Hier schlägt das Herz des Esloher Museums

Die „Schrauber“ der Museumswerkstatt:John Einhäuser, Harald Reinartz, Sebastian Friedhoff, Lars Gerke und  Wolfgang Dudek (hinten von links) sowie Heiner Lindau und Michael Gerke (vorne von links). Auf dem Foto fehlen Klaus Gottfried und Hubert Lehmann. Mindestens einmal in der Woche sind sie ehrenamtlich im Einsatz.
Die „Schrauber“ der Museumswerkstatt:John Einhäuser, Harald Reinartz, Sebastian Friedhoff, Lars Gerke und Wolfgang Dudek (hinten von links) sowie Heiner Lindau und Michael Gerke (vorne von links). Auf dem Foto fehlen Klaus Gottfried und Hubert Lehmann. Mindestens einmal in der Woche sind sie ehrenamtlich im Einsatz.
Foto: Frank Selter
Hier, wo nichts blitzt und funkelt, wo es nach Maschinenöl riecht, das Werkzeug auf den Tischen liegt und die Besen in der Ecke stehen - hier schlägt das Herz des Esloher Dampf-Land-Leute Museums.

Eslohe..  In der Werkstatt erwecken die ehrenamtlichen „Schrauber“ die alte Technik wieder zu neuem Leben. Sie sorgen dafür, dass es an den Dampftagen auf dem Museumsgelände auch tatsächlich dampft und zischt.

Alte Lok hat ausgedampft

Ausgedampft hat im Moment allerdings die alte Lok aus dem Jahre 1898. Kessel, Fahrgestell, Maschinenteile und Fahrerhaus - komplett zerlegt nimmt die Lok im Moment viel Platz in der Werkstatt ein. Sie war vor zwei Jahren aus dem Gleis gesprungen. Den Schaden an sich zu beheben, wäre gar nicht das Schwierigste gewesen. Aber die „Schrauber“, wie die neun technikbegeisterten Männer aus der Werkstatt in Museumskreisen genannt werden, hat der Ehrgeiz gepackt. „Wenn wir das jetzt machen, dann machen wir das auch richtig“, sagt Sebastian Friedhoff. Nun also wird die alte Betriebslok der ehemaligen Firma Koenig nicht nur repariert, sondern generalüberholt. Das Zerspanen und Drehen von Achsen und Exzenter übernimmt eine Fachfirma, den Rest erledigt die Museumsmannschaft selbst. „Eine langwierige Arbeit“, sagt John Einhäuser. „So etwas macht man nur einmal im Leben.“

Die nächsten 200 Jahre Ruhe

Wenn die „Schrauber“ mit ihrer Arbeit fertig sind, sollte die Lok die nächsten 200 Jahre wieder ohne größere Probleme ihre Runden über das idyllische Museumsgelände drehen können, sagen sie. Bei den Dampftagen im nächsten Jahr soll es soweit sein.

Keine halbherzigen Alternativen

Derweil hat sich die Truppe für die bereits am Wochenende anstehenden Dampftage um Ersatz bemüht. Das Feldbahn-Museum in Frankfurt wird am frühen Samstagmorgen mit einem Tieflader eine Dampflok liefern - samt dazugehörigem Lokführer. Das kostet das Museum eine ganze Stange Geld. „Aber an Dampftagen muss es eben dampfen“, sagen Sebastian Friedhoff und John Einhäuser. Natürlich könne auch eine Diesellok die Waggons ziehen. Aber das sei ja nicht der Sinn der Sache. Man wolle durch eine solche halbherzige Alternativlösung den guten Ruf des Museums nicht aufs Spiel setzen.

Jeden Donnerstag treffen sich die „Schrauber“ in ihrer Werkstatt. Und nicht selten ist auch an Samstagabenden und an Sonntagen das Licht im Herzstück des Esloher Museums an. Zu tun gibt es dort immer etwas. Das Lager ist voll mit alten Schätzchen, die darauf warten, wieder in Gang gesetzt zu werden.

Neben der alten Dampflok war es zuletzt der Koks betriebene Kessel, der den Männern jede Menge Arbeit beschert hat. Der TÜV hatte im Herbst aus Sicherheitsgründen keine Genehmigung mehr für eine Inbetriebnahme erteilt. Also machten sich die „Schrauber“ daran, den alten Gaskessel aus der Kinderklinik Datteln, der beim Umbau des Museums 2004 eingebaut worden war, in Schwung zu bringen. Weil das nicht ganz so einfach ist, hatte die Truppe diesen Schritt zuvor immer gescheut.

Vom Ehrgeiz angetrieben

Und auch in diesem Fall trieb der Ehrgeiz die Männer an. Inzwischen läuft nicht nur der Gaskessel, auch der alte Kokskessel ist wieder betriebsbereit - samt neuer Genehmigung des TÜVs. „Jetzt dampft und zischt es hier so richtig“, sagt Sebastian Friedhoff und lacht. Er ist unter den „Schraubern“ der Dampfchef.

Ölverschmierte Hände

Momentan steckt die Technik-Truppe mitten in den Vorbereitungen auf die anstehenden Dampftage. „Das ist immer ein hartes Stück Arbeit“, sagen sie. Nicht nur für die „Schrauber“, sondern auch für rund 30 bis 40 weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des Museumsvereins, die an beiden Tagen des Wochenendes dafür sorgen, dass es im und am Museum im wahrsten Sinne des Wortes „rund läuft“. Aber spätestens, wenn am Ende der beiden Tage wieder tausende Besucher zufrieden das Museumsgelände verlassen haben, dann wissen die Schrauber auch, warum sie ihre ehrenamtliche Arbeit so gerne machen und es lieben, einen großen Teil ihrer Freizeit mit ölverschmierten Händen zu verbringen.

Zu den ehrenamtlichen „Schraubern“ des Esloher Museums gehören im Einzelnen: John Einhäuser, Sebastian Friedhoff, Hubert Lehmann, Michael Gerke, Lars Gerke, Wolfgang Dudek, Harald Reinartz, Heiner Lindau und Klaus Gottfried.

Neue „Schrauber“ sind jederzeit willkommen. Wer Interesse hat, sich der Truppe anzuschließen, kann einfach donnerstags ab 17 Uhr in der Museumswerkstatt vorbeischauen oder sich unter 02973/2455 zu den Öffnungszeiten im Esloher Museum melden.

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