Kneipen-Szene mit Perspektive

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Meschede. Die Kneipen-Szene in Meschede ist um zwei Lokale ärmer. Das „Campus“ hat geschlossen und auch im „Alt Meschede“ ist das letzte Pils gezapft worden - vorerst.

Mitten im Sommer zur Biergarten-Zeit: ein verschlossenes Tor, verwaiste Tische und Stühle draußen. „Ja, das Campus hat zurzeit geschlossen“, bestätigt Ulrich Biene, Pressesprecher von Veltins. Die Brauerei ist Eigentümerin der Gaststätte, die verstorbene Firmenchefin Rosemarie Veltins hatte die Räume noch selbst eingeweiht. Die Pächter haben aufgegeben. Sie waren nicht vor Ort und hatten das „Campus“ von auswärts betrieben - das hat nicht funktioniert.

Neuer Betreiber

Veltins will sich um einen neuen Betreiber kümmern. „Das wird aber noch einige Wochen dauern, wir machen uns auf die Suche“, sagt Ulrich Biene. Weitergehen soll es auch im „Alt Meschede“: Der Wirt hatte aus persönlichen Gründen aufgegeben, aber Familie Ricke als Eigentümer verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, dass die Gaststätte fortgeführt wird.

Seit Jahren ist „Kneipensterben“ ein Schlagwort in der Branche: Die Geldbörsen der potenziellen Gäste sind nicht mehr so prall gefüllt, Raucher und Nichtraucher bekriegen sich und dann ist da noch der generelle Trend zum Rückzug ins eigene Heim. Die Folge: Es werden bundesweit mehr Kneipen geschlossen als neu geöffnet.

Dennoch bewertet Ulrich Biene den Gastronomie-Standort Meschede als gut aufgestellt. Noch mehr Angebote seien in einer Stadt wie Meschede vermutlich nicht wirtschaftlich erfolgreich. „Die Zahl der Objekte stagniert immerhin tendenziell seit einigen Jahren“, erklärt er. Als Beispiel für einen „Neuzugang, der eine Bereicherung darstellt“, nennt er den „Postkeller“ und die Traditionskneipe „Kotthoff’s Theo“ als weitere positive Entwicklung.

„Gute Zukunft“

Ähnlich bewertet es Manfred Nieder, Verkaufsdirektor bei der Warsteiner Brauerei: „Meschede hat eine gesunde Gastronomie-Mischung“. Das „Kneipensterben“ finde eher in Dörfern und kleinere Orten statt - nicht in einer Kreisstadt dieser Größe. „Und ein Leerstand, der kommt immer mal wieder vor“, so Nieder. Gefragt seien heutzutage Gastronomen, die eine Strategie hätten und sich so sich langfristig halten: „Und die sehr guten Leute haben eine Zukunft“, meint Nieder. „Sie stehen aber nicht unbedingt Schlange.“

Das Rezept für eine erfolgreiche Karriere in der Branche? „Gastronomie muss gelebt werden“, sagt Veltins-Mann Biene. Nach seiner Ansicht muss ein Wirt heutzutage ein guter Unternehmer und ein guter Gastronom sein - und dann muss auch noch der Standort stimmen. Da bietet Meschede noch Spielraum, schätzt er, sollten die Pläne der Regionale verwirklicht werden: „Die Öffnung der Henne böte viele Chancen für eine Außengastronomie, das würde sehr für Belebung sorgen“, glaubt er.

 
 

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