Jeder vierten Frau mit Minijob droht Armut

Rund 20 Prozent der Minijobber im Hochsauerlandkreis sind als Reinigungskräfte eingesetzt. Wer aufstocken will oder eine neue Arbeitsstelle suchen will, hat laut Arbeitsagentur zurzeit gute Karten.
Rund 20 Prozent der Minijobber im Hochsauerlandkreis sind als Reinigungskräfte eingesetzt. Wer aufstocken will oder eine neue Arbeitsstelle suchen will, hat laut Arbeitsagentur zurzeit gute Karten.
Foto: WAZ FotoPool
Viele Frauen arbeiten im HSK in Minijobs. Obwohl die Wirtschaft in der Region gesund ist. Wer aufstocken oder wiedereinsteigen will, hat gute Karten, sagt die Arbeitsagentur.

Meschede.. Im Hochsauerlandkreis hat jede vierte Frau einen Minijob, in Nordrhein-Westfalen ist es nur jede zehnte. Und besonders viele Frauen sind im heimischen Raum immer noch ganz ohne Beschäftigungsverhältnis. Eine Bilanz, die die Arbeitsagentur Meschede mit dem Projekt „Zukunftsperspektive Wiedereinstieg“ und einem eigenen Wiedereinstiegsberater drehen will. Meschede gehört damit zu den 15 von insgesamt 30 Arbeitsagenturen in NRW, die an dem auf ein Jahr angelegten Projekt teilnehmen.

Denn gerade im Hochsauerlandkreis bietet der Arbeitsmarkt für Minijobber und Wiedereinsteiger mehr. „Angesichts der demografischen Entwicklung, einer Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent, der angestrebten Fachkräftesicherung und der heute besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, stehen die Chancen für einen Wiedereinstieg gut“, sagt Oliver Schmale, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Meschede-Soest. Es ist die so genannte stille Reserve – Frauen, die vielleicht gar nicht aktiv nach einem Job suchen, weil sie denken, dass sie ohnehin keine Chance haben – die die Arbeitsagentur heben will. Für den Arbeitsmarkt und die Betroffenen selbst.

Gefahr von Altersarmut

Denn auf Dauer hat die Minijobberin – mehr als 70 Prozent der 22 887 geringfügig Beschäftigten im Kreis sind Frauen – keine gute Perspektive. „Eine Zeit lang kann es die richtige Entscheidung sein, im Minijob zu arbeiten“, sagt Cornelia Homfeldt, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, weil die familiäre Situation nichts anderes zulässt. „Aber auf lange Sicht überwiegen die negativen Punkte.“ Sie nennt geringe Karriereaussichten, Gefahr von Altersarmut und geringere soziale Absicherung im Alter. Bei Trennung oder Tod des Ehepartners könne der Minijob allein einen nicht ernähren.

„Außerdem verlangen viele Unternehmer auch von der Minijobberin hohe Flexibilität.“ Mal vormittags arbeiten, mal nachmittags, auf Abruf – da lasse sich Arbeit und Freizeit schlecht planen. „Urlaubs- und Krankengeld werde oft aus Unkenntnis nicht verlangt oder gezahlt.“ Cornelia Homfeldt macht den Frauen, die aus dem Minijob einen Teilzeitjob machen wollen, die sich weiter qualifizieren wollen oder nach Familienphase wieder einsteigen wollen, Mut: „Da hat sich am Arbeitsmarkt einiges getan. Und: Es lohnt sich!“

Weitere Qualifizierungen hilfreich

Dabei biete sich an vielleicht sogar über eine neue berufliche Ausrichtung nachzudenken, denn das, was man vor Jahren mal gelernt habe, zähle oft nicht mehr. „Wer vier Jahre raus dem Beruf ist, gilt erstmal als ungelernt.“

Trotzdem, so bekräftigt sie, lohne es sich, über den Herkunftsberuf nachzudenken und sich daran anschließend weiter zu qualifizieren. Alles Punkte, über die der neue Wiedereinstiegsberater Udo Linnenbrink mit den Interessierten individuell nachdenken will.

Ihm geht es auch darum, Ängste abzubauen und den Dienstleistungscharakter der Arbeitsagentur hervorzuheben. „Denn die Menschen, die wir mit diesem Angebot ansprechen, die müssen ja nicht zu uns kommen.“

 
 

EURE FAVORITEN