Internationale Klasse eingerichtet

Lehrerin Maria Korte-Exner mit Schülern und Schülerinnen ihrer Internationalen Klasse.
Lehrerin Maria Korte-Exner mit Schülern und Schülerinnen ihrer Internationalen Klasse.
Foto: Jürgen Kortmann
20 Schüler aus dem Irak, Syrien, Afghanistan, aus Polen, Armenien, Mazedonien, Serbien und Italien lernen in der Internationalen Klasse der St.-Walburga-Hauptschule in Meschede gemeinsam Deutsch.

Meschede..  Anderswo heißt diese besondere Klasse „Auffangklasse“. Das klingt ein wenig abwertend. An der Mescheder St.-Walburga-Hauptschule beschreibt ihr Name den besonderen Charakter: Die Internationale Klasse dort ist ein Mikrokosmos aus verschiedensten Nationalitäten – die 20 Schüler kommen aus dem Irak, Syrien, Afghanistan, aus Polen, Armenien, Mazedonien, Serbien und Italien. Ihr gemeinsames Ziel: Rasch Deutsch zu lernen, um in den Schulalltag integriert zu werden.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren beherrschen Arabisch, Farsi, sprechen Serbisch oder Polnisch als Muttersprache. „Wir versuchen uns mit Englisch zu helfen. Einige können aber keine zweite Sprache, da reden wir dann mit Händen und Füßen“, sagt Marita Korte-Exner. Sie kümmert sich als Lehrerin um die Internationale Klasse. Letztlich findet man irgendwie sprachlich zusammen: „Kinder finden immer Worte.“ Fünf Worte am Tag, das ist so ein erreichbares Ziel.

Ziel ist Wechsel nach einem Jahr

An der Hauptschule stand Leiterin Margot Freise mit ihrem Kollegium vor dem Problem, wie die ausländischen Kinder, die mit ihren Eltern der Stadt Meschede zugewiesen werden (oder, wie bei den Kindern aus Polen oder Italien, deren Eltern hier arbeiten, aber kein Deutsch beherrschen), eigentlich unterrichtet werden sollen. „In der normalen Klasse gehen diese Kinder unter. Wir würden ihnen dort nicht gerecht“, sagt Freise. Die Schulkonferenz und die Stadt als Schulträger unterstützten die Pläne für eine Internationale Klasse. Vier Stunden lang lernen die Kinder und Jugendlichen täglich gemeinsam Deutsch, Fächer wie Sport, Mathe und Englisch haben sie dann in ihren Regelklassen – so soll die Integration mit den deutschen Gleichaltrigen gelingen. Nach einem Jahr Deutsch-Intensiv-Unterricht soll der komplette Wechsel in die Regelklasse folgen, maximal sollen die Kinder zwei Jahre in der Internationalen Klasse bleiben können.

Eine zweite Internationale Klasse wird nebenan am Städtischen Gymnasium gebildet. Fachbereichsleiterin Gisela Bartsch, im Rathaus für die Schulen zuständig, nennt dieses Mescheder Modell in dem gemeinsamen Schulzentrum eine „pragmatische Lösung auf dem kleinen Dienstweg“. Bürgermeister Christoph Weber lobt die Schule: „Das ist ein Glücksgriff, das man so früh dieses Konzept gefunden hat.“

Gegenseitige Unterstützung

„Anfangs ist das ein Puzzle“, sagt Lehrerin Marita Korte-Exner, die eine Fortbildung für „Deutsch als Zweitsprache“ machte, über die Vorkenntnisse ihrer Schüler. Solch unterschiedliche Voraussetzungen bringen sie mit – und besuchen obendrein auch noch fünf unterschiedliche Jahrgangsstufen. Sie hatte auch schon einen 13-Jährigen, der nicht wusste, wie er einen Stift halten musste. Aber trotz der unterschiedlichen Nationalitäten und Voraussetzungen halten die Schüler zusammen und unterstützen sich gegenseitig: „Die haben begriffen: Wir sitzen alle im gleichen Boot und wollen Deutsch lernen.“

Auch die Eltern müssen deutsche Gewohnheiten lernen und sich an die Schulpflicht gewöhnen: „Zeitliche Absprachen zum Beispiel sind nicht so, wie wir das gewohnt sind“, beschreibt Schulleiterin Margot Freise eines der Probleme – beispielsweise anzurufen, wenn ein Kind krank geworden ist. Inzwischen können aber die ersten Kinder aus der Internationalen Klasse für ihre Eltern als Dolmetscher tätig werden.

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