Jäger sichtet wohl ersten Wolf im Sauerland

Jürgen Kortmann
Jetzt also auch im Hochsauerlandkreis? Solch einen Wolf-Einzelgänger entdeckte Josef Schulte-Stiefermann in dem abgelegenen Waldgebiet bei Heggen. „Das war, wie in einer anderen Welt“, sagt der erfahrene Jäger über seine Begegnung.
Jetzt also auch im Hochsauerlandkreis? Solch einen Wolf-Einzelgänger entdeckte Josef Schulte-Stiefermann in dem abgelegenen Waldgebiet bei Heggen. „Das war, wie in einer anderen Welt“, sagt der erfahrene Jäger über seine Begegnung.
Foto: dpa
Bei Meschede ist der erste Wolf im Hochsauerlandkreis entdeckt worden: Der Jäger Josef Schulte-Stiefermann machte die ungewöhnliche Begegnung.

Meschede. Der Wolf ist da, ziemlich nahe an Meschede sogar. Oberhalb von Heggen, in Richtung Remblinghausen, hat ihn Josef Schulte-Stiefermann aus Arnsberg-Wennigloh über längere Zeit beobachten können. Es ist die erste Begegnung mit einem Wolf im Hochsauerlandkreis. Bei der Unteren Jagdbehörde im Mescheder Kreishaus stuft man die Beobachtung als „absolut glaubwürdig“ ein, so Kreissprecher Martin Reuther.

Josef Schulte-Stiefermann wollte am vergangenen Samstag nach seinem Urlaub in seinem Jagdrevier eigentlich nur nach dem Rechten schauen: Es gibt derzeit eine richtige Wildschweinplage, „die machen alles platt“. Das Gebiet an der „Engelschlade“, am höchsten Punkt südlich oberhalb von Heggen, ist schwer zugänglich.

Forschungsstelle prüft

Der 65-Jährige war deshalb gegen 19.30 Uhr auf einem Motorroller unterwegs, machte dann den Motor aus, um sich nach den Wildschwein-Schäden umzuschauen, stand dabei gegen den Wind. Kurz darauf trat der Wolf vor ihm, etwa 150 Meter entfernt, von einer „Kyrill-Fläche“ auf den Weg: „Da steht so was. Was ist das denn? An den Wolf denkt man da als letztes“, wunderte sich Schulte-Stiefermann. Er dachte deshalb zunächst an einen Hund, verwarf den Gedanken aber am Ende schnell angesichts des grauen Tieres mit der auffallenden, waagerechten Schwanzhaltung. „Der trabte dann vor mir weg“, der Jäger konnte ihn noch ein Stück auf dem Weg verfolgen, bevor er bergab hinunter in Richtung Heggen verschwand.

„Das Bild von dem Tier hat sich eingeprägt“, sagt Schulte-Stiefermann. Zuhause recherchierte er selber, um ganz sicher zu gehen: „Das war definitiv ein Wolf. Ich bin mir da ganz sicher.“ Deshalb gab er seine Beobachtung auch an die Kreisverwaltung weiter. Die wiederum reichte sie direkt nach Bonn weiter, dort bündelt die „Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung“ solche Wolfs-Beobachtungen im Land. „Das ist ein erfahrener Pächter. Der übertreibt nicht. Der weiß, was er sieht“, meint Kreissprecher Martin Reuther.

Wildkameras auswerten

Ob der Wolf hier lebt oder auf Durchreise war, ist vollkommen offen. Wölfe haben riesige Territorien. Seit 47 Jahren hat Josef Schulte-Stiefermann den Jagdschein: „Ich habe schon viel erlebt. Das aber noch nicht. Das war, wie in einer anderen Welt.“ Er suchte den Bereich noch nach Spuren ab, dafür aber ist der Boden zu trocken. Er freut sich über seine Beobachtung, sieht einen Wolf auch nicht als Konkurrenz für Jäger an: „Das ist Blödsinn.“

Jetzt will er noch die Aufnahmen aller Wildkameras in seinem Revier genauer unter die Lupe nehmen – darauf fand er in der Vergangenheit auch schon Marder und Waschbären, und seltsamerweise eine Kuh, die dort nicht hingehörte. Eine Aufnahme von einem Wolf wäre der objektive Beweis und die Krönung – und der unwiderrufliche Beweis für seine Existenz im Sauerland.