„Ich habe das Küchenmesser vorher gefunden“

Hier im Bereich des Esloher Busbahnhofs torkelt der 30-Jährige Familienvater aus Algerien mit einem Küchenmesser auf eine Gruppe Jugendlicher zu. Im Gerichtssaal entschuldigt er sich für sein Verhalten. Die drei Jugendlichen nehmen das regungslos zur Kenntnis.
Hier im Bereich des Esloher Busbahnhofs torkelt der 30-Jährige Familienvater aus Algerien mit einem Küchenmesser auf eine Gruppe Jugendlicher zu. Im Gerichtssaal entschuldigt er sich für sein Verhalten. Die drei Jugendlichen nehmen das regungslos zur Kenntnis.
Foto: www.blossey.eu
  • 30-jähriger Algerier wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt
  • Der Mann bedrohte eine Gruppe Jugendlicher am Busbahnhof mit einem Messer
  • Jugendliche nehmen Entschuldigung des Angeklagten regungslos zur Kenntnis

Eslohe.  Auch der Diebstahl von Lebensmitteln im Rewe-Markt und im Aldi war Thema der Verhandlung.

Gruppe Jugendlicher bedroht

Schwere räuberische Erpressung in einem minderschweren Fall nennt sich im Juristendeutsch das, was der Algerier am 29. April am Esloher Busbahnhof abgezogen hatte. Gegen 23.15 Uhr torkelte er an jenem Abend mit einem Küchenmesser auf eine Gruppe von drei Jugendlichen zu und verlangte, ihm eine Zigarette zu geben. Aus Angst übergaben die eingeschüchterten Jugendlichen dem Mann die Zigarette. Danach torkelte er in Richtung Hagenweg weiter. Soweit die damalige Version der Mescheder Polizei.

Entschuldigung im Gerichtssaal

Die Version des Angeklagten sieht hingegen leicht anders aus: Er habe das Küchenmesser unmittelbar zuvor zufällig auf der Straße gefunden und es nur deswegen bei sich getragen. Er habe damit nicht gedroht, sondern lediglich um eine Zigarette gebeten. „Ich bin kein aggressiver Mensch“, ließ er den Dolmetscher während der Verhandlung übersetzen. Er sei sehr betrunken gewesen und habe niemandem Angst machen wollen. Schließlich habe er sich ja auch nur eine Zigarette aus der Schachtel genommen und sei dann weitergegangen.

Ihm sei inzwischen aber klar geworden, wie beängstigend sein Auftreten auf die Gruppe gewirkt haben müsse. „Ich entschuldige mich.“ Die drei Jugendlichen selbst wurden nach einem Rechtsgespräch zwischen Richterin, Verteidiger und Staatsanwalt zwar nicht mehr als Zeugen vernommen. Die Entschuldigung des Angeklagten bekamen sie auf den Zuhörerbänken aber trotzdem mit - und nahmen sie regungslos zur Kenntnis.

Die Lebensmittel habe er gestohlen, weil seine Sozialleistungen in Höhe von 320 Euro manchmal nicht ausreichten, erklärte der 30-jährige Asylbewerber.

Der Mann hat keine abgeschlossene Berufsausbildung und ist Vater dreier Kinder, die in Frankreich leben. Er selbst lebe nicht mehr in Frankreich, weil er nach eigenen Angaben dort Probleme bekommen hatte, erklärte er der Richterin auf der deren Nachfrage. „Ich musste das Land verlassen“, so der Algerier, der in Deutschland derzeit geduldet wird.

Verurteilt wurde er am Ende wegen schwerer räuberischer Erpressung in einem minderschweren Fall sowie wegen der beiden Diebstähle zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Letzte Chance

Es sei seine letzte Chance, sich straffrei zu führen, redete ihm die Richterin ins Gewissen und stellte klar: Auch wenn sich seine Trunkenheit strafmildernd ausgewirkt habe, sei Alkohol keine Entschuldigung.

Zudem muss der Algerier 400 Stunden gemeinnütze Arbeit leisten und eine Suchtberatungsstelle aufsuchen. Sie soll klären, ob bei dem 30-Jährigen ein Alkoholproblem vorliegt.

 
 

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