst los

Etwa 20 Minuten nach dem Notruf rückt die Polizei an - mit einem einzigen Beamten in einem Streifenwagen. Pressesprecher Holger Glaremin bestätigte unserer Zeitung das ungewöhnlich kleine Aufgebot: Weil keine Einsatzkräfte vor Ort verfügbar waren, setzte sich schließlich der Dienstgruppenleiter mutig selbst in den Wagen - wohl wissend, dass er allein nicht viel hätte ausrichten können, möglicherweise sogar den Rückzug hätte antreten müssen.

„Das ist eine Ausnahme, das kommt nicht häufig vor, aber wir haben im Hochsauerlandkreis ein großflächiges Gebiet“, sagte Pressesprecher Glaremin. Im Raum Meschede seien zwei Streifenwagen besetzt gewesen, beide hätten zu dem Zeitpunkt einen Einsatz gehabt. Zur Verstärkung seien bereits Wagen aus Arnsberg und Brilon auf der Fahrt gewesen. Glaremin verweist darauf, dass bei der letzten Schlägerei am Stiftsplatz in Meschede binnen kurzer Zeit fünf Streifenwagen aus dem Kreisgebiet zusammengezogen worden waren.

In diesem Fall kommt die Polizei zu spät: Der ausgerückte Dienstgruppenleiter, der eigentlich für Führungsaufgaben innerhalb der Behörde zuständig ist, „kann keine Feststellungen mehr treffen.“ Zeugen berichten unserer Zeitung, dass die rivalisierenden Gruppen - eine davon soll aus dem Arnsberger Raum stammen - plötzlich verschwanden, nachdem sie mitbekommen hatten, dass die Polizei alarmiert worden war. Mit quietschenden Reifen sollen sie davon gebraust sein. Ermittlungen konnte die Polizei nicht mehr anstellen. Es fanden sich offiziell weder Täter, noch Opfer.

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