Genügsam, gesund und heiß begehrt

Er erfüllte sich seinen Traum, Obst anzubauen: Mit der Holunderbeere fand Michael Schütte die ideale Frucht für das Sauerland. Fotos: Jürgen Kortmann
Er erfüllte sich seinen Traum, Obst anzubauen: Mit der Holunderbeere fand Michael Schütte die ideale Frucht für das Sauerland. Fotos: Jürgen Kortmann
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Eversberg.. Die erste Ernte ist eingefahren. Eine Tonne an Früchten, alles von Hand gepflückt. Michael Schütte hat eine besondere Nische für sich entdeckt: Er baut als einziger in der Region im großen Stil Holunderbeeren an.

Mit dem Erfolg des Erfrischungsgetränks „Bionade“ erlebt die schwarze Beere eine Renaissance in Deutschland: Der Hersteller benötigt Nachschub. Als Lebensmittelfarbstoff wird die Holunderbeere wegen ihrer intensiven Färbung ebenfalls zunehmend verwendet. Gewerbsmäßig gibt es nur kleine Anbauflächen am Rhein, in der Rhön, in Süddeutschland. Und jetzt in Eversberg. Auch Schüttes Beeren landen in der Saftindustrie. Eineinhalb Hektar ist seine Plantage am Gersthagen groß, 700 Bäume hat er gepflanzt. Früher war hier ein Acker, „mit den besten Kartoffeln ringsum“. Schütte führt es auf den steinigen Boden zurück: Die Steine wärmen sich auf und geben abends diese Wärme ab – „hier ist ein ganz spezielles Mikroklima“. Das mag auch die Holunderbeere.

2009 begann der 44-Jährige mit seiner Planung, ein Jahr dauerte die Vorbereitung, jetzt also die erste Ernte. Schüttes Überlegungen waren, „etwas mit Obst zu machen“ und – als Naturlandbetrieb – dieses biologisch zu produzieren. Nein, er wollte ausdrücklich keine Weihnachtsbäume anpflanzen, auch wenn die doch raschen Profit versprechen: „Weihnachtsbäume? Das machen doch alle. Und man muss nicht immer auf das schnelle Geld achten“, so die Philosophie des studierten Forstwirtes. Für ihn ist es ein zweites Standbein. Der Holzkaufmann kauft bundesweit Laubholz ein und exportiert es nach Asien, vor allem nach China. Das Holzgeschäft floriert im Herbst, wenn dieses Geschäft im Frühjahr aufhört, beginnt jetzt Schüttes Obstgeschäft.

Nun ist das Sauerland alles, aber kein klassisches Obstanbauland. Äpfel wären möglich, „aber ein Frost kann bei einer Erwerbsanlage den Totalverlust der Ernte bedeuten“. Der Eversberger stieß bei seiner Suche nach Alternativen schließlich auf die Holunderbeere: Sie verträgt unser launisches Klima, wächst schnell, blüht sehr spät und hat damit keine Last mit spätem Frost. Sie ist so unscheinbar und dabei so gesund. Unter den heimischen Pflanzen hat sie den höchsten Gehalt an Vitamin C, ihr roter Farbstoff soll gegen Bluthochdruck helfen.

Inzwischen haben die Holunderbäume mit zwei bis drei Metern eine bequeme Erntehöhe erreicht. Auch wenn die Pflanzen anspruchslos an den Standort sind, viel Arbeit machen sie dennoch. Die Bäume müssen regelmäßig geschnitten werden, alle zwei Wochen muss wegen der Nährstoffe gemulcht werden. Die Früchte müssen, weil sie leicht verderben, rasch verarbeitet werden.

Weitere Bäume folgen

In diesem Jahr war es eine erste Tonne an Beeren, wenn die Plantage künftig richtig erblüht, dann sollen es fünf Tonne pro Hektar sein. Schütte denkt schon weiter: In Eversberg hat er eine zweite Fläche direkt am Sportplatz gepachtet, gepflügt und eingesät. Im Frühjahr werden dort auf ebenfalls eineinhalb Hektar weitere Bäume gepflanzt. Schütte könnte sich vorstellen, dass Brauereien bei der Suche nach neuen Mix-Kreationen auf seine Beere aufmerksam werden. Auch die gehobene Gastronomie kann er sich für den regionalen Saft als Abnehmer vorstellen. Schütte baut sich ein Netzwerk mit Partnern auf, die sich ebenfalls regionalen Erzeugnissen verschrieben haben: Die Abtei Königsmünster genauso wie der Gutshof in Warstein.

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