„Kein einfacher Schritt hierher zu kommen“

Junge Menschen aus Kroatien sind nach Winterbegr gekommen, um im Hochsauerland eine Ausbildung zu absolvieren. Zurzeit lernen die Gäste mögliche Arbeitgeber kennen.
Junge Menschen aus Kroatien sind nach Winterbegr gekommen, um im Hochsauerland eine Ausbildung zu absolvieren. Zurzeit lernen die Gäste mögliche Arbeitgeber kennen.
Foto: Rita Maurer
Die Gastronomie findet nur schwer Auszubildende und Fachkräfte. Über das Projekt „Mobi-ProEU“ der Winterberger Touristik und Wirtschaft GmbH, der IHK Arnsberg, des Kolping Bildungswerks und der Agentur für Arbeit Meschede-Soest haben 31 junge Kroaten und Spanier im vergangenen Sommer eine Ausbildung in der Gastronomie in Winterberg, Schmallenberg und Umgebung begonnen.

Meschede/Schmallenberg..  Aktuell sind davon noch 16 Auszubildende übrig - sie stehen vor ihrer Zwischenprüfung. Tanja Schubert, Teamleiterin des Arbeitgeber-Service der heimischen Agentur für Arbeit Meschede-Soest, ist trotz dieser Bilanz zufrieden.

Wie machen sich die verbliebenen Auszubildenden?

Tanja Schubert: Alle haben ein hohes sprachliches und fachliches Niveau. Einige der Auszubildenden planen ihre Ausbildung zu verkürzen. Das hängt allerdings von den Ergebnissen der Zwischenprüfung ab. Es ist davon auszugehen, dass alle Jugendliche ihre Ausbildung abschließen.

Was ist mit den übrigen Auszubildenden passiert?

Ein Drittel der Abbrecher hat sich trotz des vorher absolvierten Praktikums in den ersten drei Monaten gegen eine Ausbildung in der Gastronomie entschieden. Die Gründe sind vielfältig: falsche Vorstellungen über das Berufsfeld oder Heimweh veranlassten die Bewerber, in ihre Heimat zurückzukehren.

Einige sind vom Fleck weg engagiert worden?

Ja, sie haben sich in den Betrieben so gut eingefunden und teilweise aus den Heimatländern gute Fachkenntnisse mitgebracht, dass die Betriebe den Bewerbern einen festen Arbeitsvertrag angeboten haben und nun sechs Jugendliche als Arbeitnehmer in den Betrieben tätig sind.

50 Prozent haben ihre Ausbildung abgebrochen. Warum sind Sie trotzdem zufrieden?

Es ist kein einfacher Schritt, die Brücken in seinem Heimatland abzubrechen und hierher zu kommen. Die Anforderungen an eine duale Ausbildung, die es in diesen Ländern so nicht gibt, sind hoch. Man muss akzeptieren, wenn der eine oder andere für sich beschließt, einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen. Einige Entscheidungsgründe dafür waren die fremde Kultur und das Sauerländer Wetter. Gemessen an der außergewöhnlich hohen Bewerberzahl in diesem Projekt sind die 16 bestehenden Ausbildungsverhältnisse ein großer Erfolg. Die Jugendlichen, die sich entschlossen haben, die Ausbildung nicht weiter fortzuführen, sind der Region als Arbeitnehmer erhalten geblieben.

Welche Vorbildung hatten die Bewerber?

Die Vorbildung ist ganz unterschiedlich. Einige bringen Vorerfahrungen oder eine schulische Ausbildung in der Gastronomie aus ihrem Heimatland mit. Andere haben bereits ein Studium oder eine andere Ausbildung, zum Beispiel im technischen, handwerklichen oder kaufmännischen Bereich absolviert. Die meisten Jugendlichen sind hoch motiviert und haben eine schnelle Auffassungsgabe, gerade auch beim Lernen der deutschen Sprache.

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