Kleine Sensation für Archäologen in Meschede-Enste

Eine archäologische Fachfirma hat in Enste drei Schnitte gelegt und dort Pfostengruben und Keramikscherben gefunden, die darauf hinweisen, dass es sich dort um eine Siedlung aus der Eisenzeit oder römische Kaiserzeit also etwa um Christi Geburt handelt
Eine archäologische Fachfirma hat in Enste drei Schnitte gelegt und dort Pfostengruben und Keramikscherben gefunden, die darauf hinweisen, dass es sich dort um eine Siedlung aus der Eisenzeit oder römische Kaiserzeit also etwa um Christi Geburt handelt
Foto: WP
Keamikscherben und Überreste von Pfostengruben weisen im geplanten Gewerbegebiet Enste-Süd auf Überreste einer Siedlung aus der Eisenzeit. Platzt dort nun der Ausbau? Die Stadt will erstmal den Abschlussbericht abwarten.

Enste..  Für die Archäologen ist es eine kleine Sensation. Aber die Stadt reagiert gelassen. Sie sieht erstmal keine Probleme bei der weiteren Entwicklung ihres Gewerbegebietes Enste-Süd. „Noch habe ich auch nichts Schriftliches“, sagt Klaus Wahle, Leiter des Fachbereichs Planung und Bauordnung.

In Enste - zwischen dem Ensthof, den Solaranlagen, der Straße nach Stockhausen und dem erschlossenen Gewerbegebiet Enste - haben Archäologen Steingeräte, Scherben und Pfahlpfostengruben gefunden.

Auskunft über Wirtschaftsweise

„Das sind deutliche Hinweise auf die Überreste einer Siedlung aus der Eisenzeit oder der Römerzeit - also aus der Zeit rund um Christi Geburt“, erläutert Professor Dr. Michael Baales, Leiter der LWL-Außenstelle für Archäologie in Olpe. „Das ist für die Region etwas ganz Besonderes. Wir erhoffen uns daraus Informationen über die Wirtschaftsweise der Menschen, die dort lebten, über den Austausch mit anderen Regionen und hoffen Häuser rekonstruieren zu können.“ Eine derartig gut erhaltene Fundstelle gebe es erst wieder in Hamm-Bönen. „Wir haben zwar immer vermutet, dass es in den Ruhr-Auen schon sehr früh Siedlungsstrukturen gab. Doch jetzt haben wir erste Beweise.“

Zu verdanken hat die Archäologie diesen Hinweis Reinhard Köhne, der pensionierte Mescheder Schulleiter ist ein passionierter Ur- und Frühgeschichtler. Regelmäßig war er über Jahrzehnte rund um Meschede unterwegs und hat auch im Bereich der Ruhr Steingeräte aus der Alt- und Mittelsteinzeit gefunden, was auf frühe Siedlungsstrukturen hinweist. Auch in Enste war er es, der erste Hinweise auf ein Bodendenkmal gab.

„Wir waren informiert“, sagt denn auch Klaus Wahle. Selber habe man die archäologische Fachfirma beauftragt, die jetzt bereits in Enste im Weizenfeld drei Schnitte - jeweils sechs Meter breit und 50 Meter lang - vorgenommen hat. Dabei hat sich laut Baales der Verdacht auf historische Funde bestätigt.

Wahle: „Wir wollten Klarheit haben, damit uns ein späterer potenzieller Käufer nicht vorwirft, wir hätten davon gewusst und nichts unternommen.“ Er will jetzt allerdings erst mal den Abschlussbericht der Denkmalbehörde abwarten, bevor er weitere Schritte unternimmt.

Für Professor Baales allerdings ist bereits klar: „Wir haben hier ein Bodendenkmal. Das verhindert zwar nicht die Bebauung, das Denkmal muss nur vor der Erschließung untersucht und archiviert werden.“

Kosten zahlt der Bauherr

Und diese Kosten zahlt der Bauherr. Denn seit Juli 2013 gilt in NRW das Verursacherprinzip. Danach müssen Investoren, deren Bauvorhaben eingetragene Baudenkmäler oder archäologische Fundplätze zerstören, die Kosten für ihre vorherige wissenschaftliche Dokumentation tragen, beispielsweise also für eine archäologische Ausgrabung. Diese Pflicht gilt auch für ein „vermutetes Bodendenkmal“, d.h. unabhängig von seiner rechtsverbindlichen Eintragung in die Denkmälerliste.

Wie teuer das genau wird und wie lange eine solche Archivierung dauert und die Erschließung herauszögert, dazu konnte Professor Baales auch nichts Genaues sagen. „Wenige Wochen“, schätzt er.

Die Stadt hätte natürlich auch die Möglichkeit in diesem Bereich das Bodendenkmal einfach zu belassen. Dann entstehen an dieser Stelle keine Archivierungskosten, aber auch kein Baugrundstück.

 
 

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