Notunterkünfte in Schmallenberg - „Derzeit keine Reserven mehr“

Katrin Clemens
Nach der Turnhalle der ehemaligen Valentinschule in Schmallenberg soll die Grundschule in Westfeld zur Unterkunft für Asylbewerber umfunktioniert werden.
Nach der Turnhalle der ehemaligen Valentinschule in Schmallenberg soll die Grundschule in Westfeld zur Unterkunft für Asylbewerber umfunktioniert werden.
Foto: Anike Engels
Die Stadt Schmallenberg rechtfertigt die spontane Umnutzung von Gebäuden als Flüchtlingsunterkunft.

Schmallenberg/Westfeld. Harsche Kritik am Vorgehen der Stadtverwaltung hat es Ende der vergangenen Woche aus Westfeld gegeben. Am letzten Schultag vor den Herbstferien wurde bekannt, dass Schüler und Lehrer nach Oberkirchen umziehen müssen, um Platz für Flüchtlinge zu schaffen. Im Interview erklärt der Technische Beigeordnete Andreas Dicke, warum die Nachricht so spontan kam und die Mitarbeiter der Verwaltung jeden Tag nach weiteren Unterkünften suchen.

Warum kam die Nachricht, dass die Westfelder Grundschule zur Flüchtlingsunterkunft wird, so plötzlich?

Andreas Dicke: Zuerst möchte ich sagen, dass wir die Schulleitung nicht wie berichtet nur per Telefon informiert haben, sondern persönlich vor Ort waren. Genauso wie im Fall der Turnhalle der Valentinschule sprechen wir vorab mit allen Betroffenen. Spontan kam die Nachricht, weil wir mit immer weiter steigenden Asylbewerberzahlen konfrontiert sind – momentan bekommen wir pro Woche rund 25 weitere Personen zugewiesen, die wir unterbringen müssen. Und wir müssen momentan davon ausgehen, dass das so weitergeht – dann sind auch die Turnhalle der Valentinschule und die Grundschule Westfeld in wenigen Wochen voll belegt. Derzeit gibt es keinerlei Reserven mehr, deshalb sind wir ständig auf der Suche nach weiteren geeigneten Unterkünften.

Aus dem Städte- und Gemeindebund hieß es, dass die Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung bald an ihre Grenzen stoßen – wann sind die hier erreicht?

Das ist eine eher rhetorische Frage – wir müssen einfach immer wieder neue Lösungen finden. Dazu kommt, dass so gut wie keines der Gebäude bezugsfertig ist. Wir müssen erst für die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen sorgen wie Brandschutz und Fluchtwege und die Gebäude so ausbauen, dass sie bewohnbar sind.

Haben Sie schon weitere Gebäude im Blick?

Noch nicht konkret, nein.

In einigen deutschen Städten greifen die Behörden bereits mit Zwang auf leerstehende private Gebäude zu – ist das in Schmallenberg auch denkbar?

An so etwas haben wir noch nicht gedacht, nein. Allerdings haben wir ja bereits private Immobilien für diesen Zweck aufgekauft, zum Beispiel in Bödefeld.

Wie steht um die Pläne zum Neubau in Schmallenberg, der 2016 entstehen soll?

Da stecken wir mitten in den Planungen und suchen nach einem geeigneten Standort. Ein Teil der Kollegen nimmt momentan Flächen in Augenschein und die Kollegen des Gebäudemanagements überlegen, welche bauliche Lösung und räumliche Aufteilung am besten geeignet wären.

Wie können die Schmallenberger Bürger die Verwaltung unterstützen?

Am meisten unterstützen sie uns mit ihrem ehrenamtlichen Engagement in der Betreuung der Asylbewerber, wie es bereits in vielen Orten geschieht.