Keine Babys mehr im Mescheder Krankenhaus

Große Veränderungen für die Stadt: Das St.-Walburga-Krankenhaus schließt seine Geburtshilfe, als Kompensation kommt eine neue Urologie-Abteilung.
Große Veränderungen für die Stadt: Das St.-Walburga-Krankenhaus schließt seine Geburtshilfe, als Kompensation kommt eine neue Urologie-Abteilung.
Foto: WP
  • St.-Walburga-Krankenhaus Meschede schließt 2017 seine Geburtshilfe und Gynäkologie
  • Diese Aufgaben übernimmt das Klinikum Arnsberg an seinem Standort in Hüsten
  • Meschede erhält als Kompensation die bisherige Urologie aus Arnsberg

Meschede.. Aus und vorbei: Künftig wird kein Mescheder mehr in Meschede geboren – außer, werdende Eltern nutzen dann private Hebammenpraxen. Denn das Mescheder St.-Walburga-Krankenhaus will seine Abteilungen für Geburtshilfe und Gynäkologie schließen.

Diese Leistungen sollen künftig vom Klinikum Arnsberg an seinem Standort des Karolinen-Hospitals in Hüsten angeboten werden. Im Gegenzug wechselt die Klinik für Urologie von Arnsberg nach Meschede. Die Pläne können frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2017 umgesetzt werden. Die beiden Krankenhäuser sprechen in einer gemeinsamen Stellungnahme von einer „Qualitätsoffensive“.

Angebote, Arbeitsplatz zu wechseln

Die Beschäftigten in Meschede wurden am Freitag intern über die Absichten der Geschäftsführungen informiert. Entlassungen soll es nach Informationen dieser Zeitung offenbar nicht geben, allen betroffenen Mitarbeitern soll angeboten werden, nach Hüsten zu wechseln oder in andere Abteilungen des Mescheder Krankenhauses. „Die Entscheidung für eine solche einschneidende Veränderung ist allen Verantwortlichen sehr schwer gefallen und ist ausschließlich versorgungspolitischen Notwendigkeiten geschuldet“, so Anja Rapos, Geschäftsführerin des Mescheder Krankenhauses.

Zu wenige Geburten in Meschede

Hintergrund für die Pläne: Zu wenige Geburten im Mescheder Krankenhaus. 2015 kamen hier knapp über 400 Kinder zur Welt. Erst ab 1000 Geburten pro Jahr arbeite eine Geburtshilfe-Abteilung „ansatzweise wirtschaftlich“, so die beiden Krankenhäuser in einer gemeinsamen Stellungnahme. Im Klinikum Arnsberg seien 2015 rund 1200 Kinder geboren worden. Durch die Zusammenführung würden beide Krankenhäuser „auch zukünftig ein flächendeckendes medizinisches Versorgungszentrum“ im Einzugsgebiet beider Kliniken gewährleisten. Die Bündelung ermögliche eine verbesserte Versorgung, auch für Risikoschwangere.

Mit der Verlegung der Urologie soll die Versorgung im oberen Sauerland verbessert werden. Wirtschaftlich seien die jetzige Mescheder Gynäkologie/Geburtshilfe und die Arnsberger Urologie ungefähr gleichwertig.

Gesetzgeber will Konzentration

Beide Krankenhäuser betonen, dass der Gesetzgeber eine Konzentration von Abteilungs- und Krankenhausstandorten und einen Abbau von Kapazitäten fordere, gleichzeitig sollten die Angebote erreichbar und bedarfsgerecht bleiben, wobei qualitativ hochwertig und effizient gearbeitet werden solle. Dieser Herausforderung würden sich die Krankenhäuser annehmen.

Die offiziellen Stellen bestätigten am Freitag diese Ringtausch-Pläne. „Wir sind über die Überlegungen grundsätzlich informiert“, so Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung in Arnsberg – „Veränderungen bei den Disziplinen“, nennt sich die Absicht der beiden Krankenhäuser. Bevor die Bezirksregierung sich damit jedoch offiziell beschäftigt, müssen sich zuvor die Krankenhausträger und die Krankenkassen einigen. Erst dann werden sie von der Bezirksregierung unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit und der Versorgungssicherheit geprüft. Danach entscheidet das Gesundheitsministerium.

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