Neue Ziele nach 20 Jahren bei Blickpunkt Meschede

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Der Geschäftsführer des Seniorenzentrums Blickpunkt Meschede Johannes Stienen hat nach zwei Jahrzehnten sein Amt aufgegeben. Wir sprachen mit ihm über seine Pläne für die Zukunft und was er aus seiner Zeit als Leiter des Altenheims mitnimmt.

Meschede..  Johannes Stienen war 20 Jahre lang der Geschäftsführer des Seniorenzentrums Blickpunkt Meschede. Wir sprachen mit dem 48-Jährigen über die Entwicklung der Altenpflege in 20 Jahren, den Umgang mit dem Thema Tod und warum das Blindenaltenheim schon immer ein Geheimtipp unter Sehenden ist.

Frage: Mit 28 Jahren wurden Sie schon Geschäftsführer eines Seniorenzentrums – wie kam es dazu?

Johannes Stienen: Ich habe das damalige Blindenaltenheim durch eine Kollegin kennengelernt und mich deswegen auf die ausgeschriebene Stelle beworben. Ein Schwerpunkt meines Sozialarbeit-Studiums und meine Diplomarbeit behandelte das Thema „Altenheim“. Das hat wohl für mich gesprochen.

Wie war der Beginn?

Es kamen viele neue Aufgaben als Geschäftsführer auf mich zu. Ich musste mich nicht nur um die Bewohner und Angehörige kümmern, sondern auch um meine 90 Mitarbeiter und die betriebswirtschaftliche Verantwortung.

Und warum nun das Ende?

Das war eine sehr bewusste Entscheidung. Ich habe gemerkt, mein Herz schlägt nun für eine andere Sache mehr, und das ist meine Arbeit als Supervisor, Coach, Mediator und Organisationsberater. Hier berate ich Menschen und Unternehmen und helfe ihnen, das eigene Handeln zu reflektieren und die für sie passenden Wege zu gehen. Ich habe mich dafür über die Jahre weitergebildet. Meine Erfahrung als Geschäftsführer hilft mir ebenfalls.

Das Seniorenzentrum hieß vor 20 Jahren noch Blindenaltenheim. War es auch ein reines Heim für blinde Menschen?

Nein, das Seniorenzentrum war schon immer eine Art Geheimtipp unter den Sehenden, da die Arbeit mit Blinden mehr Zeit und mehr Zuwendung verlangt. Dies ist bei den Mitarbeitern in Fleisch und Blut übergegangen und davon profitieren natürlich auch die Sehenden. Trotzdem ist es bis heute so, dass in der Mehrheit blinde Menschen in dem Altenheim leben.

Was war Ihre Philosophie als Geschäftsführer?

Mir hat die Haltung Jesu beim blinden Bartimäus gefallen: „Sage mir, was ich dir tun kann.“ Ich habe mit den Menschen gesprochen, mir ihre Wünsche angehört und die Ängste ernst genommen. Außerdem wollte ich, dass unser Heim offen ist für seine Umwelt. Wir haben Menschen zu uns eingeladen und es unseren Bewohnern ermöglicht, an Veranstaltungen außerhalb teilzunehmen.

Und Ihre Ziele?

Mir war ein Bekenntnis für Qualität wichtig. Auch haben wir es endlich erreicht, dass mittlerweile jeder Bewohner ein Einzelzimmer hat – 80 Stück stehen zur Verfügung. Man muss als Geschäftsführer immer einen Spagat zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit vollführen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich Qualität am Ende auszahlt.

Wie hat sich die Arbeit in den 20 Jahren gewandelt?

Ein großer Einschnitt war die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995. Für den Pflegebedürftigen war dies zwar finanziell ein Schritt nach vorn, für die Mitarbeiter ist die Arbeitsbelastung dadurch aber wesentlich höher. Es wird seitdem verstärkt kontrolliert, wodurch der bürokratische Aufwand enorm angestiegen ist. Kontrollen sind nicht per se schlecht. Die höhere Verrechtlichung und Formalisierung bindet aber zu viel Arbeitszeit der Mitarbeiter für Schreibkram. Diese Zeit könnte man im Kontakt mit den Bewohnern wesentlich besser nutzen.

Der Tod ist in einem Altenheim allgegenwärtig – wie geht man damit um?

Jeder unterschiedlich – für manche Mitarbeiter ist dies nicht leicht. Man baut zu den Bewohnern eine enge Bindung auf, da man sie und ihre Angehörigen auf einem Stück Lebensgeschichte begleitet. Wichtig ist, auch bei den anderen Bewohnern eine aktive Trauerarbeit zu leisten und viel über das Thema Tod zusprechen. Nur so können Ängste genommen und Wünsche geklärt werden.

Ihre Nachfolgerin ist Sylvia Koch – liegt das Haus weiterhin in guten Händen?

Eindeutig: Ja! Sie war meine Favoritin unter den Bewerbungen, und sie wird ihre Arbeit sehr gut machen.

 
 

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