„Geld bedeutet Zeit für die Pflege“

Ute Tolksdorf
Mehr Zeit für die Pflege, fordern die ambulanten Dienste.
Mehr Zeit für die Pflege, fordern die ambulanten Dienste.
Foto: IKZ

Meschede.  „Die Qualität der ambulanten Pflege ist bedroht. Unsere Pflegekräfte können sich für ihre Patientinnen und Patienten kaum mehr die eigentlich nötige Zeit nehmen“, sagt Ferdi Lenze vom Vorstand des Caritasverbandes Meschede. Doch im ländlichen Raum kommen besondere Probleme hinzu. Auch auf diese wollen die Sozialstationen und die privaten Pflegedienste mit verschiedenen Veranstaltungen hinweisen.

Frage: Mit welchen Problemen hat die ambulante Pflege gerade im ländlichen Bereich zu kämpfen?

Ferdi Lenze: Neben den bürokratischen Auflagen, unter denen alle ambulanten Pflegedienste leiden, müssen unsere Mitarbeiterinnen viel weitere Wege zurücklegen. In einer Großstadt trifft man mehrere Patienten in einem Bezirk an, aber fahren Sie hier im Winter mal von Mosebolle nach Remblinghausen oder von Schmallenberg nach Latrop. Wir brauchen auch da dringend einen Flächenansatz und damit mehr Zeit für den einzelnen Pflegefall.

Wie viele Menschen werden im Altkreis betreut?

Etwa 580 Pflegebedürftige werden im Verbandsgebiet der Caritas versorgt. Hinzu kommen noch diejenigen, die von privaten Anbietern betreut werden. Das sind noch mal rund 2000 Menschen.

Was ist ihr größtes Problem?

Während alles andere deutlich teurer geworden ist, haben die Krankenkassen die Vergütungssätze für die ambulante Pflege in den vergangenen zehn Jahren nur minimal erhöht. Kostensteigerungen durch höhere Löhne und Sachkosten können von den Pflegediensten schon längst nicht mehr aufgefangen werden. Auch der bürokratische Aufwand verschlingt immer mehr wertvolle Zeit. Der zeitliche Druck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegediensten steigt ständig – und das spüren auch die Patientinnen und Patienten. Um weiterhin gute Arbeit leisten zu können, brauchen die Dienste von den Kassen deutlich mehr Geld. Denn Geld bedeutet hier Zeit – und die zählt für die Menschen.

Sie haben die Bürgermeister im Altkreis Meschede überzeugen können, dass sie an einem Pflege-Einsatz teilnehmen. Sie werden sicherlich einen Eindruck von den Aufgaben der Pflegedienstmitarbeiterinnen mitnehmen, aber letztlich können sie doch finanziell nichts für die Pflegedienste tun?

Das stimmt. Erstmal zahlen die Kassen. Sozialhilfeträger, und damit zuständig für diejenigen, die sich die Pflege nicht selbst leisten können, ist aber der Kreis. Zahlen die Kassen zu wenig, ist der Kreis über die Sozialhilfe betroffen. Dessen Kosten werden wiederum über die Kreisumlage der Städte und Gemeinden finanziert. Also können sich die Bürgermeister bei der Tour ein Bild davon machen, was möglicherweise noch an Belastungen über die Kreisumlage bezahlt werden muss. Und es geht uns ja auch darum, Öffentlichkeit zu schaffen.

Welche Unterstützung brauchen die Pflegedienste vor allem?

Erstmal geht es uns darum, die Bevölkerung über die Situation zu informieren. Wenn man möchte, dass alte Menschen so lange wie möglich zu Hause gepflegt werden können, muss man auch die ambulante Pflege unterstützen. Wir brauchen vor allem positive Rahmenbedingungen - dazu gehört eine angemessene Vergütung und der Abbau der Bürokratie - denn nur dann kann es uns gelingen, Menschen dafür zu gewinnen, dass sie mit dem Auto von Dorf zu Dorf fahren und die Menschen in ihrer vertrauten Umgebung pflegen.

HintergrundHINTERGRUND

Auch die Sozialstationen von Caritas und Diakonie in Schmallenberg, Bestwig, Eslohe und Meschede beteiligen sich an der landesweiten Initiative der Freien Wohlfahrtspflege NRW „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“. Sie setzen sich dabei für bessere Bedingungen in der häuslichen Krankenpflege und vor allem für mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten ein. Von den Krankenkassen fordern sie eine angemessene Vergütung der Pflegeleistungen. Im Aktionszeitraum vom 15. bis zum 28. April finden dazu landesweit Aktionen vor Ort statt: Mit einem „Pflegefrühstück“ am kommenden Freitag, 19. April, in Meschede und am 25. April in Schmallenberg während der jeweiligen Wochenmärkte soll auf die Situation der ambulanten Pflege vor Ort aufmerksam gemacht werden. An den Infoständen wollen Mitarbeiter mit den Bürgern ins Gespräch kommen und die unzureichenden Rahmenbedingungen verdeutlichen. Weitere Informationen unter: www.hilfe-fuer-pflege.de