Heimleiter-Skandal – EHC zum Krisengespräch in Arnsberg

Foto: REUTERS / WOLFGANG RATTAY
  • Heimleiter-Skandal zieht weite Kreise. European Homecare zum Kisengespräch nach Arnsberg zitiert
  • CDU macht Affäre um vorbestraften Flüchtlingsbetreuer zum Thema im Landtag
  • Niederländische Zeitung decken weitere Details über den Beschuldigten auf

Arnsberg/Essen. Die Frage ist eigentlich ganz simpel, doch wenn es um die Antwort geht, dann ziehen alle Beteiligten den Kopf ein: Wer trägt die Verantwortung dafür, dass ein 19-fach vorbestrafter Niederländer als Heimleiter der Landesaufnahmeeinrichtung in Finnentrop fungieren konnte? Dort wo zum Teil traumatisierte Flüchtlinge lebten, dort wo sich Familien und Kinder in Sicherheit wähnten.

Auf genau diese Frage möchte die CDU im Landtag jetzt eine Antwort hören. Deshalb hat der Abgeordnete André Kuper als Folge der Berichterstattung eine kleine Anfrage an die Landesregierung formuliert. Er kann nicht nachvollziehen, wieso die Vorstrafen des Heimleiters erst Anfang der Woche bei einem Vergewaltigungsprozess bekannt wurden. Die Beteiligten der Affäre:

European Homecare

Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben mehr als 100 Einrichtungen für Flüchtlinge betreut, steht seit langem unter Druck. 2014 sollen Wachleute einer privaten Wachfirma, die im Auftrag von European Homecare (EHC) tätig war, in der Burbacher Asylunterkunft einen Flüchtling misshandelt haben. Nun prasseln neue Anschuldigungen auf die Firma ein. Die CDU will deshalb wissen: „Wie bewertet es die Landesregierung, dass immer wieder Vorwürfe gegen (...) European Homecare auftauschen, die Bezirksregierung aber auch aktuell, wie bei der Vergabe für die Einrichtung in Rüthen, an dem Betreiber festhält?“

Die Geschäftsbeziehung steht nun offenbar auf wackligen Beinen. Man müsse prüfen, „ob eine weitere Zusammenarbeit möglich ist, wenn die Betreuungsunternehmen ihrer eigenen Verantwortung nicht gerecht werden“, hieß es gestern aus der Bezirksregierung auf Anfrage dieser Redaktion.

Die Bezirksregierung

Die Behörde in Arnsberg beharrt darauf, dass EHC für die Überprüfung des Personals verantwortlich ist. Das sei auch in Zusammenarbeit mit dem Staatsschutz möglich, heißt es. Gestern bestellte die Bezirksregierung EHC-Geschäftsführer Sascha Korte zum Krisengespräch ein. Dabei „bekannte sich Korte zu der Verantwortung des Unternehmens, nur geeignetes und qualifiziertes Personal für die von ihm betreuten Flüchtlingseinrichtungen einzusetzen“, teilte die Behörde anschließend mit. „Das gebiete schon die besondere Schutzbedürftigkeit von geflüchteten Menschen. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass Mitarbeiter nicht vorbestraft sein dürfen. EHC muss nötigenfalls auch die Vorlage von ausländischen Führungszeugnissen von Bewerbern verlangen, um das sicherzustellen.“

Das Innenministerium

„Fragen Sie die Bezirksregierung. Die ist zuständig“, heißt es in Düsseldorf monoton. Die CDU will das nicht so stehen lassen: „Wie bewertet es die Landesregierung, dass eine hoheitliche Aufgabe an ein privates Unternehmen übertragen wird, aber die Kontrolle nicht gewährleistet wird“, schreibt sie in der kleinen Anfrage.

Die Entscheidung über die zukünftige Zusammenarbeit mit EHC kann zudem nicht in Arnsberg fallen – die möglichen finanziellen Folgen sind eine Nummer zu groß für die Beamten im Sauerland. Aus den Verträgen auszusteigen könnte Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe zur Folge haben.

Der Heimleiter

Mittlerweile berichten auch die holländischen Zeitungen über diesen Skandal. Das Algemeene Dagblat, eine der größten überregionalen Tageszeitung der Niederlanden, schreibt, dass der 51-jährige Angeklagte bereits 1997 als Leiter eines Sommercamps in Friesland eine 14-Jährige belästigt haben soll. Außerdem soll er in einem Behindertenheim in Arnheim Bewohner um ihr Geld betrogen habe. Von einem weiteren Vergewaltigungsvorwurf wurde der Mann wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Das niederländische Blatt hat nur einen Tag benötigt, um diese Informationen zu recherchieren.

Den Behörden in Deutschland und European Homecare wäre das sicher auch möglich gewesen – wenn sie es denn gewollt hätten.

Das noch:
- Der Vergewaltigungs-Prozess gegen den 51-jährigen Holländer wird am Donnerstag, 24. November, 9 Uhr am Landgericht Arnsberg fortgesetzt.

- Das mutmaßliche Opfer, eine 23-jährige Syrerin, wird aussagen. Ihr Anwalt beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit. Begründung: Die Aussagen der Frau könnten in ihrem Kulturkreis für Beeinträchtigungen sorgen.

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