„Glück gehabt im Leben“

Mutter Teresa war 1985 zu Gast in Bödefeld. Foto: Archiv
Mutter Teresa war 1985 zu Gast in Bödefeld. Foto: Archiv
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Bödefeld. Beim Anblick seiner Bildergalerie resümiert Gerhard Gierse: „Ich habe Glück gehabt im Leben.“ Fotos, auf denen er zusammen mit Papst Johannes Paul II., mit Helmut Kohl oder Mutter Teresa zu sehen ist, zieren seinen Hausflur. Der Publizist feiert heute seinen 85. Geburtstag im Kreise der Familie.

Glück allein genügt aber wohl nicht, um eine katholische Wochenzeitung erfolgreich auf den Markt zu bringen, Mutter Teresa nach Bödefeld zu holen oder neun große Hilfstransporte nach Polen mit der Kolpingsfamilie Bödefeld zu organisieren.

„Im Leben im richtigen Augenblick das Richtige tun“ und „von sich selbst überzeugt sein“, versucht der Bödefelder, seinen außergewöhnlichen Lebensweg zu erklären. 1951 gründete der Bödefelder zusammen mit Wilhelm Adelmann, den er im Krieg im Lazarett kennenlernte, die katholische Wochenzeitung „neue Bildpost“, die zu Hochzeiten eine Auflage von 300 000 Exemplaren hatte. „Das war eine schöne Zeit“, erinnert sich der Jubilar. Der Verleger und Publizist hat Bundeskanzler von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl und Päpste von Pius XII. bis Johannes Paul II. gesprochen und auf Reisen begleitet.

Arbeit als Lebenselixier

Obwohl Gierse und Adelmann ihre Zeitung vor etwa 20 Jahren nach Ulm verkauft haben, ist der Bödefelder bis heute publizistisch tätig. „Ich gebe jede Woche einen politischen Hintergrunddienst heraus“, erzählt er. Seine Arbeit habe sein Arzt auch schon als Lebenselixier bezeichnet. „Ich fühle mich noch gar nicht wie 85“, sagt der Jubilar mit einem Schmunzeln.

„Wenn ich mein Leben noch mal leben könnte, würde ich nichts anders machen“, spielt Gerhard Gierse auch auf sein ehrenamtliches Engagement an. Seit 1948 arbeitet er im Vorstand der Kolpingsfamilie Bödefeld, davon seit 1958 als Vorsitzender. Außerdem ist er im Vorstand des VdK Bödefeld als Schriftführer aktiv. „Diesen Posten habe ich bewusst übernommen, um die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen zu ermöglichen.“

Zusammenarbeit der Generationen

Lange möchte er diese Ämter aber eigentlich nicht mehr inne haben. Es stelle sich jedoch als äußerst schwierig dar, Nachfolger zu finden. „Wir haben zwar so gut wie keine Austritte, aber es kommen auch keine Neuen nach“, berichtet der Bödefelder von seinen Sorgen. „Wir müssen uns Gedanken machen und aktuelle Themen setzen.“ Konkrete Vorstellungen hat er bereits. Nicht nur älteren Menschen, sondern auch jungen Familien müsse Hilfestellung angeboten werden. Bei Kolping gehe es schließlich um die partnerschaftliche Zusammenarbeit der Generationen. „Das wird zwar schwierig, aber wir müssen uns eben anstrengen“, sagt der 85-Jährige fest entschlossen. Eine Zusammenarbeit mit der Schule kann er sich zum Beispiel gut vorstellen.

„Ich kann es schlecht sehen, wenn etwas Gutes leichtsinnig vor die Hunde geht“, erklärt Gierse seine Motivation, diese Ämter zu schultern. „Ich sehe die Notwendigkeit.“

 
 

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