Hautkrebs: Drastische Zunahme an Fällen

Meschede..  Er kommt häufiger vor als Brust- oder Prostatakrebs. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken jährlich 234 000 Menschen neu an Hautkrebs. Für 3000 von ihnen endet die Erkrankung tödlich. Dabei ist es entscheidend, dass der Hautkrebs früh erkannt wird. Haus- und Hautärzte bieten seit einigen Jahren für Versicherte ab 35 Jahren eine kostenlose Untersuchung an. Und dennoch steigen die Zahlen der Neuerkrankungen drastisch. Nehmen die Menschen nicht rechtzeitig die angebotene Vorsorge wahr oder setzen sie sich vermehrt Risiken wie intensivem Sonnenbaden aus?

Dr. Jürgen Kramer, Allgemeinmediziner aus Meschede, ist einer der Hausärzte, die in ihrer Praxis auch das Hautkrebsscreening anbieten. Er glaubt, dass die steigende Zahl der Diagnosen vor allem damit zusammenhängt, dass heute so viele Untersuchungen gemacht werden. „Wer mehr sucht, findet mehr. Das ist ganz einfach“, sagt er. Mit der Zeit, so glaubt er, sollten die Erkrankungen an schweren Krebsarten und damit die Sterblichkeit abnehmen. „Bisher ist das noch nicht der Fall. Aber wir behandeln auch momentan die Krebse, die vor 25 Jahren entstanden sind. Mit dem Wissen und den Präventionsmaßnahmen von heute werden wir diese Ergebnisse erst in 20 Jahren sehen.“

Früh erkannt lassen sich die verschiedenen Krebsarten oft noch gut behandeln. Besonders die hellen Hautkrebse treten sehr häufig auf und sind nicht so gefährlich wie die schwarzen Melanome. „Die weißen Hautkrebse lassen sich sehr gut behandeln. Bei einem Landwirt zum Beispiel, der sich sein Leben lang während der Feldarbeit den Nacken verbrannt hat, haben wir einmal sieben Stück gefunden. Wir konnten alle erfolgreich rausschneiden“, berichtet Kramer. „Die schwarzen Melanome hingegen treten zwar grundsätzlich seltener auf, weil sie auch schwieriger zu finden sind, aber sie zeigen sich in letzter Zeit häufiger.“

Kramer untersucht im Jahr die Haut von etwa 800 Patienten. Diejenigen, die älter als 35 Jahre sind, nehmen in der Regel alle an dieser Vorsorgeuntersuchung teil. „Das liegt aber auch daran, dass wir den allgemeinen kostenlosen Gesundheits-Check-up zusammen mit dem Hautscreening anbieten. Sie werden beide alle zwei Jahre von den Kassen bezahlt“, sagt Kramer. „Vielleicht finden wir bei 20 Patienten ein verdächtiges Merkmal. Für die Kassen ist das dann natürlich irgendwann eine Kostenfrage. Aber für die 20 Patienten kann es sich gelohnt haben.“

Keine hundertprozentige Sicherheit

Kann. Denn eine hundertprozentige Sicherheit können die Untersuchungen nicht bieten. „Es kann auch uns passieren, dass wir welche übersehen. Eigentlich suchen wir nach einer auffälligen Veränderung, und wenn wir die gefunden haben, untersuchen wir alle anderen genauer. Sonst würde die Untersuchung noch länger dauern“, erklärt Kramer die ärztliche Vorgehensweise.
Auffällige Hautveränderungen kann der Patient unter Umständen schon selbst erkennen. Die schwarzen Melanome können sich vorwölben, ein mehrfarbiges Muster haben oder gelegentlich sogar bluten. Der helle Hautkrebs kann hingegen aussehen wie Macken, die schuppen und nicht zuheilen. Oft tritt er an den Augenlidern auf, weil diese ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind.

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