Liebhaber wird zum Rüpel

Zu einer Geldstrafe verurteilte das Amtsgericht Meschede
Zu einer Geldstrafe verurteilte das Amtsgericht Meschede
Foto: WP
Juristisches Nachspiel eines Schäferstündchens: Ein gestörter Liebhaber verfolgte vier Mescheder Jungs in seinem Auto den Krankenhausberg hinunter - mitsamt gefährlichen Überholmanövern.

Meschede.. Es sollte ein gemütliches Schäferstündchen abends oben am Schederweg werden. Tatsächlich wurde es ungemütlich. Denn vier Mescheder Jungs machten sich einen Spaß daraus, das Paar zu stören. Das Schäferstündchen endete in einer gefährlichen Verfolgungsjagd den Krankenhausberg hinunter – mit filmreifem Überholmanöver an der Verkehrsinsel direkt an der Klinik.

Körperverletzung

Das Schäferstündchen vom Schederweg aus dem vergangenen August endete jetzt vor dem Mescheder Amtsgericht – mit der Anklage gegen den Liebhaber wegen mehrfacher Nötigung, versuchter Nötigung, Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung. Der 24-jährige Student räumte alles ein: „So ungefähr ist das passiert.“

Er war mit seiner Freundin im Auto, am Waldweg am Schederweg. Dabei wurden sie offenbar von vier jungen Männern beobachtet. Und die ärgerten das Liebespaar – „die sind voll oft an unserem Auto vorbeigefahren“, sagte der 24-Jährige, mal schauten sie hinein, mal blendeten sie das Paar. Der 24-Jährige kochte. Bis zu diesem Moment konnte auch Oberamtsanwältin Hiltrud Grooten von der Staatsanwaltschaft den Ärger nachvollziehen: „Da wäre jeder irgendwie brastig.“

Doch dann entglitt alles. Der Liebhaber wollte wissen, wer die Störer waren, „ich wollte sehen, ob ich die kenne“. Die hielten aber nicht an. Jetzt wollte er sie dazu zwingen. Er raste hinterher. Am Krankenhaus überholte er das gegnerische Auto an der Verkehrsinsel, obwohl dort Leute darauf standen. Der erste Versuch, das Quartett an der Abzweigung Am Scharfen Stein anzuhalten, misslang - ihr Auto wich aus. Am Oesterweg glückte ihm der zweite Versuch: Er setzte seinen Wagen vor den der Liebes-Störer, schrie den Fahrer an als „Du behinderter Hurensohn!“, schlug ihm auf den Hinterkopf („nur ganz locker, ich bin nicht so ein Schlägertyp“), zertrat dann noch den Seitenspiegel der Gegner.

Geldstrafe

„Zu einer Verfolgungsjagd gehören immer zwei“, meinte der Angeklagte. Er wollte auch die ärgerliche Vorgeschichte oben am Parkplatz mehr zur Sprache bringen. Weil er aber die Vorwürfe insgesamt einräumte, wurden die vier Jungs und die Freundin als Zeugin nicht mehr angehört. „Da kann man sich noch so geärgert haben: So eine Reaktion darf nicht sein“, sagte Richter Philipp Weidlich. Oberamtsanwältin Grooten mahnte: „Wir brauchen besonnene, rücksichtsvolle Fahrzeugführer.“ Weil er gestand und nicht vorbestraft ist, kam der 24-Jährige mit einer Geldstrafe davon: 50 Tagessätze zu jeweils 15 Euro – wegen seines niedrigen Studenteneinkommens.

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